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Hillershäuser, Niederländer und Syrer reichen sich die Hände

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An der Gedenkfeier zum Volkstrauertag wirkten in Hillershausen auch drei Niederländer mit, die seit elf Jahren ihren Urlaub im Dorf verbringen. Der WLZ berichten sie, wie ihre Eltern im Zweiten Weltkrieg die Zeit der deutschen Besatzung erlebt haben. Ein Vater musste als Zwangsarbeiter nach Deutschland, einer war im Widerstand. Der Verwaltungsstellenleiter und ehemalige Ortsvorsteher Andreas Schulte erinnert zudem an den kürzlich gestorbenen Zwangsarbeiter Rudolf Piler, für den Hillershausen zur zweiten Heimat wurde. Am Ehrenmal reichten sich – von links – Andreas Schulte, Truus Kitsz-Vermeer, Renske Buitenkamp-de Groot und ihr Mann Rob Buitenkamp die Hände. Foto: -sg-
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Korbach-Hillershausen. Hand in Hand stehen sie am Samstag am Ehrenmal. Die Hillershäuser vereint mit drei Freunden aus den Niederlanden und rund 20 syrischen Kriegsflüchtlingen. Am Vorabend des Volkstrauertages gedenken sie den Opfern von Krieg und Gewalt.

Verwaltungsstellenleiter Andreas Schulte erinnert in seiner Ansprache an den Niederländer Rudolf Pijler, der vor einer Woche  im Alter von 94 Jahren gestorben ist. Sein Bruder und er musste im Zweiten Weltkriegs als Zwangsarbeiter auf den Hillershäuser Gutshof schuften. Weil deutsche Männer im Krieg waren, halfen sie auch auf anderen Höfen aus, etwa bei der Geburt von Ferkeln und Kälbern. So kamen sie in Kontakt zu vielen deutschen Familien, auch in der Umgebung Hillershausens. „Es entwickelte sich ein großes Vertrauen auf beiden Seiten“, berichtet Schulte. 

„Hillershausen ist meine zweite Heimat“

Nach dem Krieg kam Rudolf Pijler jedes Jahr ins Dorf zurück. Er sagte Schulte:  „Hillershausen ist meine zweite Heimat.“

Auch die drei niederländischen Gäste, Rob Buitenkamp und seine Frau Renske Buitenkamp-de Groot und ihre langjährige Freundin Truus Kitsz-Vermeer, haben Geschichten aus der Zeit zwischen 1940 und 1945 zu erzählen, als deutsche Truppen ihr Heimatland besetzt hielten. Sie geben der WLZ Auskunft.

Auch der Vater von Rob Buitenkamp musste als Zwangsarbeiter „ins Reich“. Er wurde bei der Feuerwehr in Hannover eingesetzt und kam nach einem Unfall taub nach Hause zurück. 

 Der Vater von Truus Kitsz-Vermeer gehörte von 1941 bis 1945 dem niederländischen Widerstand an, er versteckte ins Land geschmuggelte junge deutsche Männer, die nicht in Hitlers Krieg ziehen wollten.

Den Opfern gedenken

Groll gegen den einstigen Kriegsgegner haben die drei Niederländer nie gehegt. Ihre Heimatstadt Enschede liegt nah an der deutschen Grenze, sie besuchen regelmäßig die Nachbarn. Schon seit elf Jahren verbringen sie ihren Urlaub in Hillershausen, sie mögen Land und Leute, sie haben dort Freunde gewonnen. 

Doch das Gedenken an Krieg und Gewalt an halten sie für wichtig. „Freiheit muss man haben", sagt Renske Buitenkamp-de Groot. "Wenn wir der Opfer nicht gedenken, kommt das Unrecht wieder.“

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