Sorgenfalten im Tropenzelt

Corona-Krise in Afrika: Der Lengefelder Markus Wolff berichtet aus Namibia

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Die weiten Landschaften Afrikas genießen: Der Lengefelder Markus Wolff reist in diesen Tagen durch Südafrika und Namibia. Die Corona -Krise beschäftigt aber auch ihn.

Um 20 Uhr erreicht mich seine Sprachnachricht. Im Hintergrund hört man den Wind, der über die Tropenlandschaft fegt. Der Lengefelder Markus Wolff ist auf Sprachreise in Afrika.

Markus Wolff meldet sich aus Namibia, 8000 Kilometer von seinem Waldecker Heimatort entfernt. Im Interview spricht er über seine Eindrücke von der Corona-Krise, weit weg von Deutschland.

Wie fühlst Du dich gerade? Kannst Du deine Reise noch genießen oder sind die Gedanken woanders?

Ich fühle mich schon etwas unwohl. An manchen Tagen haben wir kein Internet, da kann ich etwas abschalten. Sonst erhalte ich aber auch sofort die vielen Eilmeldungen. Da bin ich mit meinen Gedanken auch schnell nicht mehr bei der Reise, sondern denke darüber nach, wie ich wieder nach Hause komme oder wann ich meine Familie wiedersehe.

Wie hast Du die Entwicklung des Virus wahrgenommen? Wann ist es ein Thema für Dich geworden?

Wirklich präsent wurde es, als ich von dem ersten Fall in Deutschland gehört habe. Als es in Südafrika losging, wurde es dann natürlich noch wichtiger für mich. Wie kritisch die Situation ist, habe ich aber erst so richtig gemerkt, als wir vor der Grenze zu Namibia standen und nicht wussten, ob wir überhaupt noch rüber kommen. Einen Tag vor der Grenzschließung durften wir aber noch in das Land einreisen.

Hättest Du damit gerechnet, dass sich das Virus in diesem Umfang ausbreitet?

Ich habe schon damit gerechnet, jedoch bin ich nicht davon ausgegangen, dass es so schnell passiert. Es ist schon verrückt, wie sich das alles entwickelt.

Wie ist die Lage in Namibia? Gibt es schon Einschränkungen im alltäglichen Leben?

Gerade in Afrika wird das Thema immer präsenter. Die Regierungen verhängen schon aufgrund weniger Fallzahlen Ein- und Ausreisestopps und schließen die Geschäfte. Über Einschränkungen im alltäglichen Leben kann ich aber schlecht etwas sagen, da wir viel durch die Landschaft fahren. Es scheint aber alles relativ normal abzulaufen. Trotzdem ist das Desinfektionsmittel überall ausverkauft. Auch die Zeitungen titeln schon mit „Killervirus“.

Weißt Du, wie die Situation in Südafrika ist?

Dort sind bereits 90 Menschen infiziert. Freunde von mir, die noch in Kapstadt sind, haben erzählt, dass auf den Straßen nichts mehr los ist. Die Maßnahmen sind also quasi die gleichen wie in Europa. Das ist auch notwendig, denn die Gesundheitsversorgung ist deutlich schlechter als beispielsweise in Deutschland.

Macht Dir das Virus deshalb mehr Sorgen?

Die schnelle Ausbreitung sehe ich als bedenklich an. Ich hoffe nicht, dass ich in Afrika in ein Krankenhaus gehen muss. Obwohl mich das Thema beschäftigt, mache ich mir um mich aber keine großen Sorgen. Größere Angst habe ich beispielsweise um meine Großeltern in Deutschland, die erkranken könnten. Zu Hause ist aber zum Glück noch niemand betroffen.

Also hast Du viel Kontakt in die Waldecker Heimat?

Ich habe schon viel Kontakt. Täglich schreibe ich, wir telefonieren aber auch regelmäßig. Das ist natürlich teilweise schwierig, weil das Internet hier nicht so gut ist, aber das funktioniert schon irgendwie. Ich versuche immer auf dem neusten Stand zu bleiben und auch meine Eltern schauen, dass sie mir wichtige Informationen weiterleiten, zum Beispiel zur möglichen Rückreise. Über sie erfahre ich auch, wie es der Familie geht und ob noch alles in Ordnung ist.

Nach deinem Sprachkurs, bist Du nun auf Safari. Wie ist dort die aktuelle Lage? Schränkt euch die Corona-Entwicklung ein?

Die Reisegruppe ist international gemischt. Das ist natürlich auch für uns ein Thema, über das wir sprechen. Ich merke schon, dass die Stimmung etwas angespannter ist.

Musst Du deine Reise eventuell vorzeitig beenden?

Unser Tourguide hat noch keine Informationen erhalten. Das wird sich in den nächsten Tagen entscheiden, aber ich gehe davon aus, dass wir die Safari nicht bis zum Ende durchführen können. Zumal wir überhaupt nicht mehr über die Grenzen nach Botswana kommen.

Wie groß sind die Sorgen, dass Du erst einmal nicht mehr nach Hause kommst und in Afrika festsitzt?

Ich bin optimistisch, wieder nach Hause zu kommen. Die angekündigte Rückholaktion der Bundesregierung hat mich beruhigt. Es ist nur die Frage, wie lange ich jetzt noch in Afrika bleiben muss. Natürlich werden zu erst die Deutschen im Norden Afrikas zurück in die Heimat geholt. Ich frage mich natürlich auch, wie das in Namibia ablaufen wird. Darf ich das Haus überhaupt noch verlassen, kommt es vielleicht sogar zu Unruhen? Ich weiß es nicht. Deshalb bin ich froh, dass ich Teil einer geführten Tour bin. Dennoch hoffe ich, dass ich bald wieder nach Hause reisen darf, weil in Deutschland die Gesundheitsversorgung besser ist. Auch die Familie ist für mich in einer solchen Zeit wichtig. (sk)

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