Giulin-Quartett mit Pianistin spannt musikalisch weiten Bogen

Begeisterte Bravo-Rufe

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Entfachten Begeisterungsstürme im Publikum: Joachim Hamm, Christina Nobach, Yevgeniya Schott, Joachim Pries und Malte Meesmann.

Korbach - Die ersten begeisterten Bravos gab es schon zur Pause beim Auftritt des Giulin-Quartetts.

Die inspirierte und intensive Interpretation von Franz Schuberts a-moll-Quartett („Rosamunde“) mit dem herrlich musizierten Finale (Allegro moderato) mit seinen himmlischen Längen und zahlreichen Schlenkern motivierte die Klassikfreunde im Korbacher Bürgerhaus zu berechtigtem Enthusiasmus.

In seinem Programm hatte das nach der Pause um die Pianistin Yevgeniya Schott zum Quintett erweiterte Kammerensemble den musikalischen Bogen vom Barock über die Romantik bis in die Moderne gespannt.

Den munteren Auftakt mit Vorstellung der Instrumente machte Antonio Vivaldis L‘Estro Armonico No. 11, dessen heiteres Allegro Assoziationen an die anderen Klassiker des venezianischen Meisters weckte und den Musikern wie dem Publikum einen denkbar angenehmen Einstieg in ein ständig komplexeres Programm ermöglichte.

Und da in jedem Satz eine andere Stimme den Auftakt übernahm, gaben erst Primarius Joachim Hamm, dann Christina Nobach an der zweiten Geige beim elegischen Adagio e spiccato und Bratschist Joachim Pries beim Largo ihre musikalische Visitenkarte ab, ehe Malte Meesmann mit energischem Bogenstrich das finale Allegro eröffnete.

In der Mitte des „Allegro ma non troppo“ von Franz Schuberts Rosamunde-Quartett sollte der Cellist eine düstere Zäsur setzen, ehe das zunächst von der ersten Geige vorangetriebene drängend-sehnsüchtige erste Thema im volleren Ensembleklang zu neuer harmonischer Pracht erblüht. Das für den Namen verantwortliche Andante ist als Quartett-Version des Balletts aus der gleichnamigen Oper ein Ensemblestück schlechthin. Das Menuetto Allegretto -Trio erwies sich als heitere Konversation zwischen dem Cello und dem Rest-Trio, in deren Verlauf auch die erste Geige ein gewichtiges Wort mitspricht, ehe das tänzerische Element die Oberhand gewinnt.

Dmitri Schostakowitsch hatte das Klavierquintett Opus 57 für das Beethoven-Quartett und den Pianopart für sich geschrieben, um noch enger mit seinem Lieblingsensemble verbunden zu sein. Der Auftakt (prélude)geht denn auch ans Klavier, im Bürgerhaus an Yevgeniya Schott, die beim Einsetzen von Cello und Violine erst einmal mit der linken Hand in den tiefsten Bass abtaucht, um sich im „Lento - poco piu mosso“ ebenfalls mit kurzen Melodiefragmenten in die Kommunikation der Instrumente einzuschalten.

Das nach Einsamkeit oder gar Verlorenheit klingende Wanderer-Motiv in der Fuge des Adagio wird von Joachim Hamm eingeführt und von den anderen Stimmen variiert.

Nach dem allerletzten hauchzarten Strich setzt das lebensfrohe Scherzo Allegretto mit seiner volkstümlichen Tanzweise und den übermütigen Klaviersprüngen und grotesken Bassläufen einen deutlichen Kontrast. Die virtuosen Läufe der Violine haben auch groteske Züge und nehmen die Clownsmusiken Rotas vorweg, ehe das Spektakel mit einem letzten Cellozupfer verklingt.

Im Intermezzo lento ist Joachim Hamm wieder als Wanderer unterwegs, begleitet von den gezupften Cellotropfen Malte Meesmanns, ehe sich mit Christina Nobach die zweite Geige und mit Joachim Pries die Bratsche hinzugesellen, eine Streichergruppe, die fortan gemeinsam ihren Weg geht, begleitet von Yevgeniya Schott, die immer wieder mit harter linker Hand Akzente wie Schläge setzt. Im „Finale Allegretto“ erklingt im Piano ein versöhnliches erstes Echo des lebhaften Treibens des dritten Satzes. Dieser ertönte denn auch viele Bravos später als Zugabe.

Der Erlös der Spenden kam erneut dem Korbacher Integrationsprojekt MIT zugute, das auf zusätzliche Zuwendungen angewiesen ist, um seinen Aktivitäten zu finanzieren. „Die Kirche gibt uns die Luft zum Atmen, die Spenden sind unsere Nahrung“, mit diesem Gleichnis brachte Lydia Oswald die Verhältnisse auf den Punkt. (ahi)

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