Wilhelm Boiar spielt an Weihnachten seit 70 Jahren im Posaunenchor

Die Chormusik baut ihn auf

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Alles fing mit einer Violine an. Doch schnell entdeckte Wilhelm Boiar aus Vöhl seine Vorliebe für Blasinstrumente. An Weihnachten spielt er seit 70 Jahren im Posaunenchor.

Vöhl - Weihnachten im Jahr 1942 war für viele in Zeiten des Krieges sicherlich kein besinnliches Fest. Dennoch machte so mancher das beste daraus, wie zum Beispiel Wilhelm Boiar. Der trat vor 70 Jahren dem Posaunenchor bei.

14 Jahre alt war Wilhelm Boiar, als er an Weihnachten 1942 einem Posaunenchor in Gelsenkirchen beitrat. Das hatte zum einen mit seiner Leidenschaft für die Musik zu tun, andererseits aber auch ganz pragmatische Gründe: „Viele junge Männer wurden damals in den Krieg eingezogen, wir Schüler waren dann der Ersatz im Chor“, so Boiar.

Violine war zu weiblich

Auf 70 Jahre Chormusik blickt Boiar also zurück, 40 Jahre davon in der Evangelisch-Lutherischen Gebetsgemeinschaft Asel. Doch schon vor Weihnachten 1942 begann er seine musikalische Karriere.

Diese wurde ihm in einer durch und durch musikalischen Familie in die Wiege gelegt. Sein Vater war Dirigent eines Posaunenchors und leitete Gemischte Chöre. Seine sechs Schwestern lernten Gitarrespielen, er und seine vier Brüder versuchten sich zunächst an der Violine. „Zu Weihnachten bildeten wir dann mit den Verwandten auch schon mal eine kleine Kapelle, aber an den Feiertagen wurde vor allem gesungen“, erinnert sich Boiar.

Die Violine war den Brüdern dann aber „zu weiblich“. „Also haben wir uns gesagt: Jetzt lernen wir Trompete spielen“, erzählt der 84-Jährige. Nach der Feuertaufe im Weihnachtsgottesdienst waren die Blechblasinstrumente seine Welt - egal ob Trompete, Flügelhorn oder Tenorhorn. Nur die Tuba, die er kurzzeitig spielte, war nichts für Boiar. „Dafür braucht man zu viel Luft, da wurde mir immer schwindelig“. Und mit einem Schmunzeln fügt er an: „Deshalb habe ich für die Trompete jetzt zu viel Luft.“

In Gelsenkirchen baute er noch in jungen Jahren einen Gitarrenchor auf. Die musikalische Vielseitigkeit blieb also erhalten. Beruflich zog es ihn aber aus dem Ruhrgebiet weg. Über Umwege kam er 1972 dann schließlich ins Waldecker Land - als Leiter des Gelsenkirchener Schullandheims in Willingen. Von dort aus beteiligte sich Wilhelm Boiar bereits an der Gemeindearbeit in Asel. Denn Religion und Musik zu verbinden, das war Boiar schon immer wichtig. Neben seinem Engagement im Posaunenchor übernahm er ab 1956 auch Predigtdienste - und das nicht nur in Asel, sondern auch in Düsseldorf, Dortmund oder Marl.

Ruhestand verschoben

Denn die Gebetsgemeinschaft hat ihre Gemeinden vor allem in Nordrhein-Westfalen. Und so war Boiar an den Wochenenden häufig als Reiseprediger unterwegs. Dazu begann er Lektortätigkeiten in den Gottesdiensten der Kirchenkreise Frankenberg, Eisenberg und Eder zu übernehmen. Bis heute macht er in Asel aushilfsweise die Predigtdienste.

Sein größtes Steckenpferd blieb aber immer die Musik. Noch heute geht er ein Mal in der Woche zu den Proben des Posaunenchors. Auch wenn er schon ans Aufhören gedacht hat: „Aber wenn ich mich körperlich ausgelaugt fühle, dann baut mich die Chormusik wieder auf.“ Deshalb habe er die musikalischen Ruhestandspläne auf unbestimmte Zeit verschoben.

Bis heute unterstützt ihn seine Frau Edith bei seinem Hobby. In diesem Jahr feierten die beiden Diamantene Hochzeit. „Von sieben Tagen in der Woche habe ich an fünf Tagen für den Chor gearbeitet - neben dem Beruf“, erklärt Boiar. Notenmaterial besorgen, die passenden Lieder raussuchen - da sei seine Frau immer eine Hilfe gewesen. Das musikalische Talent geht übrigens nicht verloren. Fünf Kinder hat Boiar, alle seine Töchter spielen Gitarre.

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