Korbach

Continental investiert acht Millionen Euro

- Korbach (lb). Die Lage bleibt schwierig, doch die Konzernspitze gibt den Mitarbeitern eine vorsichtige Perspektive: Continental wird auch 2010 weitere Millionen ins Korbacher Reifenwerk investieren.

Hoffnung hat einen Namen: „Conti Ice-Contact“ heißt der neue nordische Winterreifen, mit dem Continental Marktanteile auf den skandinavischen und russischen Märkten hinzugewinnen will. Der Pneu wird ab Februar/März in Korbach in Serie produziert – und das exklusiv. Das sei mit Investitionen von rund zwei Millionen Euro in neue Produktionsanlagen verbunden, erklärte Werksleiter Lothar Salokat am Freitag in einem Pressegespräch nach einer Betriebsversammlung, an der rund 700 Mitarbeiter teilgenommen hatten.

Effizienz steigern

Weitere fünf bis sechs Millionen sollen bis Mitte 2010 in die Steigerung der Produktivität investiert werden. Unter anderem werden Pkw-Reifen künftig unter einem Dach produziert. „Das bedeutet eine enorme Effizienzsteigerung“, erklärte Salokat. Geplant ist außerdem ein neues Hochregallager. Die Konzernspitze gab dem Standort in einer Vereinbarung darüber hinaus eine vorsichtig formulierte Bestandsgarantie: Korbach solle „fair an zukünftig gesteigerten Produktionsvolumina des Konzerns in Europa partizipieren“, erklärte Vorstandsmitglied Nikolai Setzer. Mit anderen Worten: Falls Continental wieder mehr Reifen verkauft, wird auch am Standort Korbach mehr produziert werden und Beschäftigte behalten ihre Jobs. Wie groß der Anteil Korbachs am Kuchen der europäischen Werke sein wird, dazu wollte Setzer sich nicht äußern. Aber keine Leistung ohne Gegenleistung: Das Reifenwerk in der Kreisstadt verpflichtet sich im Gegenzug, kosteneffizient zu produzieren. „Es ist ein Geben und Nehmen“, so Setzer.

Insgesamt erwartet der Conti-Vorstand für 2010 ein geringes Wachstum. Das „Tal der Tränen“ sei im ersten Halbjahr 2009 durchschritten worden: „Es wird nicht schlechter werden“, sagte Setzer. Im Bereich der Pkw-Reifen rechnet das Vorstandsmitglied mit einem Wachstum von einem Prozent.

„Wir haben heute ein paar positive Botschaften gehört“, sagte Betriebsratsvorsitzender Jörg Schönfelder. Der Konzernspitze sei es gelungen, den Mitarbeitern Perspektiven aufzuzeigen. Dennoch bleibe die Beschäftigungslage schwierig. Kurzarbeit werde weiter ein wichtiges Instrument bleiben, kündigte Werksleiter Salokat an. Derzeit wird nur bei ContiTech zum Teil noch kurzgearbeitet. Zum Jahresende könnte die reduzierte Regelarbeitszeit aber auch wieder im Reifenwerk greifen, so der Werksleiter. Betriebsbedingte Kündigungen habe es bislang keine gegeben, so Schönfelder. Die Beschäftigten können außerdem weiter mit einem auf 90 Prozent ihres üblichen Nettolohns aufgestockten Kurzarbeitergeld rechnen. Auch das Weihnachtsgeld wird wie gewohnt überwiesen.

Lage entspannt sich

Insgesamt hat sich die Lage im Korbacher Werk leicht entspannt. Bei den Pkw-Reifen sei die Beauftragung derzeit relativ hoch. Nach wie vor würden aber Überkapazitäten produziert, berichtete Salokat. Während der Bereich Fahrradreifen von der Krise kaum beeinflusst werde, habe es bei den Industriereifen im ersten Halbjahr 2009 eine deutliche Reduzierung gegeben. Hier deute sich eine Entspannung zum Jahresende an.

Dass Continental in der Kreisstadt in der Krise relativ glimpflich davon kommt, daran hat übrigens die Belegschaft einen ganz entscheidenden Anteil, wie Zahlen belegen: In einem konzerninternen Qualitätsranking rangiert das Korbacher Werk laut Setzer auf Platz Eins. Der Betrieb weise außerdem bis zu zehn Prozent bessere Effektivitätskennzahlen auf als andere Standorte, so Salokat.

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