Schulleiterin Mareike Bangert: „Corona heißt: Kompromisse finden“

Einschulung in Westwallschule: Zahl der Begleitpersonen hängt vom Wetter ab

Westwallschule in Korbach: Die Einschulungsfeier könnte aufgrund von schlechtem Wetter in der Turnhalle stattfinden. Dann könnte nur eine Person das Kind begleiten.
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Westwallschule in Korbach: Die Einschulungsfeier könnte aufgrund von schlechtem Wetter in der Turnhalle stattfinden. Dann könnte nur eine Person das Kind begleiten.

Korbach – Vor rund vier Wochen erreichte die Eltern der zukünftigen Erstklässler der Westwallschule ein Informationsschreiben. Es ging darin um die Einschulungsfeier am kommenden Dienstag. Nicht alle waren über den Inhalt des Briefes erfreut – die Eltern eines Kindes meldeten sich daraufhin bei der WLZ und äußerten ihren Unmut angesichts der vorgeschriebenen Zahl der Begleitpersonen.

Er wolle bei der Einschulung seines Kindes unbedingt dabei sein, sagte der Vater. Die Mutter betonte, dass die Einschulung ein einmaliges Erlebnis für Eltern und Kind sei. Man könne deshalb weder den Eltern noch den Kindern zumuten, eine Auswahl zu treffen, wer bei der Einschulungsfeier dabei sein dürfe.

Der Ärger der Eltern hat folgenden Hintergrund: Zwar plant die Westwallschule fest damit, die Einschulung am Dienstag auf dem Schulhof stattfinden zu lassen. Die beiden ersten Klassen werden nacheinander eingeschult. Teilnehmen dürfen pro Kind zwei Begleitpersonen. Bei schlechtem Wetter muss die Einschulungsfeier allerdings in die Schulturnhalle verlegt werden, was Einfluss auf die Zahl der Begleitpersonen hat. Dann darf nur noch eine Person pro Kind dabei sein.

Mareike Bangert, Leiterin der Westwallschule

Im Info-Schreiben an die Eltern, das unserer Zeitung vorliegt, wird dies mit der „Corona-Pandemie und den damit verbundenen Abstands- und Hygienevorschriften“ begründet.

Auf WLZ-Anfrage sagte Schulleiterin Mareike Bangert: „An den Grundschulen gibt es völlig unterschiedliche Gegebenheiten. Unsere Turnhalle ist nicht groß. Wenn das Wetter eine Einschulung auf dem Schulhof nicht zulässt, müssen wir dorthin ausweichen. Die räumliche Situation lässt in der Turnhalle nur eine Person pro Kind zu.“ Erschwerend komme hinzu, dass die beiden Ersten Klassen mit je 26 Kindern groß seien. „Wir machen die Einschulung deshalb auch schon nacheinander, um alles zu entzerren. Trotzdem ist die Klassengröße auch ein entscheidender Faktor, warum wir – um das Abstandsgebot einzuhalten – bei einer Feier in der Turnhalle nur eine Person pro Kind zulassen dürfen.“

Auf die Frage, ob es auch möglich gewesen wäre, die Klassen in Gruppen zu unterteilen, um somit auch in der Turnhalle zwei Begleitpersonen zulassen zu können, sagte die Schulleiterin: „Natürlich wäre das möglich gewesen. Doch für uns ist es wichtiger, dass die Kinder nach der Feier ihre erste Schulstunde gemeinsam in dem Klassenverband erleben können, in dem sie ihre Schulzeit verbringen. Wir haben auch viele Kinder aus den Ortsteilen, die sich bei der Einschulung zum ersten Mal sehen. Aus unserer Sicht ist es wichtiger, dass sich die Kinder alle kennenlernen und nicht, dass wir eine bestimmte Zahl an Begleitpersonen erreichen. Außerdem ist die Einschulung in diesem Jahr auch keine Riesen-Veranstaltung, weil coronabedingt leider alles etwas kleiner ausfällt.“

Sollte es dazu kommen, dass die Einschulungsfeier in der Turnhalle stattfindet, wird es nach Auskunft der Schulleiterin auch für die Person, die nicht mit hinein darf, die Möglichkeit geben, dass Kind danach in der Pausenhalle in Empfang zu nehmen. Corona bedeute, Kompromisse zu finden.

