Christdemokraten feiern 40 Jahre Gemeindeverband · Staatssekretärin referiert über ländlichen Raum

„CDU Diemelsee ist jung und modern“

Diemelsee-Rhenegge - 17 Diemelseer gründeten den CDU-Gemeindeverband am 21. Januar 1972. Elf Männer der ersten Stunde ehren die Christdemokraten am Samstagabend in Rhenegge. Bei der Feier zum 40-jährigen Bestehen des Verbandes freuen sich alle, dass die CDU Diemelsee bis heute jung geblieben ist.

„40 Jahre sind eine lange Zeit, vor allem wenn man wie ich erst 26 Jahre alt ist“, lächelt Gemeindeverbandsvorsitzender Jan-Wilhelm Pohlmann, als er die Gäste im Dorfgemeinschaftshaus begrüßt. Sein Dank gelte allen Gründern und langjährigen Mitgliedern, die die CDU Diemelsee zu dem gemacht hätten, was sie heute sei: „eine starke Partei mit jungen, elanvollen Nachwuchskräften, die auch in Zukunft gute Politik für Diemelsee machen wollen“.

Dass die Politiker aller vier Fraktionen im Diemelseer Parlament das Wohl der Bürger in den Mittelpunkt stellen und fair miteinander umgehen, darauf ist Pohlmann stolz. „Nach der Förderzusage des Landes gehe ich davon aus, dass wir uns nun auch auf eine Bauvariante für das Haus des Gastes in Heringhausen einigen werden“, betont er mit Blick in den Saal, in dem nicht nur Vertreter der CDU, sondern auch der SPD, FWG und FDP einträchtig beieinander sitzen.Auf die Gründerzeit vor 40 Jahren blicken in Rhenegge sowohl der stellvertretende Gemeindeverbandsvorsitzende Eckhard Köster als auch Kreisverbandsvorsitzender und Landtagsabgeordneter Armin Schwarz zurück: Neben den historischen Eckpunkten (WLZ, 17. Oktober) hat Köster eine kleine Anekdote parat. „Auf unserer Liste zur ersten Kommunalwahl in der Großgemeinde Diemelsee 1972 stand sogar der Vater unseres heutigen SPD-Fraktionschefs“, lächelt er zu Martin Tepel hinüber.

Schwarz richtet den Fokus weniger auf das Geschehen vor Ort, sondern vielmehr auf das gesellschaftliche Geschehen in dieser Zeit. „Mit den 68-ern geht ein Linksruck durch die Republik“, nennt er ein Beispiel. Weitere folgen: Willy Brandt wird 1969 erster SPD-Bundeskanzler. Auch der RAF-Terror, das Olympia-Attentat von München 1972 und die Ölkrise 1973 prägen die Bundesrepublik. „In dieser Zeit, haben sich mutige, christliche und konservative Menschen zusammengetan, denn auch hier gab es durch die Gebietsreform erhebliche Veränderungen“, lobt der Kreisvorsitzende die Initiative zur Gründung des Gemeindeverbands und ergänzt: „Die CDU Diemelsee ist seitdem ein wertvoller Bestandteil der CDU in Waldeck-Frankenberg.“Besonders freut sich Schwarz darüber, dass die CDU Diemelsee heute noch so jung ist, wie sie damals war. Mit einem Altersdurchschnitt von 37,2 Jahren gehöre die Fraktion zu den jüngsten in Hessen. Darüber hinaus seien vier der neun Fraktionsmitglieder Frauen – „ein Spitzenwert“. Resümee des Landtagsabgeordneten: „Die CDU Diemelsee ist jung und modern und muss vor dem demografischen Wandel keine Angst haben.“

Damit die Christdemokraten die Fahne der Partei weiterhin hoch halten können, überreicht der Kreisvorsitzende ihnen einen Flagge mit CDU-Schriftzug. „Wind soll hier oben ja gelegentlich wehen“, schmunzelt Schwarz.Trotz der guten Nachwuchsarbeit in Diemelsee verweist Festrednerin Prof. Dr. Luise Hölscher, Staatssekretärin im Hessischen Finanzministerium, allerdings darauf, dass der demografische Wandel alle Hessen, besonders aber die Nordhessen betreffe. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg könnte Prognosen zufolge bis 2030 rund elf Prozent seiner Bevölkerung verlieren. „Die Landesregierung hat sich daher vorgenommen, den ländlichen Raum zu stärken.“

