Sanierung des Kalkturms fast abgeschlossen

Bauen am Weltnaturerbe

Korbach - Die Sanierung des Kalkturms ist so gut wie abgeschlossen. Die Ausstellung zur Industrie- und Erdgeschichte soll zum internationalen Museumstag am 17. Mai 2015 eröffnet werden.

Das Bild vom Leuchtturm-Projekt liegt in diesem Fall gar nicht so daneben: Immerhin 14 Meter – ohne Holzaufbau – ist das ursprünglich als Kalkofen geplante Bauwerk aus den 1920er-Jahren hoch – und es weist den Weg zu einer der bedeutendsten Fossilienfundstätten der Welt: der Korbacher Spalte.

Die Spindeltreppe war die größte Herausforderung bei der Sanierung

Seit Frühjahr 2014 wird der Kalkturm gründlich saniert, mittlerweile sind die Arbeiten fast vollständig abgeschlossen. „Die größte Herausforderung war der Einbau der Stahlspindeltreppe“, sagt Bauingenieur Jürgen Kepplin. Die Treppenelemente mussten von oben durch eine 2,11 Meter breite Öffnung in das Turminnere eingebracht werden. Eine Millimeterarbeit für die Handwerker, die gerade mal zwei Zentimeter Spiel hatten.

Der Turm hatte es aber noch an anderen Stellen in sich: Der Trichter sei fast vollständig zubetoniert und noch mit Kalk verfüllt gewesen, sagt Kepplin. Die Stahlbetondecke auf dem Dach musste vollständig abgebrochen und neu gebaut, die Statik der Turmaußenwände erneuert und der Turm komplett neu verfugt werden. Schließlich erhielt der Turm ein neues Dach in Holzständerbauweise mit Ziegeleindeckung und Lärchenholzverschalung. Der Raum darunter mit großen Panoramafenstern beherbergt künftig die Ausstellung.

Die Exponate und Erläuterungen schlagen dabei inhaltlich eine Brücke von der Erdgeschichte bis zum heimischen Kalkstein als Industrie- und Baustoff. Der Turm sei ursprünglich als Kalkofen gedacht gewesen, habe seinen Zweck aber nicht im Sinne des Erfinders erfüllt, erklärt Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen: Der Kalk brannte an den Wänden fest. Später wurde der Turm als Kalksilo genutzt. „Der Turm gehörte zu einem ganzen Ensemble der Kalkverarbeitung“, ergänzt Marc Müllenhoff. Ein maßstabgetreues Modell in der Ausstellung soll die frühere Nutzung des Geländes anschaulich machen.

Ein roter Pfad verbindet Kalkturm und Korbacher Spalte

Draußen verbindet ein rot geschotterter Pfad Turm und Fossilienfundstätte. „Es geht auch darum, einen neuen Einstieg in die Korbacher Spalte zu schaffen mit dem Ziel, den Status des Weltnaturerbes zu erreichen“, erklärt Bürgermeister Klaus Friedrich. In ihrer wissenschaftlichen Bedeutung wird die Fossilienfundstätte am Rande der Frankenberger Landstraße schon seit Langem mit der „Grube Messel“ bei Darmstadt verglichen. Die offizielle Anerkennung durch die Unesco soll die Bedeutung noch weiter unterstreichen.

„Wir sind im Kostenrahmen“, sagt Friedrich. Die Gesamtkosten für das Projekt addieren sich auf rund 750000 Euro. Über 400000 Euro davon fließen als Landeszuschuss aus Wiesbaden. Heimische Firmen unterstützten das Bauvorhaben: Becker Gerüstbau aus Rhena stellte das Baugerüst kostenlos auf, die Firma Wachenfeld überließ der Stadt einen Teil ihres Grundstücks für den Weg vom Turm zur Spalte.

Die Stadt kalkuliert mit jährlichen Folgekosten von rund 5000 Euro. Belohnt würde sie für den finanziellen Einsatz mit pro Jahr rund 17500 Besuchern auf dem Gesamtareal der Korbacher Spalte und rund 8800 Besuchern in der Ausstellung im Kalkturm – so jedenfalls die Prognose der Machbarkeitsstudie. Eröffnet werden soll die Ausstellung als Außenstelle des Wolfgang-Bonhage-Museums voraussichtlich zum 38. internationalen Museumstag am 17. Mai 2015.

Von Lutz Benseler

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