Korbach

Austellung „Tabu Armut“ eröffnet

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- Korbach (resa). Armut beginnt in der Nachbarschaft: Und deshalb fordert die neue Sonderausstellung „Tabu Armut“ im Korbacher Museum zum Handeln auf und regt zum Mitfühlen an. Viele Interessierte kamen am Montagabend zur Eröffnung.

Wenn Kinder nie zu den Geburtstagsfeiern der Mitschüler gehen, weil sie sich kein Geschenk leisten können; wenn Mütter im Supermarkt verzweifelt nach Sonderangeboten suchen und Senioren den Arztbesuch aufschieben, weil sie die Praxisgebühr nicht bezahlen können: Dann handelt es sich um Armut in Deutschland. Eindringlich erzählte Museumsleiter Wilhelm Völcker-Janssen von den Schicksalen hinter dem Begriff Armut. „Wir haben eine Verpflichtung, hinzusehen“, appellierte er an die vielen Interessierten, die zu der Veranstaltung gekommen waren.

Unter der Federführung von Natalja Schens und Lydia Oswald hat eine eifrige Arbeitsgruppe mit Vertretern der katholischen und evangelischen Kirche und der Tafel die Bilderausstellung nach Korbach geholt. Ergänzt werden die einfühlsamen Fotos mit den Geschichten von Korbacher Menschen in Armut und heimischen Initiativen, die der Armut den Kampf angesagt haben. „Denn wir dürfen nicht vergessen: Armut beginnt in der Nachbarschaft“, stellte Bürgermeister Klaus Friedrich fest. Und weil es eben nicht nur die Aufgabe eines Museums sei, Vergangenes in den Blick zu nehmen, sondern auch gesellschaftliche Phänomene, um darüber zum Gespräch einzuladen, sei die Ausstellung im Korbacher Museum genau an der richtigen Stelle. „Und jeder sollte in seinem Rahmen Hilfe anbieten“, befand Friedrich.

Auch Eva Brinke-Kriebel, Dekanin im Kirchenkreis des Eisenbergs, appellierte an die Zuhörer: „Wir müssen den Finger auf den wunden Punkt legen“, erklärte sie, „das tut weh, ist aber auch der erste Schritt zur Änderung.“ Die Ausstellung wolle wachrütteln und das Tabu brechen, damit die Solidarität wachse. Und tatsächlich rühren die Geschichten der Menschen an: Mütter, die von ihrer Angst vor dem Schulanfang ihrer sieben Kinder erzählen, kommen hier ebenso zu Wort wie alte Menschen, die ihre Wohnungen nicht mehr verlassen. Und mit jedem der Schwarz-Weiß-Bilder wird deutlicher: Armut bedeutet nicht nur das Fehlen materieller Dinge, sondern häufig auch den Verlust der Würde und der Teilhabe.

Im Rahmen der Ausstellung findet am Dienstag, 22. November um 19 Uhr im Korbacher Museum eine Podiumsdiskussion zum Thema „Wege aus der Armut“ statt.

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