Trotz aller Schwierigkeiten ist sich Mareike Bangert sicher, dass es für alle eine schöne Einschulung werden wird. „Das Wetter wird zu 90 Prozent gut sein, sodass wir die Feier draußen machen und auch Eltern gemeinsam daran teilnehmen können.“

So laufen Einschulungen in den anderen Korbacher Grundschulen ab

Wie ist die Zahl der Begleitpersonen bei den Einschulungsfeiern in den anderen Korbacher Grundschulen angesetzt? Wir fragten nach – unterm Strich ergibt sich ein einheitliches Bild: Es dürfen zwei Personen pro Kind an der jeweiligen Feier teilnehmen – egal, ob diese draußen oder in geschlossenen Räumen stattfindet.

Allerdings weisen im Gespräch mit unserer Zeitung alle Schulleiterinnen und Schulleiter darauf hin, dass man die Grundschulen nicht miteinander vergleichen könne. Die Gegebenheiten seien überall anders und das Platzangebot sei unterschiedlich groß.

„Glücklich ist niemand über die momentane Situation in der Corona-Krise“, betont Jörg Thiele, Leiter der Humboldt-Schule. Dort werden die drei ersten Klassen sowie die Vorklasse am Dienstag und Mittwoch zu unterschiedlichen Zeiten eingeschult. Die Feiern finden in der Turnhalle statt.

„Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir es mit Blick auf das Platzangebot so regeln können, dass zwei Erwachsene pro Kind an der Feier teilnehmen können“, sagt Thiele. Die Eltern seien vor Ferienbeginn darüber informiert worden.

Auch in der Grundschule Marker Breite findet die Einschulungszeremonie in der Turnhalle statt. Die beiden ersten Klassen werden in zwei Etappen eingeschult. „Neben den beiden Begleitpersonen kann auch zusätzlich zum Kind, was eingeschult wird, noch ein Geschwisterkind mitkommen. Auf den Bänken, die in der Halle weit genug auseinanderstehen, können insgesamt vier Personen Platz nehmen“, sagt Schulleiter Dirk Osthöver.

In der Berliner Schule ist man sich noch nicht sicher, ob die Einschulungsfeierlichkeiten in der Aula oder auf dem Schulhof stattfinden. „Wir warten ab, wie das Wetter wird. Es könnte auch der Fall sein, dass wir in die Aula gehen, weil es draußen einfach zu heiß ist. Aber sowohl dort, als auch draußen dürfen maximal zwei Personen pro Kind an der Feier teilnehmen“, sagt Schulleiterin Irmgard Geck. In der Berliner Schule werden die Einschulungen für die beiden ersten Klassen und die zwei Vorklassen auch zeitlich gesplittet.

Dass in Corona-Zeiten Feiern auf dem Schulhof zwangsläufig besser sind, würde Irmgard Geck nicht unterstreichen. „Klar kann sich dort alles besser entzerren. Auf dem Schulhof befinden sich in den Pausen aber auch Schülerinnen und Schüler der älteren Klassen. Außerdem grenzt unser Außenbereich direkt an den Weg zum Schwimmbad. Der Lautstärke-Pegel könnte die Feierlichkeiten daher stören“, sagt die Schulleiterin. Die Aula biete für solche Anlässe die besseren Voraussetzungen – dort gebe es zudem eine Lautsprecheranlage und eine Bühne für das Rahmenprogramm – wenngleich dieses wegen Corona nicht so umfangreich ausfalle wie in den Vorjahren.

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