Korbach

Autohaus Lohmann hat Insolvenz angemeldet

- Korbach (jk). 20 Mitarbeiter und fünf Auszubildende trifft ein herber Schlag: Die traditionsreiche Firma Lohmann steht seit Donnerstag in vorläufiger Insolvenz. Ein Investor hat derweil Interesse, den Betrieb zu übernehmen.

Für Jörg und Frank Schäfer war es ein schwerer Gang: „Wir haben heute Morgen vorläufigen Insolvenzantrag gestellt“, erklärten die beiden Cousins und leitenden Mitarbeiter. Ihre Mütter Elke und Karin Schäfer-Lohmann sind die beiden Geschäftsführerinnen der „Autohaus Ewald Lohmann GmbH & Co KG“. Die 20 Mitarbeiter und fünf Auszubildenden wurden über die Lage informiert, die Korbacher Anwaltskanzlei Bohlig ist als vorläufige Insolvenzverwaltung im Betrieb. Das Unternehmen blickt zurück auf über 77 Jahre Tradition. So rasant, wie der Gründer Ewald Lohmann als Kfz-Mechanikermeister und Rennfahrer ehedem unterwegs war, entwickelte sich auch die Korbacher Firma. Ob DKW, Hanomag, Horch oder später VW und Audi – bei Lohmann standen die Zeichen über Jahrzehnte auf Wachstum. Die Finanz- und Wirtschaftskrise lastet indes seit drei Jahren auf dem Automarkt – weltweit. Zugleich wuchs der Druck der Hersteller auf ihre Handelspartner, die Gewinnspannen sanken. „Das Geschäft ist seit 2007 immer schwieriger geworden“, resümiert der kaufmännische Leiter Frank Schäfer. Zudem biete Waldeck-Frankenberg im Zeichen der Wirtschaftskrise „nicht das kaufkräftigste Umfeld“. Und auch die Abwrackprämie habe 2009 nur bedingt geholfen, ergänzt Verkaufsleiter Jörg Schäfer: Die staatliche Förderung habe zwar den Neuwagenverkauf angekurbelt, doch im Gegenzug liege seitdem der Gebrauchtwagenmarkt darnieder. Ein Blick auf die Kfz-Zulassungszahlen im Kreis spricht eine deutliche Sprache: Audi stand zuletzt bei den Premium-Marken mit Neuzulassungen klar vor Mercedes und BMW – doch verbuchte Audi zwischen 2008 und 2009 auch die stärksten Rückgänge in Wal­deck-Frankenberg. Opel, VW, Renault, Peugeot, Ford oder Fiat gehörten dagegen zu den Gewinnern, besonders durch kleinere, günstigere Modelle. Was dem Korbacher Audi-Autohaus nunmehr hilft, ist vor allem das Vertrauen der Kunden. Denn die Hausbanken haben offenbar ein hohes Interesse, dass der Betrieb weitergeführt wird, bekundet die vorläufige Insolvenzverwalterin Carola Damm von der Kanzlei Bohlig. Gleiches gilt für einen Investor, ebenfalls Autohändler, mit dem bereits seit geraumer Zeit Gespräche geführt wurden. Anfang der Woche scheiterten die Gespräche mit Banken und Hersteller vorerst. Dennoch sehen Reinhard Bohlig und Carola Damm die Lage für das Autohaus hoffnungsvoll: „Die Voraussetzungen für eine Fortführung sind im Moment denkbar gut.“ Das vorläufige Insolvenzverfahren ist befristet auf drei Monate – von Februar bis Ende April. Am 1. Mai wird voraussichtlich die Insolvenz eröffnet. Für einen möglichen Investor bedeutet dies einen klaren Schnitt: Er könnte den Betrieb kaufen ohne finanzielle Altlasten und aufwendige Verhandlungen mit Gläubigern. Sowohl Jörg und Frank Schäfer als auch die Insolvenzverwalter sehen zudem ein Interesse des Herstellers Audi am Standort Korbach. Denn das Autohaus Lohmann ist beim Neuwagenverkauf Exklusiv-Partner für ganz Waldeck-Frankenberg. So ordert auch das Frankenberger Autohaus Maurer seine Audi-Neuwagen über Lohmann. Für die Audi-Kunden im Kreis habe die vorläufige Insolvenz keine akuten Auswirkungen, betonen Bohlig und Damm. Service, Garantie und Reparaturen seien bei Lohmann „bisher gewährleistet“. Besonders für das Frankenberger Autohaus ergeben sich keine negativen Folgen. Ein wichtiger Pluspunkt seien die Mitarbeiter: „Sie stehen voll hinter dem Betrieb und kämpfen, dass das Autohaus erhalten bleibt“, unterstreicht Bohlig.Unter welchem Namen die Audi-Flagge in Korbach künftig weht, das soll sich bis 1. Mai klären, hoffen Inhaberfamilie und Insolvenzverwaltung – damit der Standort übergangslos gesichert bleibt.

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