Blick auf alte Särge freigegeben

Bei der Sanierung der Korbacher Nikolaikirche öffnet sich kleines Loch zur Gruft

Durch ein Loch in einer Mauer ist die Gruft der Nikolaikirche in Korbach einzusehen. Ganz hinten stehen mehr als 300 Jahre alte Särge.
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Die Gruft der Nikolaikirche war bei den Bauarbeiten durch ein Loch einzusehen. Ganz hinten stehen mehr als 300 Jahre alte Särge.

Ein kleines Loch in einer Mauer hat bei der Sanierung der Nikolaikirche erstmals nach 125 Jahren wieder den Blick in die Gruft und auf mehr als 300 Jahre alte Särge freigegeben.

Geplant war der Blick in die Geschichte eigentlich nicht: Vor dem Einbau der Wärmestationen in den Boden vor dem Altarraum wurde die Wand auf ihre Stärke untersucht. „Plötzlich gaben die Steine nach und wir machten zufällig und unbeabsichtigt eine Entdeckung“, sagt Pfarrer Steffen Blum.

Durch ein etwa 15 mal 15 Zentimeter großes Loch öffnete sich ein Blick in die Gruft unter dem Altarraum. „Von deren Existenz wussten wir zwar, die Öffnung war aber eigentlich nicht vorgesehen. Trotzdem war der Anblick der über 300 Jahre alten Särge schon etwas Besonderes“, berichtet der Pfarrer. Nach Rücksprache mit dem Denkmalschutz sei das Loch jedoch schnell wieder verschlossen worden, um das Mikroklima in der Gruft zu erhalten. Blum: „Außerdem können die Toten nun wieder in Frieden ruhen.“ Weitere Gräber wurden bei Bodenarbeiten in der Kirche entdeckt. „Ein Archäologe war da und hat sie erfasst“, sagt Fritz Willems, Vorsitzender des Kirchenvorstandes.

Bis zu fünf Handwerksbetriebe arbeiten aktuell in der Nikolaikirche. „Trotz Corona sind wir mit den Bauarbeiten im Zeitplan“, sagt Blum. „Ziel ist, dass wir spätestens Weihnachten 2021 wieder Gottesdienste in der Nikolaikirche feiern können.“ Auch der Kostenrahmen wird laut Willems eingehalten. Die Gemeinde kalkuliert mit rund 2,88 Millionen Euro. Ein Teil soll über Spenden finanziert werden. „Doch der Förderverein kann wegen der Corona-Krise derzeit keine Aktionen machen“, sagt Willems

Im Februar hatte der vorerst letzte Gottesdienst in der Nikolaikirche stattgefunden. Anschließend waren die empfindlichen Kunstschätze in Sicherheit gebracht worden: „Das Kruzifix und das Wappen wurden abmontiert und eingelagert, das Altarbild für die Zeit der Renovierung in der Kilianskirche aufgebaut sowie die Orgel und das Epitaph sicher gegen Staub und Dreck eingehaust“, sagt Blum.

Die Podeste unter den seitlichen Bänken wurden entfernt und die Bänke eingelagert. Die Treppe zum Turm wurde abgebaut, sie macht einer neuen, breiteren Treppe Platz. Die alte Heizungsanlage wurde ausgebaut und entsorgt. „Dabei konnte man einen Blick in die Schächte werfen, die ein wenig an die Katakomben von Rom erinnern“, sagt Blum. Derzeit werden die Warmluft-Wärmestationen eingebaut. Ab nächster Woche erhält die Kirche einen neuen Boden, anschließend wird innen ein Gerüst aufgebaut, die Wände werden gereinigt und gestrichen. Auch die Sakristei soll neu gestaltet werden. Der Zutritt über das Südportal soll barrierefrei umgestaltet werden.

Erneuert wurden bereits die Fenster. Auf den ursprünglich geplanten UV-Schutz, um das Altarbild zu schützen, wird zugunsten eines Rollos verzichtet.

Fotos: Sanierung der Nikolaikirche in Korbach

Sanierung der Nikolaikirche in Korbach
Sanierung der Nikolaikirche in Korbach
Sanierung der Nikolaikirche in Korbach
Sanierung der Nikolaikirche in Korbach
Fotos: Sanierung der Nikolaikirche in Korbach

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