Firma aus dem Saarland erhält den Zuschlag

Belgische Kaserne in Korbach für 230.000 Euro versteigert

Korbach - Das Pokerspiel um die Belgische Kaserne ist entschieden: Das Areal an der Flechtdorfer Straße in Korbach ist am Freitag für 230.000 Euro versteigert worden. Den Zuschlag hat eine Firma aus Homburg (Saar) erhalten.

Zehn Minuten vor dem Beginn der Versteigerung ist kein Platz mehr frei im großen Verhandlungssaal des Korbacher Amtsgerichts. Mieter der ehemaligen Kasernengebäude sind dabei; sie wollen wissen, wie es mit dem Gelände weitergeht, aber auch andere Korbacher, die einfach neugierig sind, ob diesmal ein Zuschlag erteilt wird. Bereits zweimal war die Kaserne ergebnislos unter den Hammer gekommen.

Rechtspflegerin Iris Degenhardt-Meister erläutert zu Beginn das Verfahren und gibt einige Informationen zum Grundstück und den Gebäuden. Die eigentliche Versteigerung beginnt um 11.25 Uhr „Saalzeit“ – die Uhr im Raum geht etwas nach. Mindestens eine halbe Stunde haben die Bieter Zeit, um ihr Gebot abzugeben.

Ein Hipster mit Vollbart, Tattoos und Sneaker gibt das letzte Gebot ab

26.000 Euro bietet der erste. Dann tut sich minutenlang nichts. Erst Stille. Dann Gemurmel. Fünf Minuten vor dem Ende der Bietzeit geht es Schlag auf Schlag: Drei Männer und eine Frau geben peu à peu ihre Gebote ab. 230.000 Euro ist das letzte Gebot. Gitano Weiß, ein Hipster mit Vollbart, Tattoo am Oberarm und Sneaker, hat es als Geschäftsführer der Firma Management an Project (MAP) GmbH aus Homburg (Saar) abgegeben. „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten“, zählt Degenhardt-Meister – und erteilt um 12.07 Uhr den Zuschlag.

Ein Schnäppchen? Wohl kaum. Christian Seba von der Kreissparkasse Verden (Niedersachsen), der Gläubigerbank, lächelt zufrieden: Das Höchstgebot liegt deutlich über dem Verkehrswert, den Gutachter auf 150.000 Euro geschätzt haben. Diese Summe besagt, wie viel Geld ein Verkäufer auf dem freien Markt voraussichtlich für das Areal samt Gebäuden erhalten dürfte. „Das Warten hat sich gelohnt“, sagt Seba.

Was MAP mit dem Areal vor hat? Das bleibt zunächst offen. Geschäftsführer Weiß will sich zu den Plänen noch nicht äußern. Die Firma hat erst im Juni den Sitz von Hamburg nach Homburg (Saar) verlegt und dabei auch die Geschäftsführung gewechselt. Im Handelsregister ist als Geschäftszweck Planung, Beratung und Bau von technischen Anlagen jeder Art und Handel mit Waren aller Art angegeben. Gitano Weiß ist sonst in der Gastronomie tätig: Er betreibt die „Cocktailbar 54“ in Kaiserslautern.

Das 67 000-Quadratmeter-Grundstück am Ortsausgang Richtung Flechtdorf gilt als schwierig: Die Gebäude sind stark sanierungsbedürftig, die Lage im Wasserschutzgebiet schränkt eine mögliche Nutzung stark ein. Der Versuch eines Unternehmers aus Medebach, dort Flüchtlinge unterzubringen, ist im vergangen Jahr an den Auflagen der Unteren Wasserbehörde und der Bauaufsicht gescheitert.

Derzeit wird das Gelände unter anderem von einer Spedition, einer Fahrschule, den „Hundefreunden“ Korbach und der „RC-Car-Crew“ genutzt, die nun um ihre Räumlichkeiten bangen. Die „Gemeinschaft der Hundefreunde“ geht davon aus, sich ein neues Vereinsgelände suchen zu müssen. Der Mietvertrag für die Parzelle am Wachhäuschen laufe Ende September aus, erklärt Vorsitzende Andrea Mehring. (lb)

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