Corona in Waldeck-Frankenberg

Unterwegs in Korbach: Frühlingsgefühle und Corona-Sorgen

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Das schöne Wetter ausnutzen: Einige Korbacher zog es am Wochenende ins Freie.

Einschränkungen in der Corona-Krise – wie wird in Korbach damit umgegangen? Die WLZ hat ihren Volontär Silas Klöcker auf eine Recherche in die Stadt geschickt.

Der Himmel ist strahlend blau, die Vögel zwitschern, der Frühling ist in Waldeck-Frankenberg angekommen. Doch trauen sich die Menschen in Zeiten der Corona-Krise überhaupt noch aus ihren Häusern und Wohnungen? Ich habe mich auf den Weg gemacht und Gespräche gesucht, natürlich mit genügend Sicherheitsabstand.

Corona in Waldeck-Frankenberg - Stress im Berufsalltag

Auf dem Feldweg Richtung Höringhausen begegne ich Familie Waal aus Korbach. Bei einem Spaziergang wollen sie zu zweit das schöne Wetter und die Natur genießen. Die aktuelle Lage nehmen sie durchaus ernst. „Wir sind uns der Situation bewusst und gehen kein unnötiges Risiko ein.“ Dass das nicht immer leicht ist, erlebt vor allem Frau Waal im Berufsalltag. Sie berichtet: „Ich arbeite als Kassiererin. Die vergangene Woche war ganz schön stressig für mich.“

Die Spielplätze bleiben geschlossen, wie hier am Höringhäuser Weg.

Ähnlich geht es in diesen Tagen Moritz, den ich am Bahnhof treffe. Der 19-Jährige ist Auszubildender im Korbacher Krankenhaus. „Wir sind gut vorbereitet und haben bereits eine Station für mögliche Corona-Patienten geräumt“, erzählt er mir. Auch eine Fortbildung habe es schon gegeben.

„In meinem privaten Umfeld merke ich die Einschränkungen viel mehr“, sagt der Korbacher, „mit meinen Freunden treffe ich mich nur noch selten.“ Auch die Geburtstagsfeier seiner Großmutter sei in diesem Jahr erstmal ausgefallen. Er erzählt: „Das haben wir als Familie entschieden. Wir wollen niemanden in Gefahr bringen, zumal ich durch meine Ausbildung auch zu der Risikogruppe gehöre.“

Corona in Waldeck-Frankenberg - „Wir wollten einfach mal raus“

Ebenfalls dazu gehört Familie Mütze aus Obernburg. Ich spreche die Eheleute in der Korbacher Innenstadt an. Die Beiden nehmen die Situation sehr ernst. Frau Mütze erklärt: „Wir haben schon Angst, vor allem weil die Ausbreitung so schnell voranschreitet.“ Als Schutzmaßnahme kommen nun auch die Enkelkinder nicht mehr zu Besuch, denn: „Wir sind beide Mitte 60.“

Den Freiraum wollen sie sich aber nicht nehmen lassen. „Wir wollten einfach mal raus, an die frische Luft“, sagt Herr Mütze. In Korbach will sich das Ehepaar die Öffnungszeiten der Apotheken anschauen, um in der kommenden Woche Medikamente kaufen zu können. Zuhause in Obernburg lässt es sich aber auch ganz gut aushalten berichtet Frau Mütze: „Wir haben einen großen Garten, den wir in diesen Tagen gerne benutzen. An Platz mangelt es uns zum Glück nicht.“

Am Korbacher Bahnhof fahren noch die Züge: Viele Menschen nutzen das Angebot in der Corona-Zeit jedoch nicht.

Corona in Waldeck-Frankenberg - Natur genießen, in Kleingruppen und mit Abstand

Ich habe den Eindruck, dass die Menschen begriffen haben, welche Ausmaße diese Pandemie noch annehmen kann. Die Vorgaben der Bundesregierung werden respektiert. Wie schwierig das Thema ist, merke ich im Gespräch. Viele unterhalten sich gerne mit mir über das Coronavirus, den vollständigen Namen wollen jedoch die wenigsten in der Zeitung preisgeben.

Auf meiner Suche in Korbach habe ich viele Menschen gesehen, die das schöne Wetter genießen. Zu meiner Überraschung habe ich aber auch festgestellt, dass diese tatsächlich in Kleingruppen unterwegs waren und den Sicherheitsabstand einhielten. Ich denke, das ist der richtige Weg. Bleibt mir noch zu wünschen: alles Gute und vor allem viel Gesundheit.

Von Silas Klöcker

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