Diemelsee

Becker: „Den letzten Willen erfüllen“

- Diemelsee-Vasbeck (nv). Der ehemalige Vasbecker Pfarrer Gero Karger ist an Krebs gestorben. Trotz der Unruhe, die Beurlaubung und Versetzung 2008 auslösten, soll er in Vasbeck seine letzte Ruhe finden – denn das war sein letzter Wille.

„Gero Karger hat hier ein Stück Heimat gefunden und engen Kontakt zu einigen Familien gepflegt, daher ist sein Wunsch, in Vasbeck beigesetzt zu werden, verständlich“, betont Pfarrer Dr. Marcus Meier. Die Nachricht vom frühem Tod seines Vorgängers sei „für alle ein Schock“ gewesen, berichtet der Geistliche aus dem Kirchspiel, zu dem neben Vasbeck auch Gembeck und Massenhausen gehören. Betroffenheit herrsche vor allem bei den Personen, die in den Fall involviert gewesen seien. Die meisten Kirchenvorsteher waren zwar zurück getreten, einige sind aber bis heute im Amt.

Da Meier erst am Wochenende vom Tod des 35-Jährigen erfuhr, konnte er das Gespräch mit den Kirchenvorständen allerdings noch nicht suchen. Er ist dennoch überzeugt, dass die Kirchengemeinde Vasbeck der Bestattung positiv gegenüber stehe. Er selbst werde helfen, wo er könne. Damit die Beisetzung aber nicht dazu beiträgt, dass die Wellen im Kirchspiel erneut hoch schlagen, hat Meier gestern bereits Gespräche mit einigen Gemeindegliedern geführt. Gerade weil fehlende Kommunikation die Lager 2008 gespalten hatte, ruft der Theologe auf, frühzeitig das Gespräch und nicht die Öffentlichkeit zu suchen: „Auch wenn diese Nachricht Zündstoff birgt – die Situation in der Gemeinde ist inzwischen so stabil, dass wir die Situation zusammen meistern können“, ermutigt er zum Zusammenhalt und appelliert zugleich an die Moral: „Außerdem wäre es schade, wenn die Beerdigung instrumentalisiert würde.“

Da viele Menschen positive Erfahrungen mit ihm gemacht hätten, habe Gero Karger eine würdige Beisetzung verdient, resümiert Meier. Karger, gebürtig aus Bielefeld, hatte 2004 unter Pfarrer Friedrich Heidelbach in Adorf sein Vikariat begonnen. Zum 1. Mai 2006 trat er in Vasbeck die Nachfolge von Dr. Andreas Nissen an. Als Kreisjugendpfarrer engagierte er sich seit 31. Mai 2008. „Wir sollten Gero Karger diesen letzten Willen erfüllen und die Geschichte damit ruhen lassen“, schließt sich Vasbecks Ortsvorsteher Albrecht Tobien an. Wer zur Bestattung gehen wolle könne dies tun oder es eben lassen, ist der Ortsvorsteher pragmatisch. Der Ortsbeirat habe in einer eigens einberufenen Sitzung auf jeden Fall „grünes Licht für die Bestattung“ gegeben.Die Bürgervertreter waren gemäß der Friedhofsordnung ins Spiel gekommen: Wenn eine Person nicht mehr in der Gemeinde gemeldet ist, ist ihre Bestattung nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig – in diesem Fall mit der Zustimmung der Gemeinde als Friedhofseigentümerin und des Ortsbeirats. Karger hatte bis zu seinem Tod in Hanau gelebt. Dorthin hatte ihn die Landeskirche nach seiner Beurlaubung wegen einer möglichen Verletzung der Dienstpflicht sowie des (eingestellten) Verfahrens der Staatsanwaltschaft im Oktober 2008 versetzt.

„Wenn jemand einmal in Diemelsee gelebt hat, sind wir bestrebt, den letzten Willen zu erfüllen“, betont Bürgermeister Volker Becker. Auch in anderen Fällen habe die Gemeinde bereits entsprechende Genehmigungen erteilt. Nach Rücksprache mit dem Ortsbeirat wurde der zuständige Bestatter, der Kargers Bitte an die Kommune heran getragen hatte, daher informiert. Die Beisetzung soll voraussichtlich aber erst Ende Oktober erfolgen. Meier: „Alle haben also noch ein wenig Zeit, um die Nachricht zu verarbeiten.“ Vielleicht am Besten im gemeinsamen Gespräch – getreu den christlichen Geboten der Nächstenliebe und Versöhnung.

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