So meistert die tschechische Stadt die Krise

Corona-Pandemie in Korbachs Partnerstadt Vysoké Myto: Öffentliches Leben erwacht wieder

Vysoké Myto in der Tschechischen Republik.
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Seit 20 Jahren Korbachs Partnerstadt: Vysoké Myto in der Tschechischen Republik.

Wie meistern eigentlich Korbachs Partnergemeinden die Corona-Krise? In Vysoké Myto in der Tschechischen Republik, rund 130 Kilometer östlich von Prag, erwacht seit Mitte Mai das Leben wieder.

Die Pandemie hat auch Korbachs Partnerstadt erfasst: In der Region Pardubice gibt es aktuell 20 Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, als geheilt gelten 265, acht sind an den Folgen von COVID-19 gestorben. Insgesamt 2167 wurden getestet, berichtet die Zeitung Deník.

Vor drei Monaten hatte sich der tschechische Staat dazu entschlossen, Schulen, öffentliche Veranstaltungen und die Außengrenzen zu schließen. Der Lockdown in den vergangenen Wochen blieb nicht ohne Folgen für die Wirtschaft in Vysoké Myto.

IVECO in Vysoké Myto stellt die Produktion ein

Der Bushersteller Iveco ist mit rund 4000 Mitarbeitern größter Arbeitgeber der Region. Das Werk hatte am 27. März die Produktion vorübergehend eingestellt – ganz ähnlich wie auch Continental in Korbach. Wegen der Corona-Pandemie war die Lieferkette unterbrochen, wichtige Teile fehlten, heißt es in der Zeitung Deník. Die Beschäftigten erhielten eine Art Kurzarbeitergeld. Geplant war ursprünglich, das Werk für zwei Wochen bis Ostern zu schließen. Daraus wurden schließlich fünf Wochen.

Während Iveco die Tore schließen und Mitarbeiter nach Hause schicken musste, hat die Firma Mikroelektronika den größten Auftrag in ihrer 30-jährigen Geschichte erhalten: Das Unternehmen aus Vysoké Myto soll mehr als 950 Fahrzeuge, Straßenbahnen, Oberleitungsbusse, Busse und Kleinbusse mit einem kontaktlosen Zahlungssystem ausstatten.

Das ist in Corona-Zeiten eine Herausforderung: Wie für die meisten tschechischen Unternehmen sei es auch für Mikroelektronika nicht so einfach, Atemschutzmasken für die Mitarbeiter bereitzustellen, schreibt die Deník. Insbesondere professioneller, medizinisch zertifizierter Atemschutz ist Mangelware. Er bleibt dem Gesundheits- und Pflegesektor vorbehalten

Feste in Vysoké Myto werden abgesagt

Das kulturelle Leben in Vysoké Myto ist noch immer stark eingeschränkt. Das eigentlich für Anfang Juni geplante Oldtimer-Festival hat die Stadt abgesagt; es soll Anfang September nachgeholt werden. Auch öffentliche Konzerte gibt es noch nicht. Die örtliche Band „WAF“ versucht es deshalb mit einem Live-Stream direkt aus dem Proberaum. Der Erlös soll an das Veská-Kinderzentrum gespendet werden

Schulen und Kindergärten haben derweil wieder geöffnet und auch der beliebte Bauernmarkt findet wieder statt – unter Auflagen: Verkaufsstände oder Tische müssen in ausreichendem Abstand entlang des Platzes aufgestellt werden, um Kunden und Händler zu schützen. Die Stadt Vysoké Myto geht unterdessen auch aktiv gegen das Virus vor: Um das Infektionsrisiko in Wohneinrichtungen für ältere Menschen, in der Stadtbibliothek oder im Rathaus zu minimieren, hat Bürgermeister Frantiek Jirask für 100.000 Kronen, rund 3765 Euro, ein Desinfektionsgerät auf Basis von Wasserstoffperoxid und Silberionen gekauft.

Die Wirkung soll lange anhalten: Der Hersteller gibt an, dass die aktiven Silberionen, die an der Oberfläche aller Objekte im Raum haften, bis zu drei Wochen lang wirken. Gleichzeitig ist die Arbeit mit dem Gerät sehr schnell. Der Besprechungsraum des Rathauses wurde laut Jirask innerhalb von fünfzehn Minuten desinfiziert.

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