Reifen als „Gesamtkunstwerk“

Conti stellt Neuentwicklung „Sport Contact 6“ vor

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41 Dimensionen: Mit dem neuen Sport Contact 6 will Conti das Marktsegment der Höchstleistungsreifen erschließen.

Korbach/Bad Driburg - Nicht weniger als ein „Gesamtkunstwerk“ wird künftig in Korbach hergestellt. Aufgezogen auf die Felgen PS-starker Sportwagen, soll der neue „Sport Contact 6“ Höchstleistung bei Höchstgeschwindigkeit garantieren.

„Reifenentwicklung ist wie Raumfahrtforschung“, sagt Professor Burkhard Wies. Der Leiter der Reifenlinien-Entwicklung der Continental AG hat sich schon vor Jahren für Korbach als Standort des neuen Technologiezentrums stark gemacht (siehe Interview). Eine Autostunde vom HPTC („High Performance Technology Center“) entfernt, testen Fachjournalisten aus Deutschland, Europa, Fernost und den USA seit Sonntag, was in 41 Größen produziert werden kann und für Wies ein Gesamtkunstwerk darstellt: Ein Sportreifen mit neuer Mischung, Profiltechnologie und Konstruktion, der beste Eigenschaften bei Lenkpräzision und Hochgeschwindigkeitstauglichkeit aufweist.

„Black Chili“-Mischung

Um diese Fortschritte auf die Straße zu bringen, haben die Techniker in Hannover die chemische Zusammensetzung der Lauffläche, das Profildesign sowie die Reifenkonstruktion grundlegend verändert. Die „Black Chili“ genannte Gummimischung ist so abgestimmt, dass sie sich mit der Rauigkeit der Straße verzahnt. Gleichzeitig sorgen kurzzeitige Verbindungen auf atomarer Ebene zwischen der Reifenmischung und der Fahrbahnoberfläche für hohe Haftkraft - sie wirken ähnlich wie kleine Saugnäpfe auf der nanoskopischen Ebene, erklärt Professor Wies. Beide Faktoren sorgen dadurch für höchste Haftung in allen Richtungen - beim Bremsen, Kurvenfahren und Beschleunigen sowohl auf nasser wie auch auf trockener Fahrbahn.

Von diesen Eigenschaften kann sich das internationale Fachpublikum auf dem Bilster-Berg-Kurs bei Bad Driburg ein Bild machen. Die Test- und Präsentationsstrecke wurde 2013 auf dem Gelände eines früheren Munitionsdepots der britischen Streitkräfte gebaut. Die Strecke ist insgesamt 4,2 Kilometer lang. In der „Mausefalle“, einem sehr anspruchsvollen Streckenabschnitt mit einem Gefälle von 26 Prozent, weitet sich die Kurve auf 13 Meter aus. Direkt danach geht es in das Steilstück mit bis zu 21 Prozent Steigung. Durch die zahlreichen Wannen und Kuppen sind viele Kurven teils schwer oder komplett uneinsichtig zu fahren.

Der neue Sport Contact 6 ist bis zu 350 Stundenkilometer freigegeben. Daher muss er nicht nur beim Bremsen, Handling und in der Fahrstabilität perfekte Leistung bringen, sondern auch seine Konstruktion muss auf diese extremen Geschwindigkeiten und die dabei entstehenden enormen Fliehkräfte am Reifen hin angepasst werden. Deshalb kommt im neuen Pneu der eigens entwickelte Werkstoff „Aralon 350“ zum Einsatz, eine Kunstfaser, in der zwei Garne aus starkem Aramid und ein Garn aus flexiblem Nylon eng miteinander verwoben sind. Diese Faser ist - in Gummi eingebettet - unter der Lauffläche als so genannte Spulbandage platziert. Diese aufwendige Konstruktion wirkt wie ein zusätzlicher Stahlgürtel und bietet ein kontrolliertes, sicheres Verhalten der Reifenkontur auch bei sehr hohen Geschwindigkeiten.

Testfahrten am Bilster Berg

Knapp fünf Sekunden brauchen die am Bilster Berg bereitgestellten Porsche Cayman GTS, um von null auf 100 zu beschleunigen. Um zu erfahren, was höchste Haftung bis in den Grenzbereich bedeutet, reicht bereits ein Test, der einem Otto Normalfahrer anfangs Überwindung kostet: Auf nassem Untergrund von Tempo 90 auf null abbremsen und den Fuß nicht vom Pedal nehmen. Das Ergebnis beeindruckt. Spurtreue, die über jeden Zweifel erhaben ist.

Bei der Käufergunst geht Continental von weiter zunehmender Bedeutung des Höchstleistungssegmentes aus und rechnet gerade in den Größen des neuen Sport Contact 6 mit jährlichen Marktzuwächsen von knapp zehn Prozent. Schon die Reifen in den inzwischen häufig verlangten Größen 17 und 18 Zoll werden nach Prognosen von Continental bis 2020 jährlich um rund fünf Prozent zulegen, bis 2020 rechnet der Reifenhersteller mit rund 37,3 Millionen Stück in diesem Segment. Noch höher fällt nach den Prognosen der Nachfragezuwachs bei den Reifen zwischen 19 bis 23 Zoll aus: Mit durchschnittlich neun Prozent jährlich wird gerechnet, im Jahr 2020 wären dies 7,5 Millionen Reifen.

Von Thomas Kobbe

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