Stadt will Angebot ausbauen

Bedarf an Kindergartenplätzen wächst in Korbach rasant

Der Bedarf an Kindergarten- und Krippenplätzen in Korbach steigt und steigt. Die Stadt will darauf reagieren und das Angebot ausbauen. Schon jetzt ist klar: Das wird nicht billig.

Korbach wächst. Die Daten zur demografischen Entwicklung belegen das. Für die kleinsten Bürger müssen deshalb Krippen-, Kindergarten- und Hortplätze her. Und zwar nicht wenige. Denn gleichzeitig explodiert die Nachfrage nach Plätzen für Kinder, die schon mit einem oder zwei Jahren in den Kindergarten gehen sollen. 

„Die Antragszahlen für die Kinder unter zwei Jahren sind allein im vergangenen Jahr um 15 Prozent gestiegen und liegen nun bei etwa 40 Prozent eines Jahrgangs“, sagt Ute Jennemann, Leiterin des Sozialamtes der Stadt. Sie geht davon aus, dass der Anteil auf 50 Prozent steigt. Von den zweijährigen Kindern besuchen bereits 80 Prozent eines Jahrgangs den Kindergarten. „Das ist ein gesellschaftlicher Wandel, den wir so nicht erwartet hätten“, sagt Bürgermeister Klaus Friedrich.

Eine weitere Ursache für den gestiegenen Bedarf heißt Kinderförderungsgesetz. Das ist seit 2015 verbindlich und erschwert den Städten und Gemeinden die Planungen erheblich. Denn je nach Alter eines Kindes belegt es nicht nur einen, sondern anderthalb oder zweieinhalb Betreuungsplätze. Integrationskinder sogar noch mehr.

Der Bedarf für 310 zusätzliche Kita-Plätze ist in Korbach da

Derzeit sind in den 14 Korbacher Einrichtungen durchschnittlich 906 Plätze belegt. Ute Jennemann, Leiterin des Sozialamtes der Stadt, geht davon aus, das der Bedarf in den nächsten fünf Jahren für 1126 Kinder da ist. Das bedeutet: 220 Plätze müssten neu geschaffen werden. 90 weitere Plätze für Kinder mit Integrationsbedarf müssten im Optimum noch hinzukommen, um den Forderungen der UN-Behindertenrechtskonvention gerecht zu werden. Macht unterm Strich einen Bedarf von zusätzlich 310 Plätzen. „Die Kinderbetreuung wird eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre sein“, bringt es Bürgermeister Klaus Friedrich auf den Punkt.

Ohne Erweiterungen und Neubauten wird diese Aufgabe nicht zu meistern sein. Die Baukosten sind aber noch das geringste Problem: „Es gibt Zuschüsse für den Bau neuer Kindergärten, derzeit bis zu 300 000 Euro pro Gruppe“, sagt Friedrich. Wofür es in der Regel kein Geld gibt, das ist der zusätzliche Personalaufwand.

Setzt Korbach die Pläne um, wird der finanzielle Aufwand für die Kinderbetreuung deutlich steigen: Derzeit summieren sich die Kosten auf 9,04 Millionen Euro pro Jahr. Die Summe steigt bis 2024 voraussichtlich auf 13,39 Millionen Euro. Die Elternentgelte und Landeszuschüsse decken dabei den Aufwand nur zum Teil. Es bleibt ein Defizit, das die Stadt übernimmt. Derzeit beträgt das Minus 6,32 Millionen Euro. In fünf Jahren müsste die Stadt aus ihrem Haushalt 9,78 Millionen Euro hinzuschießen – oder die Beiträge erhöhen.

Finanzierung Kindergärten: Magistrat schlägt Steuererhöhungen vor

Mehr Kita-Plätze kosten mehr Geld. Der Ausbau der Kinderbetreuung in Korbach soll aber nicht auf die Eltern abgewälzt werden. Der Magistrat schlägt eine Erhöhung der Hebesätze für Grund- und Gewerbesteuer vor. Bürgermeister Klaus Friedrich betont: „Wir versuchen, die jetzigen Beiträge möglichst zu halten. Korbach ist und bleibt familienfreundlich.“ 

Das Finanzierungskonzept sieht stattdessen eine Steuererhöhung vor: Die Grundsteuer A könnte von 350 auf 390 Prozent, die Grundsteuer B von 431 auf 460 Prozent und die Gewerbesteuer von 395 auf 410 Prozent steigen. Das stieß im Haupt- und Finanzausschuss am Mittwoch auf Kritik. Die Entscheidung darüber in der Stadtverordnetenversammlung wird voraussichtlich vertagt. 

„Steuererhöhungen sind ein Manöver des letzten Augenblicks“, sagte Kai Schumacher (Freie Wähler). Helmut Schmidt (SPD) machte deutlich: „Bei den Hebesätzen ist Korbach in Nordhessen schon jetzt oben.“ Die Gesamtsituation des Haushalts müsse betrachtet werden. Daniel May (Grüne) wies auf Fördermittel des „Guten-Kita-Gesetzes“ hin. Karl-Bernd Klaus (FWG) stellte fest: „Leider wird die Erweiterung des Betreuungsangebot nicht entsprechend von Bund und Land finanziert.“ Arno Wiegand (FDP) bemerkte: „Eigentlich ist es ein schönes Problem, der steigende Bedarf an Kinderbetreuung spricht für die Stadt.“

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