Notlage vorgetäuscht

Junger Mann verurteilt: Notlage vorgetäuscht und Geld für angebliche Zugfahrt geliehen

Wegen Betrugs wurde ein junger Mann am Korbacher Amtsgericht verurteilt.
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Wegen Betrugs wurde ein junger Mann am Korbacher Amtsgericht verurteilt.

Korbach. Mit der immer gleichen Masche lieh sich ein junger Mann in Korbach Geld - die Rückzahlung ließ auf sich warten. Vor Gericht hatte er Erklärungen.

Der Autoschlüssel ist verloren gegangen, der Ersatz befindet sich eine Zugreise entfernt – ob ihm nicht jemand Geld für die Fahrt leihen könnte? Dreimal überzeugte ein heute 33-Jähriger damit in Korbach hilfsbereite Menschen, ohne die 86 bis 100 Euro tatsächlich wie versprochen sofort zurückzubezahlen; ein vierter Versuch scheiterte. Am Korbacher Amtsgericht ist er wegen gewerbsmäßigen Betrugs und versuchten Betrugs zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt worden.

„Ich habe nie etwas böses vorgehabt“, beteuerte der mittlerweile in Düsseldorf lebende Mann, der zum Tatzeitpunkt Mitte bis Ende November 2018 kurzzeitig in Willingen wohnte. Dass er Geld für seine Spielsucht gebraucht habe, wies er weit von sich – da sei er schon lange spielfrei gewesen.

Nachdem sich ein Arbeits-Angebot zerschlagen hatte, habe es wegen Ummeldung und Zuständigkeitsfragen Probleme mit dem Jobcenter gegeben, sagte er: Einige Wochen sei er mittellos gewesen, habe täglich beim Amt vorgesprochen und sich bei den Zeugen Geld für Zugfahrten geliehen – zurückbezahlt habe er sofort, nachdem ihm das Jobcenter Mitte Dezember Geld überwiesen habe.

Da hatte es schon mehrere Ultimaten zur Rückzahlung und letztlich auch Anzeigen gegeben. Er hatte ganz verschiedene Personen angesprochen: In einem Café überzeugte er einen Korbacher, indem er sich als früherer Mitarbeiter einer Firma zu erkennen gab, bei der auch dessen Bruder tätig war. „Manche brauchen ja wirklich Hilfe“, so der Zeuge. Doch als er das Geld abends nicht zurückbekam, begannen wochenlange Debatten auf Whatsapp über die ausstehende Rückzahlung.

Mal war der Autoschlüssel angeblich im Auto eingeschlossen, mal in einem verlorenen Rucksack – aber immer brauchte er Geld für den Zug und gab es nicht zum vereinbarten Zeitpunkt zurück: So erging es auch einer Mengeringhäuserin und einer Korbacherin, die er in einer Spielhalle und einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung ansprach. Ein vierter Versuch ging schief: Ein Cousin des ersten Zeugen hörte mit, wie der Angeklagte den Angestellten eines Lebensmittelmarktes überzeugen wollte. Er verständigte seinen Vetter, gemeinsam gingen sie zur Polizei.

Gut einen Monat nach der ersten Leihgabe überwies er das Geld zurück. „Sorry, dass es so lange gedauert hat – Frohe Weihnachten“, habe er dabei vermerkt, berichtete eine Zeugin: „An seiner Nettigkeit zweifele ich nicht.“

Seit 2007 ist der junge Mann viermal wegen Diebstahls oder Betrugs verurteilt worden, die Bewährungszeit zweier Freiheitsstrafen läuft noch. Richterin Kanold beteuerte wie die Staatsanwältin, keine Freundin dreifacher Bewährung zu sein – urteilte wegen seiner aktuellen Situation aber dafür: Er hat feste Arbeit, nimmt schon länger an einer Therapie teil und könnte, wenn alles glatt läuft, seine Schulden im nächsten Jahr begleichen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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