„Film der Antworten“: Professor Thomas Henke präsentiert neues Videoprojekt

Botschaften aus der Tiefe der Seele

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Korbach/Bielefeld - Der aus Korbach stammende Künstler Professor Thomas Henke sorgt mit seinem jüngsten Filmprojekt schon vor der Premiere für Furore: Zwölf Ordensschwestern geben Antworten auf existenzielle Fragen des Lebens.

Leonardo da Vinci hat es geschaffen, eines der berühmtesten Wandgemälde der Welt: Am Vorabend seines Wegs nach Golgatha teilt Jesus mit seinen zwölf Jüngern das Brot. Vier Jahre, 1494 bis 1498, brauchte da Vinci, um das „Abendmahl“ zu vollenden - ein Meisterwerk der Renaissance.

Jesus stirbt, ersteht wieder auf, die Christenheit findet Antworten auf die existenziellen Fragen des Lebens im Glauben. Davon kündet das Osterfest, dessen Symbolik auch in da Vincis Meisterwerk pulsiert für die Ewigkeit.

Thomas Henke ist kein Leonardo da Vinci, doch Henkes moderne Werke leben ebenfalls von tiefer Symbolik - von Schlüsselfragen des Daseins. „Erinnere dich jetzt“, titelte er 2008 seine Video-Installation fürs Korbacher Museum, eine Spurensuche nach der Heimat.

Der Sinn des Lebens

Vier, fünf Jahre arbeitete Henke an dem Film, bevor er am Ende den „goldenen Schnitt“ fand. Nicht in der Bildkomposition eines Malers, sondern aus der Perspektive eines Videokünstlers. Wie ein Wandgemälde prangen seither zwei Monitore im Korbacher Museumsraum, zwei Filme, zwei Wahrnehmungswelten verschmelzen vor den Augen der Besucher - auf Knopfdruck immer wieder verfügbar.Henkes filmische Protagonisten künden oft von Zerrissenheit, von spannungsreicher Suche nach dem Sinn. In seinem jüngsten Werk will Henke dem Ziel noch näher kommen - im „Film der Antworten“.

Abtei Mariendonk

Dafür ist Henke ins Kloster gegangen. Fünf Jahre lang, parallel zur Arbeit an der Installation für das Korbacher Museum, hat er von 2004 bis 2009 Ordensschwestern in der Benediktinerabtei Mariendonk befragt. Genau zwölf Ordensschwestern sollten es sein.

„Das sind für mich die idea-len Ansprechpartner für die existenziellen Fragen“, schildert Henke. Weil sie auf radikalste Weise ihr Leben geändert, alles aufgegeben haben, um sich fortan in einen permanenten Dialog mit Gott zu begeben - und mit ihrer eigenen Seele.

Gerechtigkeit, Schuld, Gemeinschaft, Tod, Krankheit, Unendlichkeit, Liebe, Freiheit - das sind die Themen. Wieder und wieder ist Henke in Abständen von Monaten, von Jahren an den Niederrhein nach Ma-riendonk gefahren. Und er ist dabei keinesfalls „frommen Dackeln“ begegnet, die nicht von dieser Welt wären. Nein, auch Ordensschwestern sind von (Selbst-)Zweifeln geplagt - ohne die der Glaube und das immer wieder erneuerte Bekenntnis zu Gott ja nicht möglich wären.

Dabei lebt das Filmprojekt von der persönlichen Begegnung: keine unwirkliche und künstliche Studioatmosphäre im großen Filmteam. Thomas Henke ist mit der Kamera in der Hand unterwegs, um durch störende Technik nicht die möglichst persönliche Atmosphäre zu verstellen - keine „mediale Entfremdung“. Und aus dieser weitgehend unverstellten Situation unter vier Augen heraus erwachsen die Antworten auf existenzielle Fragen.

„Ich bin kein Theologe, auch kein Soziologe“, stellt Thomas Henke klar. Es geht nicht um Mystik und religiöse Dogmatik, sondern um die Begegnung von Menschen.

Fünf Jahre in vier Stunden

Der künstlerische Rohstoff war für Henke gewaltig. Rund 80 Stunden Filmmaterial kamen in den fünf Jahren zusammen. Gemeinsam mit seiner Frau Peggy hat der Bielefelder Hochschulprofessor das Material gesichtet, Sequenzen teils niedergeschrieben - und schließlich vier Stunden für den „Film der Antworten“ extrahiert.

Einen idealen Raum für die Premiere seiner filmischen Installation hat Henke inzwischen gefunden. Am 20. April läuft die Vernissage in der legendären Essener Zeche „Zollverein“. Bis in die 80er Jahre schufteten hier die Kohlekumpel. Heute ist die Zeche „Zollverein“ ein Welterbe der UNESCO mit Besucheransturm aus aller Welt - und einer spannenden Plattform für Kunst und Design.

Premiere am 20. April

Losgelöst von allem sakralen oder künstlich kunstvollen Ambiente soll die Premiere sein. So bietet ein spartanischer Bunker in der ehemaligen Kokerei das irritationsfreie Umfeld, sich existenziellen Fragen des Lebens zu widmen. Im „Film der Antworten“ mit Endlosschleife.

Die Vernissage für den „Film der Antworten“ ist am 20. April, 18 Uhr, in der Zeche „Zollverein“ in Essen, Areal C. Zur Einführung spricht Professor Thomas Macho. Der Film läuft bis 26. Juni. Ende 2012 und 2013 folgen Ausstellungen in Graz und im schweizerischen Kunstmuseum Thurgau.

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