Zu wenige Sänger: Peters Gesangverein lässt den Vereinsbetrieb ruhen - vorerst

Contis Werkschor legt Noten zur Seite

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Peters Gesangverein bei der Fahnenweihe im Jahr 1911 vor dem Portal des Verwaltungsgebäudes der damaligen Louis-Peter-AG. Foto: pr

Korbach - Die letzte Note ist gespielt, der letzte Ton erklungen: Peters Gesangverein lässt nach 106 Jahren den Vereinsbetrieb ruhen - dem Continental Werkschor fehlen die Stimmen. Doch ganz haben die verbliebenen Sänger die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Ein Titel mit Symbolkraft: Mit dem „Winternächt‘gen Schweigen“ hat sich Peters Gesangverein bei der Conti-Betriebsversammlung im Dezember von der Bühne verabschiedet. Dabei war die Liedauswahl für den vorerst letzten Auftritt eher zufällig: „Das Stück konnten wir singen, ohne viel zu proben“, sagt Heinz Müller, seit 2004 Vorsitzender des Werkschors.

In Spitzenzeiten hatte Peters Gesangverein rund 70 aktive Sänger, zuletzt war die Zahl auf 15 gesunken - der jüngste ist 64 Jahre alt, der älteste schon über 90. „Die Stimmgewalt hat nachgelassen“, mussten Müller und seine Mitstreiter feststellen. Stück für Stück zog sich der Chor aus der Öffentlichkeit zurück, vor drei Jahren sangen die Männer zum letzten Mal bei der Christvesper. Mehr als 60 Jahre war es Tradition, an Heiligabend abwechselnd in der Nikolai- und Kilianskirche den Gottesdienst mitzugestalten. Und seit der Mitgliederversammlung am vergangenen Freitag ist es offiziell: Der Vereinsbetrieb ruht.

Ganz in der Versenkung verschwinden lassen wollen die Sänger das gute Stück Werksgeschichte aber nicht: „Wir treffen uns weiter alle 14 Tage in der ehemaligen Warenausgabe im Werk, singen und üben ein bisschen“, sagt Müller. Auch Ständchen für die Geburtstagskinder unter den Mitgliedern soll es weiter geben.

Und Müller will in diesem Jahr noch einmal die Werbetrommel für den Werkschor rühren: „Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass der eine oder andere noch zu uns stößt. Der Verein hat zwei Weltkriege überstanden und jedes mal mit wenigen Sängern wieder neu angefangen. Warum soll das jetzt nicht auch funktionieren?“

Über mangelnden Applaus bei den Betriebsversammlungen habe sich der Chor jedenfalls nicht beklagen müssen: „Wir hatten immer guten Zuspruch“, sagt der Vorsitzende. Und auch die Sänger hätten sich immer besonders mit dem Gesangverein identifiziert. „Bei den Chorproben und Auftritten waren immer alle da“, so Müller.

Wer Interesse hat, Peters Gesangverein wiederzubeleben und mitzusingen, meldet sich bei Heinz Müller, Telefon 05631/2757. Continental-Werkszugehörigkeit ist dabei kein Muss.

Hintergrund: Peters Gesangverein

Mit Beginn der Industrialisierung gründen sich Ende des 19. Jahrhunderts erste Werkschöre, in denen nach Feierabend oder auf Betriebsfeiern gemeinsam gesungen wurde. Die Unternehmen fördern das kulturelle Angebot – auch um den Einfluss der immer stärker werdenden Sozialdemokratie einzudämmen. In Korbach beginnt die Geschichte von Peters Gesangvereins im Jahr 1909: Kurz nach der Fertigstellung seiner Fabrik lässt Louis Peter durch Anschlag bekannt geben, dass im Werk ein „Gemischter Chor“ gegründet werden solle. Weil zu wenige Frauen mitmachen wollen, wird der Gesangverein schon kurz nach der Gründung in einen reinen Männerchor umgewandelt. ? Seine größten Erfolge feiert der Chor in den 1970er Jahren mit internationalen Konzerttourneen und Plattenaufnahmen. Zuletzt prägten Auftritte in der Region und Chorfahrten das Vereinsleben.

Von Lutz Benseler

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