Korbach

T. Rex bieten Zeitreise in Glamrock-Ära

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- Korbach (ahi). „Born to Boogie“, das ist kein Hit aus den Siebzigern, sondern ein Lebensgefühl: Das ist der Eindruck beim Auftritt von „T. Rex“ in der Kulturfabrik Korbach, für den sich zwei Fans sogar aus Emden auf den Weg gemacht hatten.

Für mehr als zwei Stunden scheint die Zeit zumindest musikalisch stillzustehen. Auch wenn der aufmerksame Blick zu Drummer Paul Fenton nur zu deutlich macht, dass die Babys der Glamrock-Ära inzwischen Mitte dreißig sind. Dabei sind die tanzenden Mädchen vor der Bühne gerade mal Anfang zwanzig. „Time waits for no one“ lautete der Titel eines der besseren Rolling-Stones-Titel aus den mittleren Siebzigern. Um diese Zeit hatten Glam-Rocker wie Marc Bolan von „T. Rex“ oder David Bowie den Dinosauriern wie Mick Jagger und Co. bei der Jugend längst den Rang abgelaufen, auch wenn der Punk-Rock schon hinter der nächsten Ecke lauerte und gerade die etablierte Rockwelt in Angst und Schrecken versetzte, als Marc Bolan tödlich verunglückte und so für immer jung blieb. Aber auch ohne die Chance, sich nach jenem krachigen Drei-Akkorde-Intermezzo neu zu erfinden und die nächste Generation von Fans zu begeistern.

Für die Anhänger aus den frühen Siebzigern blieb die Zeit dagegen nicht stehen, umso überraschender das vergleichsweise junge Publikum beim Auftritt der aktuellen T-Rex-Formation, die sich bei einem Gedenkkonzert der alten Mitstreiter anlässlich des 20. Todestags gefunden hatte und die nachgewachsenen Generationen mit den unverwüstlichen Hits von Marc und Mickey in Stimmung bringt.

Mit dem unverkennbaren „Jahuuhuuhuu“ springt Jay Spargo auf die Bühne und stellt danach zwangsläufig die Frage:­ „Bist du’s wirklich?“ Denn um dieses­ existenzielle Problem geht es in der ersten Zeile von „Metal Guru“, auch wenn keiner groß über Schein und Sein nachdenken kann. Denn die Performance des „Alter Ego“ lässt die meisten schnell vergessen, dass Marc Bolan 1977 zum letzten Mal in ein Auto gestiegen ist. Die meisten sind auch viel zu sehr mit Mitsingen und Tanzen in Anspruch genommen. Denn Paul Fenton und Bassist Tony Allday liefern nicht nur das rhythmische Gerüst für den agil federnden Frontmann mit seinen silbernen Schuhen. Auch etliche Generationen von Fans lassen sich von dem Mix aus Rock ’n’ Roll, Boogie-Grooves, Bob Dylan, Metall-Riffs und mitsingbaren Refrains begeistern oder vom hüpfenden Rhythmus von „Telegram Sam“ anstecken. Mit „Teenage Dream“ geht die erste Serie von Hits zu Ende, einem Stück engagierter Dylan-Nachfolge.

Marc Field zog seinen Künstlernamen aus dem Namen seines Vorbilds zusammen und gerade die lang gezogenen Vokale bei T.D. sind eine klare Reverenz an den Dylan der mittleren Sechziger. Von daher war der Weg nicht weit zu einem Stück des Meisters, zumal Jay Spargo aufgrund seiner künstlerischen Zweitexistenz ohnehin wie Bob Dylan in den späten Siebzigern frisiert ist. Seine Version von „Mister Tambourine Man“ ist denn auch der Höhepunkt des Acoustic-Sets, mit dem er als Alleinunterhalter die abwechslungsreichere zweite Hälfte eröffnet.

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