„Tailed Comedians“ präsentieren ebenso heitere wie wohlklingende Gruppenbiografie der ersten Boygrou

Comedy und Harmonie in Balance

+
„The Tailed Comedians“ bei ihrem Auftritt in der alten Vöhler Synagoge.

Vöhl - Ihr Einsatz als Stimmen der Film-Comedian- Harmonists ist Teil der Legende um die Tailed Comedians, macht aber nicht einmal die Hälfte des Reizes der Auftritte des Vokal-Quintetts mit Piano-Begleitung aus.

Der erfrischende eigene Humor und der ausgeprägte Sinn für Selbstironie spielt bei den Tailed Comedians eine nicht minder prominente Rolle wie Veronika und ihre schönen Schwestern. Bei ihrem Auftritt in der Vöhler Synagoge beschränkten sich die sechs Musiker keineswegs auf die Rolle der Wiedergänger. So ertönten nicht nur die unverwüstlichen Klassiker aus dem Repertoire der ersten Boygroup, sondern auch ein paar nicht minder gut hörbare Beiträge von anderen prominenten Vertretern des „Barbershop-Stils“ wie den Mills-Brothers.

Bei der Wahl der Eröffnung ließen die Tailed Comedians schon ihren Sinn für subtilen Humor erkennen, indem sie eine hinreißend komische und musikalisch perfekte A-Cappella-Version von Gioachino Rossinis Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ anstimmten, dessen Themen bis zum finalen „Brrrr“ mit der kollektiv geschnipsten Unterlippe flott durch sämtliche Stimmen liefen.

Diese feinen Spitzen für Kenner und Liebhaber waren nur eine Komponente des reichhaltigen Humor-Menüs. In seiner ersten Ansage gelang Bassist Tobias Gall der elegante Sprung von der Pannenchronik der Rossini-Uraufführung zu einer von den Comedian Harmonists praktizierten Frühform des Hiphop mit der Zeile „Ene mene ming mang ping pang ene mene acka wacka eia weia weg“ in „Immer wenn ich vergnügt bin, muss ich singen“.

Auf den Titelsong des aktuellen Programms folgte mit „Ich wollt‘, ich wäre ein Huhn“ der erste Klassiker mit bezeichnenden Zusatzstrophen aus Sicht des Hahns, die ein sichtlich vergnügter Tobias Gall anstimmte. Mit Schalk im Nacken kündigte der Conférencier danach schon das Abschiedslied „Lebe wohl, gute Reise“ an. Die erste Gelegenheit für den ersten Tenor, sich von seiner besten Seite zu zeigen. Die von Roman Hölzle gesungene Aufforderung „Sieh mal nach, ob du nichts vergessen hast“ blieb als erstes Glanzlicht der Elegie im Gedächtnis, deren finales „Denk an mich“ noch kaum verklungen war, als schon lautstarke „Bravo“-Rufe ertönten.

Im weiteren Verlauf des Abends gab es reichlich Beifall für 18 Zugaben und zahlreiche ironische Wendungen. So kündigte Tobias Gall das Volkslied „In einem kühlen Grunde“, das im Vilsmaier-Film für den endgültigen Bruch der Freundschaft wie der Karriere steht, als „ultimativen Schlüpferstürmer“ an. Mit viel Augenzwinkern ins Publikum intonierten die beiden Baritone Peter Eichenberg und Henning Brühl ihre Strophen von „Dich hab‘ ich geliebt“, ehe die erste Hälfte mit Otto Reuters ziemlich eindeutig-zweideutigem „Wie reizend sind die Frauen“ ausklang.

Um Liebeswerben und, nach dem vermeintlichen Erfolgsfall, enttäuschte Erwartungen bzw. erfahrene Einschränkungen ging es im „Kleinen Finkenhahn“ aus dem Repertoire der in „Meistersextett“ umbenannten in Deutschland gebliebenen Comedian Harmonists. Für die damit verbundene Schnäbelei hatten sich die fünf Sänger mit entsprechenden Accessoires ausstaffiert.

Eine ganze Palette bezeichnender Ausstattungsgegenstände mit unverkennbarer Steigerungskurve prägte auch die Bitten um die Rückkehr der „Schöne(n) Isabella von Kastilien“. So präsentierte Hennig Brühl eine Strumpfhose, wedelte der zweite Tenor Günther Vögelin mit einem Schlüpfer, der erste Bariton Peter Eichenberg warf einen BH hinter sich, während Tobias Gall zum Abschluss doppeldeutig die neunschwänzige Katze schwang. Für die von zahlreichen bizarren Aufforderungen und entsprechenden Klängen begleitete „Schöne Johanna“ zückte Roman Hölzle den Lippenstift, steckte sich nicht minder rote Ohrclips an und gurgelte zuletzt ein melodisches Solo. Für das unabdingbare Rascheln des Baströckchens beim Mills-Brothers-Hit „I wanna go back to my little grass-shack in Keelakekua Hawaii“ fand Pianist Dirk Sobe seinen Weg auf die Bühne, da Henning Brühl auf der Kindergitarre die Begleitung des Quartetts übernahm. Beim Jazz-Standard „Stormy Weather“ stand Peter Eichenberg nicht nur auf seinem Stammplatz in der Mitte der Formation, sondern auch stimmlich im Mittelpunkt und ließ beim Blues die Träne in der Stimme anklingen, ehe es wieder heiter weiterging.

Einen besonderen Gag hatten sich die Tailed Comedians für das unvermeidliche Verkaufsgespräch zu Beginn des finalen Zugabenblocks aufgespart, denn während Tobias Gall in mehreren Durchläufen den Weg zum CD-Stand beschrieb, intonierte das Restquartett die Eingangstakte von „Mein kleiner grüner Kaktus“ in einer Endlosschleife als Begleitmusik. Sobald der Promoter mit der Fernbedienung einen anderen Klassiker ansteuerte, ertönte die charakteristische Wendung als Hörbeispiel, ehe der Kaktus in voller Länge und Quintettbesetzung zu seinem Recht kam.

„Tante, bleib hier“ und das virtuose Arrangement der exilierten „Comedy Harmonists“ von Duke Ellingtons „The Mouche“ rundeten die ebenso heitere wie wohlklingende Gruppenbiografie wirkungsvoll ab. (ahi)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare