Alter Brauch

Christkindwiegen: Weihnachtsfreunde lassen Lieder hoch über Korbach erklingen

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Zum Ansingen vor dem Christkindwiegen stimmte Dirigent Stephan Rückert den Choral "Dies ist der Tag, den Gott gemacht" mit den Weihnachtsfreunden im Turmzimmer der Kilianskirche an.

Trotz zeitweise starken Regens ist das Christkindwiegen in Korbach zu Weihnachten auch diesmal nicht ins Wasser gefallen: Zu sehr halten die Weihnachtsfreunde an ihrer rund 500 Jahre alten Tradition fest.

Korbach - So sangen sie am Heiligen Abend und am Morgen des ersten Feiertags ihre Choräle vom Turmumgang der Kilianskirche in alle Himmelsrichtungen. Für die Akteure ist das traditionelle Singen und Laternenschwenken ebenso fester Bestandteil der Feiertage wie für viele Bewohner der Kreisstadt.

Zu den 76 Männern auf dem Turm der Kilianskirche blickten am Heiligen Abend einige hundert Zuschauer in den Straßen der Altstadt empor. Nach dem Ansingen im Turm waren die Korbacher auf den Umgang hinausgetreten, wo sie die Laternen in die Höhe hielten oder am Turm hinunterließen.

„Dies ist der Tag, den Gott gemacht“, sangen die Männer – der Sage nach sollen die Korbacher vor etwa 475 Jahren auf diese Weise dem Christkind den Weg in die von der Pest geplagten Stadt gewiesen haben. Weil damals die Epidemie tatsächlich vorüber war, entwickelte sich daraus der bis heute im wahrsten Sinne hoch gehaltene Brauch.

Mit Applaus dankten die Zuschauer den Weihnachtsfreunden für ihr Wirken. „Wie herrlich strahlt der Morgenstern“ erklang dann am Morgen des ersten Feiertags ab 7 Uhr hoch über der noch schlafenden Stadt. Wegen des starken Regens zählten die Weihnachtsfreunde diesmal lediglich 17 Zuschauer. Auf dem Turm waren es 64 Akteure.

Weil der Sozialraum im Rathaus wegen der Bauarbeiten nach 45 Jahren für die morgendliche Weihnachtsfeier der Gruppe nicht mehr zur Verfügung stand, trafen sich die Männer im Gemeindehaus der Kilianskirche. Sprecher Thomas Kuhnhenn führte durch die besinnliche Feier, in der man gemeinsam Weihnachtslieder anstimmte oder Vorträgen lauschte – so verlas Dirk Wilke die Geschichte vom drehenden Christbaum, der einer Familie einen ungewollt turbulenten Heiligen Abend bescherte, Matthias Söhne erzählte vom ADAC-Helfer, der den Pannenschlitten des Weihnachtsmanns wieder flott machte, Jörn Vesper trug „Die Made“ von Heinz Erhardt vor, und Karl-Friedrich Kuhnhenn erfreute die Gruppe mit Otto Reutters „Du musst lächeln, immer lächeln“.

Bestanden: Jona Götte (10) wurde von Thomas Kuhnhenn (rechts) und Dirigent Stephan Rücke rt in die Vereinigung aufgenommen.

Mit Unterstützung aller Weihnachtsfreunde bestand Jona Götte die Aufnahmeprüfung. Der Zehnjährige, der erstmals am Christkindwiegen mitwirkte, sang „Ihr Kinderlein kommet“ – und alle Anwesenden stimmten umgehend mit ein. Dirigent Stephan Rückert nahm die Prüfung wohlwollend ab und hieß gemeinsam mit Thomas Kuhnhenn den Schüler in der Vereinigung willkommen.

Für viel Freude sorgten zwei Gruppen innerhalb der Weihnachtsfreunde: Sie sangen Helene Fischers „Ich will immer wieder dieses Fieber spür’n“ und „Cordula Grün“ von Josh in neu interpretierten Versionen, passend zum „Wiegen“. Nicht zuletzt nutzten die Korbacher ihre morgendliche Feier auch, um Geld für den guten Zweck zu sammeln: Wie in den Vorjahren kamen dabei rund 500 Euro zusammen, die gemeinnützigen Organisationen zugutekommen werden.

Zum Ausklang der Feier wünschten sich die Männer gegenseitig eine gesegnete Weihnacht, alles Gute für das Jahr 2020 und sangen gemeinsam das Waldecker Lied. (Von Sascha Pfannstiel)

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