Bandcontest-Gewinner spielt in Korbach – WLZ in der Jury

Auftritt beim Korbacher Hessentag: Sängerin Salma gewinnt Wettbewerb

Darmstadt/Korbach. Der Bass vom Soundcheck ist draußen im Carree zu hören. Im Saal der Centralstation bereiten sich vier Bands auf ihren Auftritt vor. Die Lokalität im Zentrum von Darmstadt ist an diesem Abend Veranstaltungsort für das Finale eines Bandcontests junger, innovativer Musikgruppen aus Südhessen. Wer gewinnt, darf beim Hessentag in Korbach auftreten. Wir sitzen in der Jury. Unsere Stimme zählt.

„Wir machen nur den Line-in-Check“, erklärt mir ein Musiker von Acoustic Massacre aus Aschaffenburg. „Kabel einmal reinstecken und fertig.“ Die Band ist euphorisch und kann ihren Auftritt kaum erwarten. Acoustic Massacre wird der zweite Act des Abends sein und hat vor, die Halle zu rocken. 80 Fans haben die Musiker mitgebracht. Entsprechend selbstsicher wird die Gruppe auftreten.

Blockhelden

Aber zunächst machen Blockhelden den Anfang. Mit deutschsprachigen, nachdenklichen Texten legen sie einen souveränen Auftritt vor ungefähr 200 Zuschauern hin. In 40 Minuten dürfen sie zeigen, was sie an Gitarre, Bass, Schlagzeug und Mikrofon drauf haben, um die zehnköpfige Jury und das Publikum zu überzeugen. Die fünf jungen Männer steigern sich von Song zu Song.

„Jeder Tag bringt neues Licht in die Dunkelheit“, singt Frontmann Ole. Bei einem Lied über seinen Vater lässt er tief in seine Gefühlswelt einblicken. Er bringt das Publikum zum Mitsingen. Das darf auch mit Lichtern für Stimmung sorgen. „Früher waren es die Feuerzeuge, heute sind es die Handylichter“, sagt er.

Als Jury-Mitglied bin ich sozusagen fast undercover unterwegs, mische mich ins Publikum und begebe mich auch mal in den Backstage-Bereich. „Gude“ heißt es hier zur Begrüßung. Musiker entspannen sich während des langen Konzertabends, tauschen sich aus und trinken Bier. Sie fachsimpeln und diskutieren über Fairness bei Band-Wettbewerben wie diesem. Wie aussagekräftig wird das Ergebnis sein? Wie viel wird es über die Qualität der Band aussagen?

Acoustic Massacre

Äußerst cool kommen die vier Musiker von Acoustic Massacre mit Sprechgesang, schnellen Beats und Latino-Klängen daher. Sie unterhalten das Publikum bestens, streuen Konfetti und animieren zu einer Polonaise. Das Quartett ist grandios aufeinander eingestimmt, was auf seine zwölf Jahre gemeinsame Banderfahrung zurückzuführen ist. „A day to repeat“ geht ins Ohr und bleibt im Kopf. Frontmann Flo bringt es auf den Punkt: „Wir machen viel Ernsthaftes und ein bisschen Klamauk.“

Atrio

Starke Umsetzung an den Instrumenten zeigen die drei Musiker von Atrio. Flinke Griffwechsel zeugen von Professionalität. Mit Hardrock, Blues und englischen Texten bedienen sie ein Genre, das an diesem Abend bisher noch nicht dargeboten worden ist. Atrio gibt sich laut und rockig, erhält viel Beifall, aber verhalteneren Jubel als die Vorgängergruppe.

Zwischen den Auftritten herrscht ein geschäftiges Treiben rund um die Bühne. Instrumente werden verkabelt, Mikrofone umgestellt. Tontechniker arbeiten auf Hochtouren.

Salma mit Sahne

Endlich erscheinen mit der letzten Band auch mal Frauen auf der Bühne, die mit ihren Blumenröcken auch für Farbe sorgen. Die Frontfrau Salma hat ein weiteres Mädel an Akkordeon und Glockenspiel sowie einen Drummer und einen Bassisten um sich geschart. Sie gibt hier den Ton an, die anderen begleiten sie eher im Hintergrund.

Vergleichsweise sanft klingen ihre Melodien. „Willis Schlaf“ handelt von ihrer Schildkröte, die erst jetzt aus ihrem Winterschlaf erwacht ist. Die Singer/Songwriterin gibt sich vielsaitig an der Gitarre und vielseitig mit ihrer Stimme. Sie umgarnt das Publikum mit ihrer Bühnenpräsenz, ihrem Witz und ihrem Temperament.

Der Spaß am Spielen ist ihrer Mimik anzusehen, ihren Songs anzuhören. Das Stück „Musikerin“ macht deutlich, wofür ihr Herz schlägt.

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