Leichtathleten des TSV Korbach bieten Flüchtlingen Trainingsmöglichkeiten an

Bewegende Begegnungen

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Schulterschluss. Durch gemeinsames Sporttreiben sollen sich Flüchtlinge und Einheimische besser kennenlernen.  

Korbach. Raus aus der Sporthalle, rein in die Sporthalle. Auf den ersten Blick wirkt dieses Hilfsangebot für die in Korbach untergebrachten Flüchtlinge wie ein Weg vom Regen in die Traufe.

 Sie leben derzeit auf engstem Raum in der Sporthalle der Beruflichen Schulen und gehen seit Anfang November donnerstags die paar Schritte zur Kreissporthalle, um ihren tristen Alltag ein wenig zu vergessen. Dort spielen sich allerdings auch Szenen auf engstem Raum ab, aber nur, wenn die jungen Männer dem Fußball oder Basketball hinterherlaufen.

Sportschuhe als Spende

Die Leichtathletiksparte des TSV Korbach will diesen Menschen die langweilige und ungewisse Zeit des Abwartens und Herumsitzens mit Bewegungsangeboten verkürzen. Und die zumeist aus Syrien stammenden Menschen nehmen diese zweistündige Ablenkung gern an. Rund 25 junge Männer lassen sich von Wolfgang Habicht, Manfred Heide und Manfred Hamel trainieren.

Eine Laufgruppe mit gymnastischen Dehnübungen lautete zunächst das Angebot der Übungsleiter. Doch diese Idee kam nicht so richtig ins Laufen. „Kaum waren wir losgelaufen, blieben einige Sportler nach 300 Metern schon wieder stehen“, erinnert sich Manfred Heide an die erste Trainingseinheit. Obwohl die sprachliche Verständigung schwierig ist, machten die Sportler ihren Trainern schnell klar, dass es schön wäre, wenn der Ball ins Spiel käme. So wurde es kein leichtathletisches Vergnügen. Egal, sagten sich die Coaches, Hauptsache die Sportler hätten Spaß.

Doch allein mit Trainer, Spielgerät und Hallenzeit ist es in diesem Fall nicht getan. Natürlich hat niemand von diesen Männern in Syrien kurz vor der Flucht noch schnell seine Sporttasche gepackt. Vielen blieb nur das, was sie auf der Haut trugen. Deshalb fehlt ihnen alles, was hier für den Sport benötigt wird: Laufschuhe, Trikot, Trainingshose. Doch woher nehmen? Sollte die Umsetzung einer guten Idee und die Lust auf Hilfe seitens der TSV-Verantwortlichen am Geld scheitern?

Mit Straßenschuhen treibt hierzulande keiner Sport in einer Halle, die Jeanshose geht soeben noch durch. Doch wer kann helfen? Zunächst rief der Verein die Korbacher dazu auf, gebrauchte Sportschuhe und Textilien zu spenden. Es kamen einige Secondhand-Sachen zusammen, doch der TSV bat auch das Sportgeschäft Kettschau-Intersport und die zwei Lions-Clubs Bad-Arolsen-Korbach sowie Waldecker Land um Hilfe. Und die kam prompt.

Wühltisch-Atmosphäre

Das wird bereits am dritten Trainingsabend deutlich: Bevor die Aufwärmphase beginnt, startet die Suchphase nach passender Ausrüstung. Fünf große Kartons gefüllt mit Sportschuhen und roten Trikots warten auf Abnehmer. Die beiden Clubs spendeten jeweils 1000 Euro, Kettschau komplettierte den Bedarf aus seinen Beständen und orderte günstige Ware. Wie zu besten Wühltischzeiten im Schlussverkauf suchen die Männer in der Halle nach dem passenden Schuhwerk. Leider werden einige trotz der großen Auswahl nicht fündig. Das liegt auch an einer Fehlinformation. „Uns wurde gesagt, diese Menschen hätten meist Schuhgrößen von 38 bis 42, aber das stimmt nicht, es gibt auch viele mit 43 und mehr“, sagt Jürgen Kettschau.

Hier werde nachgebessert, verspricht er. Britta Trompeter und Andreas Butterweck vom Lions Club Waldecker Land stimmen ihm zu. „Es hilft ja nur, wenn die Schuhe passen“, betont Butterweck. „Wir haben erst die Hälfte der Sachen bestellt und kennen ja jetzt die Parameter. Wenn im Frühling das Outdoor-Training losgeht, müssen wir sowieso noch mal neu darüber nachdenken.“ Vielleicht ist ja auch noch ein zweiter Satz Trikots drin, der eine andere Farbe hat als rot, dann würden sich die einzelnen Teams deutlicher unterscheiden.

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