Diskussion um erhöhte Seilbahn-Preise · Mehrgleisige Tourismusstrategie fordert Willinger

Biker hoffen auf Kurskorrektur

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Willingen - Auf ihrer Internetseite wirbt die Ettelsberg-Seilbahn mit dem „Mountainbike-Paradies“ am Willinger Hausberg. Von den aktuellen Preiserhöhungen fühlen sich die Radfahrer jedoch abgeschreckt. Die Seilbahn-Betreiber wollen in der nächsten Woche noch einmal beraten.

Als „Abzocke“ bezeichnet Biker Patric Uekermann (Iserlohn) die Preise für den Transport von Bikern auf den Ettelsberg 2012. Ebenso wie einige Facebook-Nutzer hat er sich verärgert an die WLZ gewandt.

Wesentliche Kritikpunkte der Radfahrer sind:

-eine Saisonkarte gibt es nicht mehr. -die Preise für Tageskarten sind gestiegen. Ein Beispiel: Erwachsene, die ab 9 Uhr in die Pedale treten, müssen für die Tageskarte 28 statt wie im Vorjahr 24,50 Euro zahlen.-mangelnde Pflege und Betreuung (an) der Downhill- und Freeridestrecke.

„Bei uns laufen die Telefondrähte heiß“, berichtet Jeanette Renner von der „Snow & Bike Factory“, dem Radverleih an der Seilbahn-Talstation. „Wir haben Angst, dass viele unserer Kunden nach Winterberg abwandern“ – zumal der dortige Bikepark nicht nur eine Saisonkarte anbiete, sondern sogar ein Ticket, mit dem Biker in verschiedenen Parks in Deutschland, Österreich und Slowenien auf Tour gehen könnten.

Clubtourismus wichtiger?

Renners Erfahrung nach fahren die Biker zwar lieber in Willingen als in Winterberg, da die Seilbahn komfortabler als ein Lift sei und die Strecke durch schöne Natur bis zum Ort gehe. Insbesondere für junge Leute spiele der Preis aber eine große Rolle, erklärt die zweifache Mutter. „Auch viele Willinger Kinder haben die Saisonkarte genutzt.“ Beschwerden zur Preispolitik leiten die Radexperten um Chef Jörg Stremme direkt an die Seilbahn-Gesellschaft weiter. „Wir wissen aber leider, dass es Menschen am Berg gibt, die keine Biker wollen, obwohl der Bike-Tourismus immer mehr boomt“, betont Jeanette Renner und greift die Kritik der Biker auf. Diese monieren, dass Clubtouristen am Ettelsberg willkommener seien als Sportler.

Dass Ettelsberg-Hüttenwirt Siggi von der Heide im Aufsichtsrat der Seilbahn-Gesellschaft sitzt, ist kein Geheimnis. Nicht vergessen werden darf jedoch, wie viele Willinger von den unterschiedlichen touristischen Aktivitäten an ihrem Hausberg profitieren. Wer wie sie mit Familien, Wanderern, Radfahrern und Clubtouristen gleichermaßen sein Geld verdienen will und muss, ist stets gefordert.

Die Diskussion um die Seilbahn-Preise liefert den besten Beweis dafür, wie viel Fingerspitzengefühl gefragt ist, um Gäste mit verschiedenen Interessen zufrieden zu stellen. Ein Beispiel: Auf den ersten Blick erscheint es plausibel, in der Seilbahn lieber Fußgänger als Biker zu befördern. Eine Achter-Kabine kann mit Fußgängern voll besetzt werden. Im Gegensatz dazu passen nur zwei Biker mit ihren Rädern in eine Gondel, so dass die Beförderungskapazität sinkt. Trotzdem sind die Biker für die Seilbahn wichtige Kunden, denn sie nutzen die Bahn den ganzen Tag über, während vor allem die Clubtouristen nur zu bestimmten Zeiten unterwegs sind. Die Stoßzeiten, in denen denen beide Gruppen gleichzeitig auf den Berg wollen, sind also überschaubar.

Zusammen ans Ziel

„Unsere Tourismuspolitik ist auf verschiedene Zielgruppen ausgerichtet“, hebt Bürgermeister Thomas Trachte hervor. „Bei uns sind Biker ebenso wie alle anderen Aktivurlauber sehr willkommen.“ Die Gemeinde sei bemüht, die entsprechende Infrastruktur in einem ordnungsgemäßen Zustand bereit zu stellen. Mit Blick auf den Start der Bikesaison und das Bike-Festival werde die Downhillstrecke in Kürze aufwändig Instand gesetzt, kündigt er an. Die ebenfalls kommunale Freeridestrecke pflegen Gemeinde und Seilbahn zusammen. „Finanziell sind einer Kommune allerdings Grenzen gesetzt“, räumt Trachte ein.

Bikeparks wie der in Winterberg werden oft privat betrieben. Grenzenlos muss hingegen die Rückendeckung der privaten Wirtschaft sein. Ohne die Unterstützung der Betreiber von Gastronomie- und Beherbergungsbetrieben sowie Freizeiteinrichtungen kann die mehrgleisige Tourismuspolitik der Gemeinde keinen Erfolg haben. Sitzung in nächster Woche Sowohl in der Privatwirtschaft als auch auf kommunaler Ebene sind Preisanpassung aber von Zeit zu Zeit notwendig, zeigt der Bürgermeister Verständnis für die Seilbahn-Gesellschaft. „Sobald wir Reaktionen von Kunden bekommen, scheuen wir uns aber nicht davor, unsere Entscheidungen zu überprüfen und eventuell zu korrigieren.“

Auf eine solche Kurskorrektur setzt Jeanette Renner: „Für die nächste Woche hat die Seilbahn eine Sitzung angekündigt“, berichtet sie. Dass in der Gesellschaft noch einmal über die Preiserhöhungen und die Saisonkarte beraten werde, bestätigt Geschäftsführer Jörg Wilke. „Wir haben die Beschwerden, die auch uns erreicht haben, zur Kenntnis genommen“, erklärt er und stellt klar: „Biker sind bei uns jederzeit willkommen. (nv)

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