WLZ-FZ-Serie Momente im Advent

Ein Besuch in der muslimischen Gemeinde in Korbach

- Momente im Advent? Wie erleben Muslime im Landkreis diese mal hektischen, mal besinnlichen Tage vor dem christlichen Weihnachtsfest. Ein Besuch in der muslimischen Gemeinde offenbart Gemeinsamkeiten und Unterschiede – vor allem aber Gastfreundschaft.

Als Kind saß Muhammet Balkan an jenem Tag, an dem seine Freunde Weihnachten feierten, zuweilen mit ihnen in der Kilianskirche. Er sah das Krippenspiel, hörte den Liedern zu und versuchte zu verstehen. „Ich wollte wissen, worum es da geht“, sagt er. Muhammet Balkan wurde in Deutschland geboren. „Wir wuchsen aber in einer Generation auf, in der unsere Eltern uns viele Fragen über das Christentum nicht beantworten konnten“, sagt er. Also machte er sich selbst ein Bild. Und dabei entdeckte er wohl auch etwas von jenen Gemeinsamkeiten, die beim Besuch in der muslimischen Gemeinde in Korbach schnell offenbar werden. „Wir kennen Jesus Christus als heiligen Propheten“, erklärt er. Im Islam trägt er den Namen „Isa“. Und seinen Geburtstag datieren auch Moslems auf Ende Dezember. Die 19. Sure ist Maria gewidmet, die 3. Sure ihrer Familie. „Von Adam bis Muhammad, wir glauben an alle Propheten“, erklärt Imam Kadir Kinik, „das ist unser Grundsatz.“ Im April steht dann die einwöchige Feier zum Geburtstag Muhammads im muslimischen Kalender. Und der Advent? „Er hat für uns keine religiöse Bedeutung“, sagt Muhammet Balkan. Ebenso wenig wie Weihnachten. Doch Lichter, Lieder und Geschenke gehen nicht vorbei an den Muslimen in Korbach. „Wir freuen uns darüber, dass in diesem christlichen Land Menschen ihre Religion leben wollen“, sagt Muhammet Balkan, „und deswegen den Advent feiern.“ Hochachtung habe er als religiöser Mensch davor. Und die will er auch den Kindern und Jugendlichen der muslimischen Gemeinde vermitteln. „Unsere Kinder singen in der Schule Weihnachtslieder, hören die Geschichte, sehen die Geschenke“, sagt Muhammet Balkan, „und natürlich machen sie mit und sollen das auch tun.“ Das gilt fürs Wichteln und fürs Schenken, fürs Singen und Gedichtevortragen. „Und zu Hause kommen die Kinder zu uns und fragen uns“, erzählt er, „und dann erzählen wir ihnen von unserer Geschichte und der christlichen Geschichte.“ Ohnehin sei das Schenken auch dem Islam nicht fremd. „Geschenke sind doch etwas Schönes“, sagt Muhammet Balkan, „am Geburtstag unseres Propheten bekommen die Kinder auch Geschenke.“ Aber auch von der dritten Generation der Muslime in Deutschland werde in der Gemeinde erwartet, dass sie die christliche Kultur und Religion kennen und verstehen.Und ein Besuch im Gebetsraum der Gemeinde zeigt, dass das keine Einbahnstraße sein muss. Gastfreundschaft und Offenheit begegnen dem Besucher hier – ob Moslem oder Christ. Als Gastgeschenk gibt die Gemeinde dem Besucher den Koran mit auf den Weg und die Einladung, im Gespräch zu bleiben. Dann, beim Auseinandergehen, verabschiedet sich Muhammet Balkan. „Frohe Festtage“, sagt er. Von Theresa Demski

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