Auswirkungen von Klimawandel und Corona

Zu viel Rehwild schadet dem Wald, doch wohin mit dem Fleisch?

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Lösungen finden beim Zusammenhang von Wald und Wild: (von links) Revierleiter Peter Frese, Anna und Tobias Canisius sowie Fleischer Thomas-Ludwig Tent.

Die Situation des Waldes ist verheerend, sagt Peter Frese, Revierleiter der Revierförsterei Eppe. „Seit drei Jahren steigen die Waldschäden exorbitant.“ Stürme, Dürre, Borkenkäfer machen den Bäumen zu schaffen, zu viele sterben ab. Das Dilemma: Junge Pflanzen leiden unter Wildverbiss.

Der Wald kann sich kaum regenerieren, wenn zu viele Rehe zu viele nachwachsende Bäume abbeißen, erklärt Peter Frese. Das setzt Jäger vermehrt unter Druck, den Wildbestand zu reduzieren, also mehr Rehe zu schießen. Doch das gelinge vielerorts nicht zufriedenstellend, bemängelt Frese.

Einer, der auch dafür plädiert, mehr Rehwild zu jagen, ist der Privatwaldbesitzer und Jäger Tobias Canisius aus Nordenbeck. Es gehe darum, den Wald für die künftigen Generationen zu erhalten. Vor allem mit Blick auf den Klimawandel sei dies umso wichtiger.

Vermarktung von Wildfleisch schwieriger geworden

Ein gesunder Wald, das gehe nur mit weniger Wild. Doch wohin mit dem Fleisch? Bislang hat der Familienvater aus Nordenbeck, der hauptsächlich Ackerbau betreibt, sein Wildfleisch über den Korbacher Metzger Thomas-Ludwig Tent verarbeiten und über den Großhandel vermarkten lassen. Doch seit der Coronakrise und der damit verbundenen Schließung der Gastronomie-Betriebe war dieser Vermarktungsweg weggebrochen.

So kam seine Frau Anna Canisius auf die Idee, das Fleisch veredeln zu lassen und direkt am Hof zu verkaufen. Daraus ist ein kleiner Laden in der Form eines schlichten Tiefkühlschrankes plus einfacher Kasse mit Wechselgeld entstanden, wo sich jeder jederzeit selbst bedienen kann.

Wertschätzung des Fleisches

„Es geht darum, dass das Fleisch weiterhin verwertet wird“, sagt Anna Canisius, während ihr Mann betont, dass dies nicht die entscheidende Einkommensquelle für den landwirtschaftlichen Betrieb sei. Stattdessen soll auf das „gesunde und naturnah produzierte Lebensmittel“ aufmerksam gemacht werden. „Es geht um die Wertschätzung dieses Fleisches“, sagt Anna Canisius. Darum haben Wildbratwürste, Rehsteaks auch einen entsprechenden Preis, der laut dem Metzger Thomas-Ludwig Tent ungefähr mit dem von Rindfleisch zu vergleichen sei.

Für Tent sind umgerechnet fünf Prozent seiner Waren Fleisch von Wild aus heimischen Wäldern. Der Korbacher Metzger verarbeitet das Wildfleisch, denn für die Jäger sei es aufgrund hoher Auflagen kaum möglich, dies selbst zu leisten.

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