Korbachs erste Boyband

Der große Traum vom Rock’n’Roll: „Stone Age People“ schreiben in den 60ern Musikgeschichte in Korbach

Die „Stone Age People“ aus Korbach: Als die Band sich 1967 gründete, waren die Mitglieder noch Teenager und beherrschten kaum ihre Instrumente.
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Die „Stone Age People“ aus Korbach: Als die Band sich 1967 gründete, waren die Mitglieder noch Teenager und beherrschten kaum ihre Instrumente.

Sie waren die „Stone Age People“ – sozusagen Korbachs erste Boyband: Rund 50 Jahre nachdem sich die Combo aufgelöst hatte, gab es jetzt ein kleines Revival für Erwin Brand, Peter Bartusch und Heinz Jandik – einen Probenabend lang.

Korbach – 1967 in Korbach: Mittwochs und samstags war immer Jugendball im Deutschen Haus mit Live-Musik. Draußen auf dem Obermarkt hörte der damals 15 Jahre alte Peter Bartusch schon die Bässe wummern: „Ich wollte gerne rein, aber ich war noch zu jung“, erinnert er sich. Dafür wurde der Wunsch, selbst eine Band zu gründen, immer größer. Bartusch wollte schon immer Musik machen: „Ich hatte Geld gespart und mir bei Quelle ein Schlagzeug gekauft.“

Aus dem Wunsch wurde schließlich Realität: Bartusch sammelte Erwin Brand (Sologitarre und Gesang), Hubert Springer (Rhythmus-Gitarre), Günter „Bird“ Vogel (Bass) um sich, gemeinsam gründeten sie die „Stone Age People“ – eine Band, die in Korbach Musikgeschichte schreiben sollte: Umjubelte Konzerte, kreischende Mädels und ein Leben als Rockstars. Das hatte sich die Teenager zumindest vorgenommen.

Dann kam die harte Realität: Die musikalischen Fähigkeiten der vier Jungs waren – um es vorsichtig auszudrücken, anfangs ausbaufähig: „Hubert konnte drei Griffe, wenn überhaupt“, erinnert sich Bartusch. Günter Vogel gab sich am Bass redlich Mühe, zumindest tat er so: „Er hat später gestanden, dass er den Volume-Regler am Verstärker auf der Bühne immer runter gedreht hat, weil er gar nicht spielen konnte“, lacht Heinz Jandik, der 1968 zur Band hinzustieß.

Die „Stone Age People“ aus Korbach heute: (von links) Heinz Jandik, Peter Bartusch und Erwin Brand.

Geprobt wurde in der Westwallschule und im evangelischen Gemeindehaus. Und bei Konzerten wurde um 22 Uhr der Stecker gezogen: „Wegen Jugendschutz“, erklärt Bartusch. „Sex and Drugs and Rock’n’Roll“ geht anders.

Immerhin: Wie echte Rock’n’Roller kamen die „Stone Age People“ bald mit dem Gesetz in Konflikt. Um auf ein Konzert aufmerksam zu machen, hatten die Jungs rund um Korbach großzügig Plakate geklebt – allerdings ohne Genehmigung: „Wir wussten ja damals nicht, dass man das anmelden muss“, sagt Bartusch. Die Band musste alle Plakate wieder entfernen und bei der Polizei antanzen. Die angedrohte Anzeige ließen die Beamter aber wieder fallen: „Unsere Mütter waren mitgekommen und hatten den Polizisten die Hölle heiß gemacht“, sagt Bartusch.

Doch dann ging es Schlag auf Schlag: Abifete Alte Ladnesschule, Katholisches Gemeindehaus, Kolpinghaus Medebach, Gasthaus Zur Linde in Adorf, alte Stadthalle in Korbach und Kleeblatt in Freienhagen – die „Stone Age People“ gaben ein Konzert nach dem nächsten. Höhpunkt: Die Teilnahme an der Burg-Beat-Show auf Burg Herzberg, aus der das spätere Festival entstand.

Organisiert wurde der Band-Wettbewerb von den legendären „The Petards“, für die die „Stone Age People“ später noch mal als Vorgruppe in der Fritzlarer Kaserne spielten. „In der Zeit haben wir uns erste Sporen verdient und Bühnenluft geschnuppert“, sagt Jandik. Zwischenzeitlich waren Peter Stumpe und Werner Krippner am Bass hinzugestoßen. 1969 schließlich löste sich die Band auf und ging fast nahtlos in den „Eldorados“ auf. Aber das ist eine andere Geschichte.

Gut 50 Jahre nachdem sich die Band aufgelöst hatte, kam es jetzt zu einem Wiedersehen: Der frühere Sänger und Gitarrist der „Stone Age People“ Erwin Brand wohnt heute in Nürnberg und war kürzlich zu Besuch in Korbach. „Erwin, Peter und ich haben uns im Probenraum der Eldorados getroffen und einen Abend lang zusammen gejammt. Alle waren happy“, sagt Heinz Jandik mit einem Glänzen in den Augen. Und Peter Bartusch deutet an: „Es soll nicht das letzte Mal gewesen sein.“ 

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