Zum Einjährigen des Korbacher Cine K

Filme auf Festplatte, Verhandlungen über Preise: Blick hinter Kulissen des Kinos

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Das Herz des Kinos ist das Theater-Management-System. Hier steckt Kino-Chef Jörg Wahhab eine Festplatte ein, auf der ein Film enthalten ist. Vom TMS aus wird er auf die Projektoren verteilt. 

Zum einjährigen Bestehen des Korbacher Kinos blicken wir hinter die Kulissen. Wie kommen beispielsweise die Filme auf die Leinwand? 

Die Technik

Das sogenannte TMS – Theater-Management-System – ist das Herz des Kinos. Der mannshohe Kasten im Technikraum des Kinos quillt über vor Kabeln und Geräten. Dort werden die Filme „eingelegt“: Entweder kommen sie auf einer Festplatte im Kino an. Darauf findet sich ein Film in zahlreichen Ausführungen: in verschiedenen Sprachen, mit diversen Untertiteln und passend für unterschiedliche Soundsysteme. In manchen Fällen werden die Filme von den Verleihern direkt auf die Server des Kinos gespielt, erklärt Cine K-Betreiber Jörg Wahhab. In diesem Fall gibt es einen virtuellen Schlüssel. Nur mit diesem können die Filme abgespielt werden.

Das TMS sendet die Filme dann auf die jeweiligen Projektoren der Säle und das zu den einprogrammierten Spielzeiten, dann geht automatisch das Licht aus und die Werbung beginnt. Um die kümmert sich Wahhab aber nicht selbst. Bei kleineren Kinos sei es üblich, das an Firmen auszulagern, die Werbung akquirieren – auch regionale und lokale. Auf die Länge der Werbung habe er keinen Einfluss.

Für jeden der fünf Kinosäle gibt es nicht nur einen Projektor, sondern auch eine eigene Soundanlage, zudem hat jeder Saal eine eigene Lüftung.

Die Vorgaben

Welcher Film wann, über welchen Zeitraum und zu welchen Uhrzeiten läuft, geben die Verleiher vor, sagt Wahhab. Immer montags werde verhandelt, damit donnerstags die neuen Filme überhaupt starten können.

Mindestens drei Wochen müsse der Streifen dann oft zu sehen sein, von mittags bis in den späten Abend – mitunter auch, wenn es ein Kinderfilm ist. Nach drei Wochen werde dann eine Bilanz vom Verleiher gezogen: Kam ein Film gut an, muss er weiter laufen.

Das Korbacher Kino Cine K

Die Kosten

„Im Kino lebt man vom Verkauf von Essen und Getränken“, sagt Jörg Wahhab. Vom reinen Ticketpreise könne gerade einmal der Strom bezahlt werden, sagt er. Der Großteil der Einnahmen von den Eintrittskarten geht an die Filmverleiher. Zwischen 50 und 55 Prozent seien die Regel, manche würden gar 58 Prozent nehmen. Hinzu kommen dann noch die Plakate der Filme. Auch diese würden einige Verleiher in Rechnung stellen. Abgerechnet werde mit den Verleihern immer mittwochs.

Einige Prozent von den Ticketeinnahmen würden zudem an die GEMA abgeführt, weitere Prozente gehen an die Filmförderanstalt und die freiwillige Selbstkontrolle (FSK). Insgesamt koste ein Film das Kino so pro Woche gut 5000 Euro, sagt Wahhab.

Die Organisation

Rund 30 Mitarbeiter – die einen in Vollzeit, andere nur für einige Stunden – arbeiten im Korbacher Kino. Für sie entsteht die meiste Arbeit zwischen den Filmen. Sobald einer beendet ist, müssten die Säle schnell gereinigt werden, während für den nächsten Film schon wieder die Tickets sowie Snacks und Getränke verkauft werden.

Eine Rolle spielen dabei auch die einprogrammierten Startzeiten über das Theater-Management-System. Alles muss minutengenau passen, damit zum Start der Werbung die Besucher im Kino sitzen und sich zurücklehnen können.

In Zahlen

- 5 Säle mit insgesamt 512 Sitzplätzen bietet das Korbacher Kino.

- 100 Kilometer Kabel wurden allein für die Kinotechnik verlegt. Hinzu kommen weitere gut 20 Kilometer, unter anderem für das Licht und die Bowlinganlage.

- 1000 Filmfans sind am bisher besucherstärksten Wochenende im Kino gewesen. Vor allem im Sommer sind es weniger.

- 4500 Euro Stromkosten müssen jeden Monat etwa für den Kinobetrieb gezahlt werden, hinzu kommen noch Kosten für Fernwärme und Gas.

- 28.000 Euro hat etwa allein die große Leinwand in Kino eins gekostet. Berührt werden dürfen die Leinwände nicht, da sie sehr empfindlich sind und sonst Spuren auf ihr zurückbleiben.

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