Am Sonntag eröffnet im Bonhage-Museum die Ausstellung „Hessen hybrid“

Blick auf bewegte Lebenswelten

+

Korbach - Migration gab es schon immer. Das zeigt die Sonderausstellung „Hessen hybrid“, die am Sonntag im Bonhage-Museum eröffnet wird. Ein Meta-Porträt des Medienkünstlers Thomas Henke zeigt auch den aktuellen Umgang mit Zuwanderung.

Die hessische Kultur ist ein gemischtes, also hybrides Gebilde, das sich im Laufe der Zeit immer wieder verändert: Wanderbewegungen und Kulturaustausch waren der Motor für die Entwicklung des Landes und seiner Kultur. Die Ausstellung „Hessen hybrid - Vom Kommen und Gehen in fünf Jahrhunderten“ erzählt von diesen Veränderungen, zieht aus jedem Jahrhundert ein Beispiel heraus und stellt es ansprechend dar. Konzipiert von einer Doktorandengruppe der Universität Gießen hat die Ausstellung dabei häufig Beispiele gewählt, die auch Bezug zu Korbach oder der Region haben - wie etwa die Ansiedlung der Hugenotten im 17. Jahrhundert, die Auswanderung von Wal­deckern im 19. Jahrhundert in die USA oder die Rückkehr von Deutschen aus der Sowjetunion im 20. Jahrhundert, erklärt Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen.

Kommen nach Korbach

Das Museum hat die Wanderausstellung aber auch dazu genutzt, weitere Beispiele der Migration explizit aus Korbach aufzuarbeiten - und stellt beispielgebend für „Vom Gehen aus Korbach“ und „Vom Kommen nach Korbach“ zwei Lebenswege vor. Erzählt wird die Geschichte von der Korbacherin Rosemarie Fischer-Jones, die 1950 in der Nikolaikirche einen Amerikaner, einen ehemaligen Besatzungssoldaten, heiratete und nach Amerika ging. Und erzählt wird die Geschichte von Mustafa Topcu, der vor 40 Jahren seine türkische Heimat verließ, um bei Continental zu arbeiten, lange in der Werkssiedlung Kolonie eine Wohnung hatte und Korbach auch als Rentner nicht verlassen möchte. „Hier lebe ich gern, hier werde ich auch sterben“, sagt er.

Einen besonderen Blick auf Migration wirft Thomas Henke mit seinem „Meta-Porträt 5“. Henke, 1972 in Korbach geboren, ist Professor für Neue Medien an der Fachhochschule Bielefeld. Der Frage, wie Menschen heutzutage mit Zuwanderung und der Frage nach dem Umgang mit Flüchtlingen umgehen, nähert er sich künstlerisch-experimentell: Henke lässt zwei Menschen, die in der Frage um Zuwanderung absolut gegensätzliche Positionen haben, sich gegenseitig porträtieren. Für das Porträt zur Ausstellung in Korbach gewann er den Flüchtlingsberater Rufus Böhringer und die Bloggerin Tanja Krienen.

Portrait der Gegensätze

Beide äußerten sich klar, als im vergangenen Jahr eine Flüchtlingsfamilie in Korbach bei einer Abschiebung auseinandergerissen wurde und eine Diskussion über den gerechten Umgang mit Flüchtlingen und Verfolgten entbrannte. Rufus Böhringer sprach sich für ein Bleiberecht aus, Krienen dagegen. Beide erklärten sich bereit, für Henkes Meta-Porträt „zusammenzuarbeiten“, sich den Fragen des jeweils anderen zu stellen und ehrlich zu erzählen. In das Porträt eingebaut sind zudem Szenen, die die beiden Protagonisten selbst mit einem Videotagebuch aufgezeichnet haben.

„In dem Porträt haben sich beide in Tiefen begeben und ich achte ihren Mut, an dem Projekt teilzunehmen. Indem beide von sich erzählen, wird der Mensch nicht mehr auf die eine Position reduziert, die er bezieht. Durch Miteinandersprechen lösen sich Gegensätze zum Teil auf“, erklärt Thomas Henke. Der Videokünstler hat die Aufzeichnungen geschnitten und verdichtet. Die Videos haben eine Länge von 90 und 120 Minuten und werden in einem Filmraum gleichzeitig und in einer Endlosschleife zu sehen sein, so dass auch räumlich eine Spannung erzeugt wird.

Die Ausstellung wird am Sonntag um 11.15 Uhr eröffnet. Bis zum 27. Oktober ist sie dienstags bis sonntags von jeweils 11 bis 16.30 Uhr zu sehen. (md)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare