Noch bis 30. August sind Exponate zum ersten Bundespräsidenten im Korbacher Kreishaus zu sehen

Ausstellung zeigt Theodor Heuss in allen Facetten

+
Ausstellung im Kreishaus: Noch bis zum 30. August können die Exponate, die auf das Leben und das poltische Wirken von Theodor Heuss blicken, besichtigt werden. 

Korbach. Er war der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland: Theodor Heuss. Straßen, Plätze, Schulen und Institute sind nach ihm benannt. Die Zigarre war sein Markenzeichen, selbst bei der Eröffnung einer Schule oder beim Interview war diese immer dabei – heute undenkbar. Der Bundespräsident wurde zudem liebevoll „Papa Heuss“ genannt.

Mehr weiß man meist nicht mehr von ihm. Eine Wanderausstellung zum Thema „Demokratie als Lebensform“ hilft nun Besucherinnen und Besuchern, das Leben und Wirken des FDP-Politikers und seiner Ehefrau näher kennen zu lernen. Die Ausstellung wurde am vergangenen Dienstag von der Kreisbeigeordneten Hannelore Behle im Kreishaus eröffnet.

Einerseits kennzeichnete den Menschen Heuss eine „wohltuende Behäbigkeit“, wie Dr. Jürgen Römer, Fachdienstleiter Dorf- und Regionalentwicklung, in seinen Vortrag zur Ausstellung feststellte. Andererseits durchlebte er Epochen, die meist durch Instabilität, Unruhen und Kriege geprägt waren: Die Kaiserzeit mit Erstem Weltkrieg, die Weimarer Republik und die Nazizeit mit dem Zweiten Weltkrieg. Kaum jemand könne in diesen Turbulenzen einen geradlinigen Lebenslauf vorweisen, so Römer. Eine gewisse Stabilität stellte sich erst nach der Gründung der BRD ein.

Heuss schrieb mit am Grundgesetz und widmete sich mehr und mehr dem liberalen Gedankengut der FDP. Er hatte lange als Journalist und Autor gearbeitet und hatte in der Nazizeit Schreibverbot. Das hat ihn zweifellos geprägt. In seiner Amtszeit war er im Gegensatz zu manchem seiner Nachfolger eher unpolitisch, „unspektakulär, einfach und undramatisch“.

Die Ausstellung wirft einen Blick auf unterschiedliche Facetten des Menschen und Politikers Heuss. Entlang seines Lebenswegs zeigt sie die Entwicklung der Demokratie als Staats- und Lebensform von der Kaiserzeit bis heute. Und sie präsentiert keinen verklärten Politiker, sondern geht offen um mit Fehlern und Irritation, von denen Heuss auch nicht ganz frei war.

Für Schulklassen interessant

Originalobjekte, Fotos- Ton und Filmdokumente mit interaktiven Elementen helfen dabei ebenso wie eine zeitgemäße, symbolträchtige Farbgebung. Dabei gibt es auch Einblicke in das Leben seiner Ehefrau, Elly Heuss-Knapp, die vor 100 Jahren schon ein fast modernes Leben führte. Sie verband bereits Familie und Beruf und stellte sich neuen Herausforderungen.

Die Ausstellung verbindet Geschichte und Geschichten und dürfte helfen, über persönliche Sichtweisen auf Politik und Gesellschaft nachzudenken. Die Exponate richten sich vor allem auch an Schulklassen, die nach einiger Vorbereitung neue Erkenntnisse zu Werten der Demokratie gewinnen könnten. Ausgelegte Fragebögen helfen dabei, den Blick auf das Wesentliche zu behalten.

Info: Die Ausstellung kann bis zum 30. August während der Öffnungszeiten des Kreishauses besucht werden.

Von Hans Peter Osterhold

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare