Drastische Beschilderung des Landkreises sorgt für Kritik

Blitzableiter an Berliner Schule: Gewitter eine Gefahr für Schüler?

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„Achtung! Blitzspannung“: Die Kreisverwaltung als Träger der Berliner Schule hatte mehrere dieser Warnschilder auf dem Schulhof anbri ngen lassen. 

„Liebe Eltern, wir haben ein Problem“ hieß es auf einem Zettel, der am Donnerstag an der Berliner Schule verteilt wurde. Da die Blitzschutzanlage Mängel habe, müsse die Schule bei angekündigten Gewittern geschlossen werden, Warnschilder hatte der Landkreis bereits aufhängen lassen.

Doch offenbar handelte es sich um ein Missverständnis, eine Gefahr bestehe demnach nicht, betont der Landkreis. Die Schilder werden wieder entfernt.

Ein Mensch wird von einem Blitz getroffen, ein roter Kreis ist um das Szenario herum gezogen, dazu die Worte „ACHTUNG! Blitzspannung – Bei Gewitter Bereich räumen/nicht betreten“: Die Schilder, die an der Berliner Schule aufgehängt wurden, weisen durchaus drastisch auf eine Gefahr hin.

Einige Tage, bevor sie angebracht wurden, hatte Schulleiterin Irmgard Geck Post bekommen vom Landkreis, der Träger der Schulen in Waldeck-Frankenberg ist: Bei der turnusgemäßen Überprüfung der Blitzschutzanlage seien Mängel festgestellt worden, die Behebung sei bereits beauftragt worden. Zu den Stützen der überdachten Gänge zwischen den Gebäuden solle im Fall eines Gewitters drei Meter Abstand gehalten werden, darauf müsse die Schulleitung achten. Dann hätten plötzlich die Schilder gehangen.

Landkreis: Keine "besondere Gefährdung"

Geck leitete daraus ab, dass es nicht sicher sei, die Laubengänge bei Gewitter zu betreten, sie sorgte sich um die Sicherheit ihrer gut 200 Schüler. Sie sei für alle verantwortlich, unter diesen Umständen habe sie jedoch die Verantwortung nicht übernehmen können, sagt die Schulleiterin. Bis Mittwoch habe sie niemanden beim entsprechenden Fachdienst des Landkreises erreicht, daher formulierte sie das Schreiben an die Eltern.

Das landete über ein Elternteil bei der Waldeckischen Landeszeitung und die redaktionelle Nachfrage bei der Kreisverwaltung brachte einen Stein ins Rollen: Noch am selben Tag gab es ein Gespräch zwischen Fachdienst- und Schulleitung, bei dem deutlich wurde, dass die „Beschilderung irreführend“ war. Das Begehen und Betreten der Laubengänge sei „völlig ungefährlich“, doch niemand solle sich bei einem Gewitter dort längere Zeit aufhalten, fasst Geck das Ergebnis des Gesprächs zusammen.

Der Landkreis begründet die Beschilderung mit der Empfehlung eines Sachverständigen. Von diesem sei vorgeschlagen worden, „mit Warnschildern darauf hinzuweisen, dass bei einem Gewitter die Laubengänge nicht als Unterstellbereich genutzt werden und die Personen sich in die Gebäude begeben sollen“, sagt Landkreis-Sprecherin Petra Frömel. Eine „besondere Gefährdung“ bestehe nicht aufgrund der Gehwege aus Pflaster im Kiesbett mit Schotterunterbau. Der Sachverhalt sei nun „nochmals erörtert und Irritationen ausgeräumt“ worden. Die Mängel an der Blitzschutzanlage würden „demnächst“ abgearbeitet. Zudem würden alle diese Anlagen an öffentlichen Gebäuden alle zwei Jahre durch einen Sachverständigen geprüft.

Absolut unzufrieden mit den Aussagen des Landkreises ist die Mutter einer Schülerin: „Wenn mein Kind bei Gewitter von der Toilette kommt und durch den Laubengang geht: Muss es dann schneller sein als der Blitz? Oder was bedeutet es, dass man sich nicht zu lange dort aufhalten darf?“ Der Landkreis ziehe sich hier aus der Verantwortung, dafür fehle ihr das Verständnis. Und noch immer wisse sie nicht, ob die Laubengänge tatsächlich sicher seien: „Kann ich mein Kind zur Schule schicken oder nicht?“

Neubau ist seit Jahren geplant

Im Schulentwicklungsplan für den Landkreis, der vergangenes Jahr vorgestellt wurde und bis 2022 gilt, steht zur Berliner Schule, dass „für die Jahre 2018-2022“ eine „Erweiterung bzw. ein Ersatzneubau vorgesehen“ sei. Die Kosten hatte die Kreisverwaltung mit 8,6 Millionen Euro angesetzt.

Ein Neubau biete die Möglichkeit, „allen künftigen Anforderungen gerecht zu werden und die Unterrichtsbedingungen auch im Hinblick auf eine verlängerte und verlässliche Nachmittagsbetreuung zu verbessern.“

Kreispolitiker machten im September 2018 erstmals eine sogenannte Schulbereisung, um sich ein paar geplante Vorhaben im Landkreis vor Ort anzuschauen. Unter anderem stand auch die Berliner Schule auf dem Plan. Schon damals sagte Schulleiterin Irmgard Geck den Politikern, dass teils „banale Dinge“ wie Steckdosen fehlten, dass es bereits mehrfach Wassereinbrüche im Gebäude gegeben habe.

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