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Christkindwiegen: Für Tradition und Gemeinschaft

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Korbach - Als die Glocken den Korbacher Bürgern die Uhrzeit verkünden, vibriert der Boden im Turmraum der Kilianskirche. Es ist genau 20 Uhr. Bei den Weihnachtsfreunden kehrt Stille ein, Licht spenden jetzt nur noch ihre Lampen. Die 71 Männer betreten den Rundgang am Turm in luftiger Höhe und wahren auch bei starkem Wind eine Tradition - das Christkindwiegen.

Die Weihnachtsfreunde nehmen für ihren kurzen Auftritt einiges auf sich. 264 Stufen sind es bis zum Rundgang des Kiliansturms. Dort warten dann - wie an Heiligabend - starke Windböen, die so manches Licht erlischen lassen, und Regen, der das Singen versucht zu erschweren. Doch sind es Wohl der Augenblick der Gemeinschaft und das ungezwungene Beisammensein, die dafür entschädigen.

Jedes Jahr um 20 Uhr an Heiligabend und am ersten Weihnachtstag, morgens um 7 Uhr, singen Korbacher Männer vom Kiliansturm aus in alle vier Himmelsrichtungen - so auch in diesem Jahr "Dies ist der Tag, den Gott gemacht" und "Wie schön leuchtet der Morgen" präsentieren sie den vielen Zuhörern, die auf den Straßen in der Tiefe andächtig lauschen und den Auftritt mit Applaus honorieren. Die Lampen der Männer sorgen für ein besonderes Farbspiel, dass sich in die besinnliche Stimmung der Weihnachtstage einfügt.

"Es ist eine Tradition, die hoffentlich noch lange bestehen wird", sagt Hermann Küthe. Er ist der "Sprecher" der Weihnachtsfreunde, die kein eigener Verein sind. Die Männer kommen jedes Jahr unaufgefordert zusammen. Dass keine Frauen mit auf dem Turm sind, liegt ebenso an der Tradition. Erstmals erwähnt wurde das Christkindwiegen laut Küthe 1543, "aber es scheint noch älter zu sein". Eine Legende besagt, dass an Weihnachten einst die Pest den Korbachern zu schaffen machte. Viele Kranke lagen in der Kirche, so dass dort kein Gottesdienst gefeiert werden konnte. Die Männer beschlossen auf den Turm zu steigen, dort Lieder anzustimmen und Fackeln im Wind wiegen zu lassen. Damit soll die Pest aus Korbach vertrieben worden sein.

Für die Weihnachtsfreunde geht es am ersten Weihnachtstag nach dem Singen noch in den Sozialraum im Rathaus. Dort steht ebenso wie auf dem Kiliansturm bei Gesang und Vorträgen die Gemeinschaft im Vordergrund. (tt)

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