Martin Kerste aus Vöhl reist mit Hilfsmitteln nach Marokko

Mit dem Bulli zu den Berbern

Vöhl - Dort, wo Urlauber mit dem Wagen umdrehen, beginnt seine Reise: Martin Kerste aus Vöhl bricht Mitte November nach Marokko auf. Er besucht die Berber in der Sahara, nimmt Hilfsgüter mit und freut sich auf ehrliche Begegnungen auf Augenhöhe.

Auf seinen roten Bus hat er ein gelbes Zeichen gemalt: „Amazir, nennen das die Berber“, erklärt Martin Kerste. Es umschreibt eben jene Lebenseinstellung, die der Vöhler auch zu seiner gemacht hat: „Lieber arm, aber frei, als wohlhabend und ein Knecht in der Stadt“. Und gerade deswegen fühlt sich Martin Kerste so verbunden mit jenen Völkern in Nordafrika, die tief in der Sahara leben, in Bergdörfern und Schluchten. Am 11. November bricht er zu seinem nächsten Besuch nach Marokko auf – mit Hilfsmitteln im Gepäck, aber vor allem mit dem Wunsch, alten Freunden wieder zu begegnen.

Es ist längst nicht sein erster Besuch bei den Berbervölkern, denn früher bot der 52-Jährige als Reiseveranstalter eben solche Abenteuertouren an, die fern von ausgetretenen Touristen-wegen in die Berge, Wüsten und zu den Wüstenvölkern in Marokko führten. Inzwischen leitet der gebürtige Höringhäuser das 
Naturcamp in Herzhausen, hat sich in Vöhl niedergelassen und dort in einem alten Haus seine „Basisstation“ aufgeschlagen. „Aber von Zeit zu Zeit brauche ich einfach die Reise nach Marokko“, sagt er. Warum das so 
ist? „Der Berber sagt: Wenn du es eilig hast, geh langsamer, und wenn du es sehr eilig hast, mach einen Umweg.“ Und jener Umweg führt Martin Kerste nun mit seinem roten Bulli zu den Berbervölkern.

Auf das Dach hat er ein Kanu 
geschnallt, Standheizung und Markise sind installiert, ein 
autarkes Belüftungssystem eingerichtet, und das Fahrzeug wird im Notfall von Wurfketten unterstützt. Ob in den Bergen oder Schluchten, ob bei 
Minusgraden von 37 Grad oder der Schneeschmelze im Frühling: Der 52-Jährige will gerüstet sein. „In der Region um Midelt geht es los“, erzählt er. Von dort geht es direkt in das Atlasgebirge. „Ich habe dort bereits vor Jahren Familien kennengelernt, und ich freue mich auf ein Wiedersehen“, sagt er. Dort lässt er den Wagen stehen, will sich für rund 70 Euro einen Esel kaufen und mit schwer bepackten Taschen voller Hilfsgüter bis auf die andere Seite des Atlasgebirges reisen. „Dort verschenke ich den Esel und fahre mit dem Bus zurück“, sagt er.

Praktische Hilfe

Unterwegs gehorcht er sei-
ner Intuition, macht Station, wo er auf Menschen trifft, und verteilt an sie die vielen Hilfsmittel, die er mitnimmt. „Ich verteile keine Bonbons, sondern Zahnpasta“, sagt er, „keine abgetragene Kleidung, sondern feste Wanderschuhe“. LED-Taschenlampen und Ferngläser für die Hirten, Brillen, Schulmaterial wie Bleistifte, Buntstifte, Etuis, Schreibblöcke und Gummi-Wärmflaschen hat er 
im Gepäck. Altkleider bleiben zu Hause. „Die Menschen sollen sich durch diese Geschenke in ihrer Würde bestätigt fühlen“, sagt er, „ich will ihnen 
auf Augenhöhe begegnen“.

Von Berbern lernen

Auch deswegen hat er angefangen, ihre Sprache „Taschelhit“ zu sprechen. „Ich reise mit Turban“, erklärt er außerdem, „ich bleibe zwar ein Fremder, aber 
ich bin kein Tourist“. Und so 
zieht es ihn auch nicht auf die bunten Märkte in den Städten, sondern zu eben jenen Völkern, die für ihre Unabhängigkeit in Wüste und Bergen kämpfen. „Das sind Menschen, die keine Gier kennen“, sagt er, „und von ihnen will ich lernen.“ Das gilt auch für die Gartenbautechnik, die den Wüstenvölkern in dürrer, kalter Landschaft Ernte ermöglicht. „Dieses Prinzip der Hügelbeete habe ich in meinem Vöhler Garten inzwischen auch umgesetzt“, erzählt er, „und ich kann bis in den späten Herbst ernten.“ 
 Viel hat Martin Kerste schon von der Welt gesehen, in den Rocky Mountains betrieb er ein „Bed and breakfast“. Aber nur nach Marokko zieht es ihn immer wieder zurück. „Bei den Berbern ist nichts von Oberflächlichkeit zu spüren“, sagt er.Unterstützung willkommen

Alleine macht sich der 52-Jährige im November auf den Weg, im März will er nach Vöhl 
zurückkehren. Und an einem lässt er keinen Zweifel: „Meine Vorfreude ist riesig“.Über weitere hochwertige Hilfsmittel für die Berbervölker freut sich Martin Kerste. Interessierte Spender können sich unter Telefon 05635/992421 melden.

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