Korbach

„Besser keine Füße als keinen Kopf“

- Korbach (resa). Von Jammern und Klagen will Monika Prietz nichts hören. Seit 13 Jahren sitzt die Korbacherin im Rollstuhl, lässt sich die Freude am Leben aber nicht verderben. Sie schätzt Korbach als rollstuhlfreund­liche Stadt, kennt aber auch ihre Tücken.

Der Wind pfeift ihr durchs Haar, sie hat ein fröhliches Lachen auf den Lippen und flitzt mit elf Stundenkilometern durch den Kreisverkehr. Auf ihrem Rollstuhl der besonderen Art ist Monika Prietz in ihrem Element. Bis 13 km/h fährt ihr „Auto“, nachts lädt sie es an der Steckdose auf. „Ich komme fast überall hin“, sagt sie. Die meisten Hürden in ihrer Heimatstadt hat die patente Korbacherin zu überwinden gelernt. „Ich weiß, wo der Bordstein abgesenkt ist und ich kenne Stolperfallen und Wurzeln“, sagt sie. Eine Fahrt mit ihr durch die Straßen Korbachs ist ein Erlebnis.

Als Monika Prietz gerade 25 Jahre alt war, verunglückte sie. Sie rappelte sich wieder auf, ging mit Krücken, arbeitete, musste sich aber 1998 geschlagen geben, als ihr Körper streikte. „Acht Jahre lang habe ich mich kaum raus gewagt“, sagt sie. Dann wollte sie wieder leben: Sie baute ihr Haus um und kaufte ihren elektrischen Rollstuhl – neben dem mechanischen für Zuhause. „Am Anfang habe ich mich nur getraut, auf den Nebenstraßen zu fahren“, erinnert sie sich. Jeder Ausflug wurde zur Hürde. Doch nichts sei ihr wichtiger gewesen, als endlich wieder am Leben teilzunehmen, einkaufen zu gehen, Konzerte und Museen zu besuchen und beim Vereinsleben dabei zu sein.

Und deswegen machte sich Monika Prietz Pläne: Wo befinden sich flache Bordsteine, wo Rampen, wann fahren welche Busse mit Einstiegshilfe und wo erwarten Rollstuhlfahrer unüberwindbare Hürden – sie recherchierte alles per Internet. „Besser keine Füße haben als keinen Kopf“, sagt sie und lacht fröhlich. Mit viel Einfallsreichtum hat sie die Hürden des Alltags überwunden. „Ich könnte nicht glücklicher sein“, sagt sie und nimmt Anlauf, um die nächste Steigung zu bezwingen. Ob zum Schuster in Hof Lauterbach, zur Ausgrabung in Buhlen oder zum „Wandern“ mit dem Naturschutzbund: „Ich brauche ein bisschen Zeit zur Vorbereitung, aber dann mache ich mich auf den Weg“, sagt sie, „meistens mit dem Bus“. Weil der aber längst nicht immer eine Einstiegsrampe hat, bleibt mancher Erfolg in Sachen Ausflug Glückssache.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Donnerstag,14. Juli

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare