Heitere Aufforderung gegen den Strom zu schwimmen mit Sebastian Pufpaff

Beim Kopfstand zeigt sich ein Lächeln

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Voller körperlicher Einsatz: Sebastian Pufpaff bei seinem Auftritt im Bürgerhaus.

Korbach - „Wenn Liebe durch den Magen geht, dann ist eine Beziehung Kacke“, mit derart delikaten und doch nachvollziehbaren Schlüssen provozierte Sebastian Pufpaff sein Publikum.

Die Entscheidung des vhs-Kulturforums, auf Augenhöhe zwischen Akteur und Publikum zu setzen und das Bürgerhaus zu buchen, erwies sich als absolut richtig. Denn der Komödiant mit der amtlichen Aufforderung zum Lachen im Namen bringt seine auf kurze Aufmerksamkeitsspannen berechnete Message so unmittelbar und treuherzig an den Mann oder die Frau wie ein Straßenverkäufer, der gerade den Passanten die nächste Generation einer Haushaltserleichterung vorstellt.

Zur Lebensbeichte des komischen Universaltalents, das die Zuschauer mit seinen Bonmots und dem Witz des Alltags zum Mitmachen für eine bessere Welt motivieren will, gehörten auch Erfahrungswerte, die Pufpaff als Moderator eines Shoppingportals sammeln konnte. Als Brüller erwies sich die Bestellung eines 50 Prozent Wasser sparenden Durchlaufbegrenzers für die Badewanne. Auch die Beobachtung, dass in Baumärkten zwar grundsätzlich alles im Regal, nur weit und breit kein Mitarbeiter zu sehen ist, bringt er in lebensnaher Haushaltsmetaphorik auf den Punkt: „Sie sind Pril, die Servicekräfte das Fett, das sofort verschwindet, wenn Sie auftauchen.“

Zum ersten Kapitel der heiteren Aufforderung den eigenen Weg zu gehen geriet auch die Schilderung von Begebenheiten mit seinem ungewöhnlichen Nachnamen. Das erste große Gelächter beim Aufruf seines Namens erlebte der damals Zehnjährige bei der Einschulung ins Gymnasium, als die bloße Nennung von „Sebastian Pufpaff“ gleich 150 Eltern und Angehörige zu einem Heiterkeitsausbruch auf seine Kosten animierte.

Die permanent hängenden Mundwinkel der Merkel nimmt der Kabarettist bei seinem Plädoyer für eine veränderte Sichtweise der Dinge auch mal schnell aufs Korn und rät dazu, es einfach wie die Amerikaner zu machen und mittels Kopfstand ein Lächeln ins Gesicht der Kanzlerin zu zaubern.

Witze im Rekordtempo

Wenn Sebastian Pufpaff die katholische Kirche als „FDP der Religion“ bezeichnet oder keinen Unterschied mehr zwischen einem H&M-Kaufhaus und einem Laufhaus ausmachen kann mit knappen Schlaglichtern und gelegentlich auch unter die Gürtellinie zielenden Witzwörtern schreitet der 36jährige im Rekordtempo ein weites thematisches Spektrum ab. Dabei bietet er eine Art treffsichere Twitterversion des Repertoires seiner Kollegen aus Kabarett und Comedy. So manches, was man z.B. bei Christoph Siebert im fünf- bis zehnminütigen Block mit detailverliebter Tiefenschärfe über Demenz, Bahnreisen oder das Überhandnehmen von Sekundärerfahrungen gehört hat, geht bei Sebastian Pufpaffs Witzstakkato in weniger als einer Minute über die Bühne.

„Manche Nutte in Arbeitskleidung geht unter, wenn heute eine zehnte Klasse vorbei läuft“, kritisiert er den diametral zu sämtlichen Sexismusdebatten laufenden Bekleidungstrend junger Menschen mit erotischer Aufheizungsgarantie im Alltag und rät im nächsten Atemzug zur massiven Verfettung von Kindern als bester Schutz vor Komasaufen und Jugendgewalt.

Nach einmal tief Luft Holen folgt dann eine beeindruckende pantomimische Demonstration einer scheinbar aussichtslosen Situation, in der ein staunendes Kind mit je einer Pommestüte in der Hand mit der Nase auf dem Lüftungsgitter einer Tiefgarage liegt.

Werden Sie Falschfahrer...

Mangelnde Gesamtkonsistenz ist die einzige Schwäche dieses durchweg unterhaltsamen Programms, die dank der Witzdichte während der Vorstellung aber nicht weiter auffällt. Man lacht sich von Einheit zu Einheit, auch wenn gerade das Gegenteil behauptet wird.

Sebastian Pufpaff lässt die Widersprüche unser Welt und ihrer Werte unvermittelt aufeinander prallen, verweigert sich am Ende auch eines Patentrezepts bei der Aufforderung den eigenen Weg zu gehen oder gegen den Strom zu schwimmen: „Schließen sie sich den Falschfahrern an, sobald Sie genug sind, haben Sie recht“, rät er seinem Korbacher Publikum.

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