Verordnung wegen Coronavirus

Läden müssen schließen: Händler setzen auf Videochat und Versand

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Einkaufen in der Korbacher Fußgängerzone ist in diesen Tagen ein einsames Erlebnis. 

Bekleidungsgeschäfte, Buchläden, Telekommunikationsläden und viele weitere Händler haben wegen der Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus seit Mittwoch geschlossen.

Korbach. Das schmerzt schon, sagen Einzelhändler und Verkäufer. Die Fußgängerzone verwaist allmählich, Kunden stehen vor verschlossenen Türen. Frühjahrsmode schmückt jetzt nur noch die Schaufenster. Bücher bleiben ungelesen in Regalen liegen.

Was machen die verordneten Ladenschließungen mit einer Einkaufsstadt wie Korbach? Keiner der Geschäftsleute weiß, was ihn in den nächsten Wochen wirtschaftlich erwartet. Was die plötzlichen gravierenden Umsatzausfälle bedeuten. Und welche finanzielle Unterstützung sie erwarten dürfen.

Kurzarbeitergeld beantragen

„Die Situation ist sehr hart“, sagt Jürgen Tent, Vorsitzender der Korbacher Hanse. Viele Betriebe hätten für ihre Mitarbeiter Kurzarbeitergeld beantragt, damit Verdienstausfälle zumindest teilweise ausgeglichen werden können. Andere Beschäftigte würden erst mal Überstunden abbauen. „Aber wir wissen ja nicht, wie lange die Vorgaben zur Schließung dauern werden.“

An vielen Schaufenstern hängen Schreiben aus, die Kunden dazu ermuntern sollen, den Geschäften treu zu bleiben und während der Schließung per Telefon oder über das Internet Waren zu bestellen. „Wir wollen unser Online-Geschäft ausweiten“, sagt Rainer Ueberson vom Modehaus Manhenke.“ Das Geschäft müsse nun sehr viele Maßnahmen ergreifen, um Kosten zu reduzieren.

Schließung für Renovierung nutzen

Zuversichtlich gab sich Harald Henkel, dass sein Fachgeschäft in Korbach die Krise überstehen werde. „Wir hoffen trotzdem, dass wir bald wieder öffnen dürfen.“ Der Betreiber des Blumenladens Blumen Piet in der Kreisstadt will die Zeit der Schließung für eine Renovierung nutzen, die ohnehin angestanden habe. Alle frischen Blumen wolle man an Altenheime spenden. Bei dringenden Fällen wie Beerdigungen will der Laden seine Dienstleistungen weiter anbieten.

„Warum dürfen Friseure weiterhin öffnen, wir aber nicht“, fragt eine Floristin. Einerseits könne sie nicht nachvollziehen, wo bei den Schließungen die Grenze gezogen wird. Andererseits verstehe sie, dass die Menschen jetzt nur noch für ganz dringende Erledigungen raus gehen sollen, damit sich das Virus nicht so schnell ausbreitet.

Waren per Post, Beratung per Videochat

Die Kaufleute setzen darauf, dass die Durststrecke möglichst schnell überstanden ist. „Wir hoffen, dass wir in Kürze wieder den Normalbetrieb aufnehmen können“, schreibt Sophie Valentin vom Bettenhaus Brack an ihre Kunden. Das Geschäft setzt nun auf andere Kanäle für den Vertrieb: „Selbstverständlich verschicken wir Waren per Post. Gerne beraten wir Sie in einem Videochat.“

Vorübergehend geschlossen: Für viele Geschäfte gilt dies auf unbestimmte Zeit.

Die meisten geben sich erfinderisch und wollen weiterhin ihre Ware absetzen, so auch die Buchhandlung Colibri: Produkte aus dem Sortiment oder Katalog können zugesandt oder den Kunden vorbeigebracht werden.

Auch die Reisebüros darf kein Kunde mehr betreten. Doch die Angestellten arbeiten zum Teil weiterhin von ihren Arbeitsplätzen aus und stehen mit Kunden per Telefon und E-Mail in Kontakt.

Viele Menschen vor Apotheken

Es gibt auch das ganz andere Bild: Bäcker- und Metzgerfilialen sind zeitweise gut besucht, Menschengruppen sitzen auf der Terrasse einer Eisdiele, Warteschlangen bilden sich vor Apotheken, einzelne Passanten gehen zum Friseur. Sanitätshaus und Orthopädie-Fachhandel haben geöffnet. 

Optiker weisen Kunden darauf hin, dass Mitarbeiter die Brillen von Kunden nicht unbedingt reinigen können und dass auf „alle notwendigen Kontakte“ verzichtet werden soll. Die Beschäftigten arbeiten dort in Schichten, um das Risiko der Ansteckung zu verringern.

„Der Einzelhandel trägt mit diesen Einschränkungen dazu bei, dass die Ausbreitung des Virus gebremst wird“, sagt Jürgen Tent. Sein Metzger-Laden darf offen bleiben. „Nun müssen sich die Menschen an die Regeln halten und Abstand halten.“

Verband rechnet mit enormen Umsatzausfällen

Bund und Länder haben verfügt, dass Einzelhandel-Verkaufsstellen, Theater, Museen und Sporteinrichtungen vorerst geschlossen werden. Der Handelsverband Deutschland rechnet damit, dass etliche Geschäfte nun in ihrer Existenz bedroht sind. Die verordneten Ladenschließungen führen demzufolge bundesweit zu einem Umsatzausfall von rund 1,15 Milliarden Euro pro Tag. Daher fordert der Verband von der Bundesregierung, schnell und unbürokratisch finanzielle Hilfe möglich zu machen. 

Der Lebensmittelhandel, Drogeriemärkte, Poststellen, Lieferdienste, Baumärkte, Gartencenter und Geschäfte für Tierbedarf, Apotheken, Banken und Tankstellen bleiben geöffnet. Kunden sollen dort wegen der Ansteckungsgefahr unbedingt einen Sicherheitsabstand zu anderen Personen von mindestens 1,5 Metern halten.

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