Cybermobbing bis zum finalen Schuss

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- Korbach (tt). Mit einem Pistolenschuss war das Theaterstück „r@usgemobbt 2.0“ plötzlich vorbei. Das offene Ende hinterließ bei vielen Schülern Fragen. Die konnten im anschließenden Gespräch den Schauspielern gestellt werden.

Das Kinder- und Jugendtourneetheater „Comic On!“ aus Köln trat gestern in der Korbacher Stadthalle auf. Das Besondere an ihren Aufführungen sind nicht nur die Themen wie Rechtsextremismus oder Sexualität, sondern die Gespräche mit den Zuschauern im Anschluss. Um mit denen diskutieren zu können, aber auch um sie aufzuklären, absolvieren die Darsteller zuvor thematische Fortbildungen. Beim Stück „r@usgemobbt 2.0“ geht es um das Schikanieren von Mitschülern über das Internet oder mit Handyvideos – Cybermobbing also.

Der 16-Jährige Jess, gespielt von Marcus Klapproth, hat viel erlebt und will an der neuen Schule möglichst unauffällig bleiben. Sein größtes Hobby ist das „Zocken“ am Computer. Online spricht er auch mit seinem besten Freund über seine Probleme. An der Schule lernt er Chris (Jaqueline Grygier-Bethke) kennen, die ebenfalls begeisterte PC-Spielerin ist, weshalb sich beide schnell gut verstehen. Dem steht Vanessa (Veronika Franzen) gegenüber. Sie ist attraktiv, reich und hat an der Schule das Sagen. Chris ist schon länger Opfer ihrer Attacken. So wird sie gezwungen, zu stehlen und in einer peinlichen Situation mit dem Handy gefilmt. Vanessa lädt den Clip im Internet hoch – das hat Folgen. Es kommt zum Konflikt zwischen den drei Protagonisten und zu einem Schuss. Was passierte, ist nicht zu sehen.

Der Spannungsbogen im Stück und das überraschende Ende sorgten bei den 350 Korbacher Schülern für Fragen. In einer Gesprächsrunde mit den Darstellern wurde das Thema Cybermobbing vertieft. Diskussion nach dem Stück Die Schauspieler selbst hatten auch Fragen an die Schüler. Was ist überhaupt Mobbing, und wie kann es dazu kommen? Wer ist daran beteiligt, und wer leidet darunter? Wie können sich die Betroffenen (online) schützen? Fragen, die für die Schüler von Bedeutung sind, was auch die Reaktionen zeigten.

„Wenn es so einen Vorfall bei uns an der Schule gibt, denke ich jetzt anders darüber“, erklärte eine Schülerin in der Gesprächsrunde, „ich habe gelernt, dass man schnell handeln und helfen muss.“ Für die 13 bis 16 Jahre alten Schüler war die Gesprächsrunde eine gute Gelegenheit, das Geschehen auf der Bühne auf eigene Erfahrungen zu übertragen. Die Schauspieler klärten zudem über Gesetze wie das Recht am Bild auf und erläuterten, wie sich Jugendliche in sozialen Netzwerken vor Mobbing schützen können. So können zum Beispiel peinliche Fotos oder Videos, die andere ins Internet stellen, gemeldet werden. Nach einer Forsa-Umfrage sind 32 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen bereits Opfer von Mobbing-Attacken im Internet gewesen.

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