Zusammenspiel von Mensch, Raum und Technik

Ausstellung "Digital Approximations" im Korbacher Museum eröffnet

Viele „Ichs“ verschwimmen: Jan Phillip Ley (Mitte) mit Ulrich Nether, Bernd Kramer, Philipp Hiller und Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen (von links) präsentieren die Foto-Installation „Collective Identity“.
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Viele „Ichs“ verschwimmen: Jan Phillip Ley (Mitte) mit Ulrich Nether, Bernd Kramer, Philipp Hiller und Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen (von links) präsentieren die Foto-Installation „Collective Identity“.

Korbach. Wo steht der Mensch im Verhältnis zu digitaler Technologie? Eine neue Ausstellung im Wolfgang-Bonhage-Museum Korbach soll das greifbar machen.

Ein leichtes Summen hängt in der Luft, plötzlich gesellt sich ein glockenheller Ton dazu und verstummt wieder: Das Kunstwerk AX reagiert auf die Besucher, die zur Eröffnung der Ausstellung „Digital Approximations“ durch den Keller des Wolfgang-Bonhage-Museums Korbach schweifen. Nähern sie sich einer der im Kreis aufgestellten Glasröhren, intensiviert sich ihr Licht und ein Ton erklingt.

Wie Mensch, Technik und Raum zusammenwirken, ist das Thema der ersten Ausstellung des Detmolder Künstlers und Forschers Jan Phillip Ley. „Kunst darf Fragen stellen“, stellt Philipp Hiller vom VHS-Kulturforum fest: „Was macht Digitalisierung mit einem selbst?“ Professor Ulrich Nether von der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur fasste zusammen: „Hier werden interaktives Vergnügen und sozialpolitische Stellungnahme verknüpft.“

Gäste experimentieren bei "Digital Approximations" mit der Installation AX.

Sechs Stationen stellen nacheinander dar, wo der Mensch mit der Technik eigentlich steht. Wer an der ersten, „Silence“, die Kopfhörer aufsetzt, hört erst einmal nichts mehr vom Trubel der Eröffnung. Die Töne, die stattdessen auf den Gast einprass

eln, ändern sich je nach Distanz zu einer leuchtenden Wand – ganz für sich spielt der Besucher hier mit dem Verhältnis von Mensch, Technik und Raum.

Diese Grundidee wird in den weiteren Stationen ausgebaut: Ein Film zeigt die Verwendung des modifizierten Kopfhörers Fluks. Deren Sensoren erfassen den Raum und wandeln diese Daten in Töne um. Die große Lichtinstallation AX lässt den Gast frei mit diesen Variablen spielen – in einem „Raum, der nur aus Licht und Ton besteht“.

Das Digitale schaffe neue Möglichkeiten, erklärt Ulrich Nether – aber auch Abhängigkeiten: Das verdeutlicht der Film über den „Virtual Flâneur“. Ein Mensch bewegt sich mit einer Maske durch eine Stadt, deren Bild- und Tonaufnahmen ein anderer sieht und ihn fernsteuert. Kontrollverlust zeigt auch die in einem Film demonstrierte „Bodymachine“: Mit Stromimpulsen hält das Gerät seinen Nutzer davon ab, sich Gegenständen zu nähern.

Macht Räume hörbar: Fluks.

In die Kunst integriert wird der Besucher wieder bei „Collective Identity“: Das Ausschwärmen ins Digitale, wo das „Ich“ im „Wir“ verschwinde, symbolisiert es mit Kameraaufnahmen der Gäste. Nach und nach überlagern sich diese.

Einige Dutzend Gäste sind zur Eröffnung gekommen, Stadtrat Bernd Kramer begrüßte sie. Der Künstler selbst fühlte sich im Korbacher Museum gut aufgehoben – es betone die Zwischenräume zwischen Tradition und dem, was nachkommt. Ley: „Ich will die Werkzeuge schaffen, um diese Zwischenräume zu entdecken.“

Die Ausstellung bietet viel Raum zum Entdecken und Experimentieren – am besten in aller Ruhe, wie Ulrich Nether befindet. Gelegenheit dazu ist noch reichlich: „Digital Approximations“ ist bis zum 24. Februar zu sehen.

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