Lockdown, Einschränkungen, Lockerungen: Das sagen Einzelhändler in der Kreisstadt

Berg- und Talfahrt für Korbacher Geschäfte

Fußgängerzone in Korbach: Auch in der Kreis- und Hansestadt bestimmt Corona das Einzelhandels-Geschäft. Die Stimmung bei den Händlern ist unterschiedlich. 
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Fußgängerzone in Korbach: Auch in der Kreis- und Hansestadt bestimmt Corona das Einzelhandels-Geschäft. Die Stimmung bei den Händlern ist unterschiedlich. 

Fast fünf Monate sind seit dem Corona-Lockdown vergangen, der auch dem heimischen Einzelhandel heftige Umsatzeinbußen beschert hatte. In den vergangenen Wochen wurden immer mehr Lockerungen umgesetzt. Hat sich die Lage bei den Einzelhändlern also verbessert? Ein stichprobenartiger Blick in die Fußgängerzone nach Korbach zeichnet ein unterschiedliches Bild.

„Es ist verrückt, aber im Moment läuft unser Geschäft besser als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum“, berichtet Harald Henkel, Geschäftsführer des Ideenfachgeschäfts Carl Henkel. Natürlich seien die Umsätze im März und April eingebrochen. Im Mai habe man jedoch schon wieder ein leichtes Plus verzeichnet. „Seit Juni, Juli und Anfang August geht es stetig bergauf“, sagt Harald Henkel, der die Umsatzsteigerung an mehreren Gründen fest macht. „Zum einen kommen in der Urlaubszeit viele Touristen in unser Geschäft. Da jedoch auch Einheimische wegen Corona vermehrt daheim geblieben sind und ihr Geld daher nicht im Ausland, sondern im heimischen Einzelhandel ausgeben, haben sich die Umsatzzahlen deutlich verbessert. Hilfreich ist zudem der kühle Juli gewesen.“

Harald Henkel fügt aber auch hinzu, dass die Situation je nach Branche unterschiedlich sein könne. „Uns kommt zugute, dass weniger Menschen in Corona-Zeiten in Restaurants gehen, sondern lieber zu Hause kochen und sich mit Freunden einen schönen Abend machen. Wir haben daher zuletzt auch extrem viele Haushaltswaren, Töpfe, Pfannen, Messer sowie deutlich mehr Tischwäsche und Geschirr verkauft.“

Dass es in anderen Branchen abweichende Erfahrungen gibt, darauf weist Herbert Kleine hin. Der Seniorchef vom Schuhhaus Kleine berichtet, dass die vergangenen Monate mit Lockdown und Einschränkungen nicht leicht gewesen seien. Allerdings habe es in den Monaten Mai und Juni bei den Kunden eine Art „Nachholbedarf“ gegeben und die Umsätze seien wieder nach oben gegangen. Seit Beginn der Ferien sei das Geschäft allerdings teilweise wie ausgestorben.

„Die Urlaubszeit wirkt sich bei uns nicht positiv aus. Außerdem gehen die Menschen immer noch nicht gerne mit Mund-Nasen-Schutz ins Geschäft“, sagt Herbert Kleine, der sich auch Gedanken darüber macht, wie sich die Situation in Zukunft entwickelt. „Durch Corona haben viele Menschen verstärkt Waren im Internet bestellt. Wir hoffen, dass sich der Trend umkehrt und der Einzelhandel vor Ort wieder gestärkt wird.“

Zur „Maskenpflicht“ hat Heidi Ueberson vom Modehaus Manhenke einiges zu sagen. „Wir hatten zuletzt häufiger die Situation, dass Kunden, die ein medizinisches Attest hatten und keinen Mund-Nasen-Schutz aufsetzen müssen, ohne Maske in den Laden gekommen sind.“ Dies habe jedoch zu einer unbehaglichen Atmosphäre geführt, weil andere Kunden sowie Angestellte nichts über die Hintergründe gewusst hätten. „Um solche Situationen zu vermeiden, bieten wir Kunden, die aus medizinischen Gründen keine Maske tragen müssen, an, außerhalb der Öffnungszeiten zu kommen. Sie erhalten dann auch eine persönliche und individuelle Beratung.“

Mit Blick auf die Umsätze sagt Heidi Ueberson, die zur Geschäftsleitung gehört: „Die Monate mit Lockdown und starken Einschränkungen waren nicht so gut. Business-Kleidung und hochwertige Hemden wurden kaum nachgefragt, weil keine Veranstaltungen stattfanden und viel im Home-Office gearbeitet wurde.“ An die Umsätze des Vorjahres werde das Modehaus deshalb nicht herankommen. „Seit Juli verzeichnen wir allerdings eine deutliche Belebung. Gerade Tagesgäste – zum Beispiel aus den Niederlanden – kommen verstärkt ins Geschäft. Das Einkaufsverhalten hat sich jedoch verändert. Wegen der Maskenpflicht wird oftmals auf das entspannte Bummeln verzichtet. Stattdessen wird gezielter eingekauft.“

Mit Blick auf die kommenden Monate wird es aus Sicht von Heidi Ueberson spannend, ob die bestellte Ware pünktlich und im angefordertem Umfang kommt. „Durch Corona waren ja Fabriken geschlossen. In einigen Produktionsländern ist die Pandemie auch erst jetzt angekommen.“

Harald Henkel

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