Wie viel ihr an diesem Vorhaben liegt, verdeutlicht die Finanzexpertin durch einen hübschen Vergleich mit ihrer ebenfalls ländlich geprägten Heimatgemeinde: Ob die Stickereien der Landfrauen im DGH Rhenegge, die Begrüßung durch die Jagdhornbläser oder die teils langsame Internetverbindung – das alles erinnere sie sehr an das Emsland. In ihrer Rede, in der Hölscher nicht zurück, sondern in Gegenwart und Zukunft blickt, nennt die Christdemokratin als wichtige Eckpunkte zur Stärkung des ländlichen Raums folgende: 1. Verbesserung der Verkehrsinfrakstruktur und damit die Förderung der Wirtschaft. 2. Ausbau der Infrastruktur insgesamt, wie sie beispielsweise über die Konjunkturprogramme erfolgt sei (Kindertagesstätten, Gemeinschaftseinrichtungen etc.). 3.Erhaltung von Schulstandorten / wohnortnahen Bildungsangeboten: „Die Regierung setzt auf die Verbundschule“ – bedeutet: Wenn ein Lehrer an einer Schule nicht mehr komplett ausgelastet ist, unterrichtet er auch an Nachbarschulen. Die Schüler bleiben somit vor Ort, damit soziale Bindungen nicht verloren gehen. 4. Reform des kommunalen Finanzausgleichs: Auch wenn die Beratungen einer fraktionsübergreifenden Arbeitsgruppe noch nicht abgeschlossen seien, verspricht Hölscher, dass ländliche Gemeinden wie Diemelsee profitieren werden. 5. Fachkräfte vor Ort halten: Investitionen sind laut Hölscher zum Beispiel in die touristische Infrastruktur geplant, denn Nordhessen könne hervorragende Angebote für Urlauber und Geschäftsreisende machen. „Der Trend geht zurück zur Natur, zu Gesundheits- und Inlandstourismus“, erklärt die Politikerin. Die Fördermittel von 714 500 Euro für das Haus des Gastes in Heringhausen sind aus ihrer Sicht daher gut angelegt. 6. „Darüber hinaus müssen die Orte selbst attraktiv bleiben“, verweist Hölscher auf das Dorferneuerungsprogramm, aus dem von 2010 bis 2012 rund 400 000 Euro nach Diemelsee geflossen sein. 7. Versorgung mit schnellem Internet.8. Förderung des Ehrenamts: „Damit es dort, wo wir leben, schön ist, wird das ehrenamtliche Engagement künftig noch wichtiger sein“, blickt die Finanzfachfrau voraus. Ihre Begründung: „Früher oder später wird der Staat für viele Dinge, die heute selbstverständlich sind, nicht mehr aufkommen können.“

„Die Mitglieder der CDU Diemelsee haben zusammen mit der Förderpolitik des Landes für erste Erfolge in all diesen Feldern gesorgt“, fasst Luise Hölscher zusammen. „Ich danke Ihnen dafür und wünsche, dass sie auch künftige Herausforderungen mutig anpacken, damit wir Diemelsee gemeinsam nach vorn bringen.“„Wir haben eine junge, hoch motivierte Fraktion“, hebt Köster hervor. Dass diese die Herausforderungen der Zukunft nicht scheut, stellt Fraktionsvorsitzende Dr. Beate Schultze in ihrem Grußwort klar. Nachdem sie die Mitglieder der „jungen, dynamischen, kreativen und verlässlichen Gruppe“ den Gästen mit netten Worten einzeln vorstellt, kommt die Heringhäuserin zu dem Schluss: „Die CDU kann stolz auf die Fraktion sein, die sich mit viel Zeit und Liebe für die Belange der Gemeinde einsetzt.“

"Ich wünsche mir, dass wir zusammen weiterhin gute Dinge für Diemelsee bewegen“, gratuliert Martin Tepel im Namen von SPD-Fraktion und Ortsverein. Für „konstruktive Diskussionen, die die Gemeinde voran gebracht haben“, dankt FWG-Vertreterin Brigitte Schoen. „Der CDU ist es in den vergangenen 40 Jahren gelungen, mit guten Leuten und aktivem Gespür für wichtige Themen, die Menschen zu erreichen“, würdigt FDP-Vorstandsmitglied Otto Emde die Leistung seiner politischen Mitstreiter.

Die „kontinuierliche Arbeit“ der CDU Diemelsee vor Ort, aber auch über den Ort hinaus, lobt Thomas Viesehon. Der stellvertretende Kreisvorsitzende und Bewerber für die Bundestagswahl verweist dabei auf den Einsatz der Diemelseer im Kreistag und in der CDU-Mittelstandsvereinigung.Für Kontinuität stehen allen voran aber die „Männer der ersten Stunde, die diesen Abend überhaupt möglich gemacht haben“, betont Pohlmann. Elf der 17 Gründer zeichnen die Christdemokraten in Rhenegge aus, bevor alte Hasen und junge Parlamentarier in geselliger Runde gemeinsam die Weichen für die nächsten 40 Jahre des CDU-Gemeindeverbands stellen.

Mit Urkunden, Ehrennadeln und Präsenten würdigen die Christdemokraten elf „Männer der ersten Stunde“: Erich Fischer ist ältestes Verbandsmitglied. Der ehemalige Gemeindevertreter und Kreistagsabgeordneter gehört der CDU seit 51 Jahren an, also länger als es den Gemeindeverband gibt. Hans-Jürgen Becker war Gemeindevertreter und über Jahrzehnte Ortsvorsteher in Stormbruch. Gregor Kraus engagierte sich in vielen Funktionen für die CDU. Christian Pohlmann hat die Fahne der CDU Diemelsee laut Eckhard Köster „immer im Stillen hoch gehalten“. Ernst Weidemann vertrat die CDU im Parlament und im Sudecker Ortsbeirat. Karl Friesleben war der erste Vize-Bürgermeister, den die CDU stellte, und später Gemeindevertreter. Wilhelm Köster saß im Kreistag und im Ortsbeirat Sudeck. Sein Sohn Eckhard Köster stand dem Gemeindeparlament von 1992 bis 1997 vor. Von 1997 bis heute fungiert der Sudecker, der auch im Kreistag sitzt, als Erster Beigeordneter.Bei der Ehrung fehlen Dieter Arnhold, Heringhausens langjähriger Ortsvorsteher Rudolf Ammler und Karl-Wilhelm Hillebrand. (nv)

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