„Schwierige Situation gut gemeistert“

Conti-Betriebsratschef Schönfelder sieht keine Alternative zur Schließung

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Tor 3 Contintenal Korbach: Das Werk hat am Mittwoch wegen der Coronapandemie die Produktion vorübergehend eingestellt.

Vor drei Wochen hätte sich Jörg Schönfelder nicht träumen lassen, dass Continental wegen der Corona-Pandemie die Produktion auf Null herunterfährt. Doch jetzt sieht der Betriebsratschef am Standort Korbach keine Alternative zu diesem Schritt.

„Aufgrund unserer Größe haben wir eine besondere Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern und der Region. Wir holen jeden Tag 3600 Leute hierher“, sagt Schönfelder. Auch wenn die Arbeitsplätze an den Maschinen weit genug auseinanderliegen würden, seien Kontakte und damit eine Infektionsgefahr nicht zu vermeiden: „Man begegnet sich in der Kantine oder in den Waschräumen“, so der Betriebsratsvorsitzende.

Jörg Schönfelder, Betriebsratsvorsitzender Contitental Korbach.

Das Korbacher Werk hat seit Mittwoch die Produktion für knapp drei Wochen weitgehend gestoppt. Am Freitag wurde die Belegschaft informiert, ab Montag die Produktion schrittweise heruntergefahren. Schönfelder: „Es ging alles sehr schnell. Wir haben die Kollegen mit vielen Fragezeichen nach Hause schicken müssen.“ Doch die Belegschaft habe alles sehr diszipliniert aufgenommen. „Jedem war die besondere Situation klar“, so der Betriebsratschef. „Zwischenzeitlich haben wir Informationsmöglichkeiten eröffnet und stehen mit den Kollegen in Kontakt.“

In der aktuellen Lage gehe es darum, die Mitarbeiter zu schützen und betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, die sonst drohten, weil die Lieferkette unterbrochen sei. „Die vereinfachte Kurzarbeit ist ein gutes Instrument und ermöglicht auch ‘Kurzarbeit Null’, also Werkschließungen“, sagte Schönfelder. Im Eilverfahren hatten Bundestag und Bundesrat vor zwei Wochen Verbesserungen bei den Regelungen zum Kurzarbeitergeld beschlossen, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abzufedern.

Die finanziellen Einschnitte für die Continental-Mitarbeiter hielten sich dabei in Grenzen, so Schönfelder: Der Chemietarif sehe bei Kurzarbeit vor, dass der Arbeitgeber die 60 beziehungsweise – bei Arbeitnehmern mit Kind – 67 Prozent des Nettolohns auf 90 Prozent aufstocke.

Läuft alles nach Plan, fährt das Reifenwerk am 14. April die Produktion wieder hoch. Normalität werde aber auch dann noch nicht herrschen: „Dass am Osterdienstag alles wieder so wie gehabt ist, das wird wahrscheinlich nicht so sein.“ Noch sei nicht absehbar, wie lange die Gefährdungslage durch die Pandemie andauere und welche Folgen sie auf die Wirtschaft habe. „Aber wir haben die schwierige Situation jetzt gut gemeistert und werden auch den Wiederanlauf gut hinkriegen.“

Der Reifenhersteller Continental am Standort Korbach (Nordhessen) reagiert weiterhin mit Kurzarbeit auf die Corona-Krise.

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