Entwurf für Bebauungsplan weckt Befürchtungen: Auch Einkaufstempel möglich

Brache verschwindet aus dem Stadtbild

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Ein Bagger reißt das frühere Werkstattgebäude ab: Das ehemalige Autohaus ist bald aus dem Stadtbild verschwunden.

Korbach - Die Abrissarbeiten auf dem ehemaligen Hoppe-Schumacher-Gelände am Güterbahnhof laufen. Die Eröffnung des neuen Stadtquartiers mit Wohnungen, Gewerbe und Büros ist für den Herbst 2013 angepeilt.

Von dem früheren Werkstattgebäude sind nur noch lose Ziegelsteine und Betonbrocken übrig. In etwa einer Woche wird der komplette Gebäudekomplex dem Erdboden gleichgemacht sein. „Anschließend wird das Material geschreddert und recycelt“, erklärt Architekt Christoph Hesse, der das Projekt plant und den heimischen Investor ConBau vertritt. Im Herbst soll mit vorbereitenden Maßnahmen wie dem Kanalbau begonnen werden.

Kerngebiete ausweisen

Zuvor muss für das Großprojekt noch der Bebauungsplan aus dem Jahr 1987 angepasst werden. Aus bisherigen Mischgebieten werden sogenannte Kerngebiete, in denen baurechtlich vorwiegend Handelsbetriebe, Gastronomie und zentrale ?Einrichtungen der Wirtschaft und der Verwaltung sowie Wohnungen angesiedelt sein sollen. Kerngebiete sind in der Regel mit der Innenstadt identisch.

Plan erlaubt auch Mall

Genau diese Bauleitplanung löst unterdessen Befürchtungen bei einigen Korbachern aus: Denn die Verkaufsfläche in einem Kerngebiet kann im ?Bebauungsplan nicht begrenzt werden, sonst wäre er anfechtbar. Damit wäre künftig auf dem Gelände großflächiger Einzelhandel möglich – etwa eine Shopping-Mall mit bis zu 12?000 Quadratmetern Verkaufsfläche auf drei Stockwerken.

Doch genau das will die Stadt nicht. Das jüngste Einzelhandelsgutachten lehnt ein solches Einkaufszentrum ab. Die Konkurrenz zu bestehenden Geschäften in der Innenstadt wäre zu groß. Das stadtplanerische Horrorszenario, das nun kursiert: Die Investoren könnten sich von ihrem Projekt verabschieden, das an Wert gewachsene Grundstück wieder verkaufen und ein anderer realisiert die unerwünschte Mall.

Experten empfehlen den Kommunen in solchen Fällen, einen städtebaulichen Vertrag mit den Grundstückseigentümern abzuschließen, der die Verkaufsfläche begrenzt, und diese Verpflichtung im Grundbuch absichern zu lassen. Hesse weist indes die Spekulationen weit von sich: „Dann können wir aus Korbach ausziehen“, sagt der Architekt. Als heimische Investorengruppe habe ConBau eine besondere Verantwortung für die Stadt, und mit dem Projekt sei auch ein gewisser Idealismus verbunden.

Hesse plant für rund 3000 Quadratmeter reine Verkaufsfläche und 1000 Quadratmeter barrierefreie Wohnungen sowie Büros und Praxen. Im Gespräch für das Untergeschoss mit Läden, das von der Fußgängerzone aus erreichbar ist, sind zwei Ankermieter aus dem Bereich Textil und Elektronik.

Im Erdgeschoss sollen Büros und Anbieter aus dem Bereich Gesundheit angesiedelt werden. Das Obergeschoss sieht Wohnungen vor. Die Stadt will außerdem den Parkplatz an der Kuhbach, deren Eigentümerin sie weiterhin ist, gemeinsam mit einem Landschaftsarchitekten neu gestalten.

Parlament entscheidet

Die Bauleitplanung ist unterdessen noch nicht abgeschlossen. Bei einem Erörterungs-?termin am vergangenen Dienstag hatten die Korbacher die Möglichkeit, sich zu den Plänen zu äußern – aber lediglich einer wollte sich informieren. Derzeit reichen laut Marie-Louise Häpe vom Stadtbauamt die Träger öffentlicher Belange ihre Stellungnahmen ein. Über den Entwurfsbeschluss wird die Stadtverordnetenversammlung dann voraussichtlich am 30. August abstimmen.

Danach wird der Plan nochmals vier Wochen öffentlich ausgelegt und schließlich mit Veröffentlichung rechtskräftig. Erst dann können die Investoren mit dem eigentlichen Bau beginnen. Als zweites Projekt plant Hesse ein Büro- und Geschäftshaus auf dem benachbarten Grundstück des ehemaligen Schuhhauses Kleine. Auch dort sollen demnächst die Abrissarbeiten beginnen. Vorgesehen ist Einzelhandel im Erdgeschoss und im ersten und zweiten Obergeschoss Büros und Wohnungen.

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