Nach einem Austauschjahr kehrt Marina Reginato zurück nach Brasilien

„Das beste Jahr meines Lebens“

+
Nach einem Jahr in Deutschland fliegt Austauschschülerin Marina Reginato (17) heute wieder zurück nach Brasilien. Foto: Lutz Benseler

Korbach - „Korbach ist meine zweite Heimat geworden“, sagt Austauschschülerin Marina Reginato. Nach einem Jahr im Waldecker Land reist die 17-Jährige zurück nach Brasilien.

Auch wenn sie über das WM-Halbfinale zwischen Deutschland und Brasilien lieber den Mantel des Schweigens hüllen möchte: „Es war das beste Jahr meines Lebens“, sagt Marina Reginato und strahlt. Ein ganzes Jahr hat die 17-jährige Brasilianerin im Rahmen des internationalen Rotary-Austauschprogramms im Waldecker Land verbracht. Heute Abend um 19.45 Uhr startet in Frankfurt ihr Flieger zurück in die Heimat - im Gepäck hat Marina Schokolade, die heiß geliebte Sauce Hollandaise und viele Erinnerungen.

Die junge Brasilianerin kann es noch gar nicht fassen, dass die zwölf Monate schon vorbei sind: „Es ist ein komisches Gefühl, ich freue mich einerseits, aber ich bin auch traurig“, sagt die 17-Jährige. Bald wird sie ihre Familie wiedersehen, dafür lässt sie viele neue Freunde und ihre vier Gastfamilien zurück in Deutschland.

Ihr erstes Interview mit der WLZ vor einem Jahr führte sie noch auf Englisch. Mittlerweile bescheinigt ihr das Goethe-Ins­titut ein fortgeschrittenes Sprachniveau: Vor Kurzem hat sie in Frankfurt die Deutsch-Prüfung zum B2-Zertifikat bestanden. Damit hat sie die Möglichkeit, später auch in Deutschland zu studieren.

Die Sprachprüfung zum Abschluss gehört mit zum Austauschprogramm der Rotarier. Das einfachere B1-Zertifikat hätte völlig ausgereicht, doch Marina zeigte sich ehrgeizig: „Ich habe gelernt und gelernt und gelernt“, sagt sie - mit Erfolg. Später möchte sie Jura mit Schwerpunkt auf internationalem Recht studieren und für ein paar Semester auch nach Deutschland zurückkehren. „Auf jeden Fall komme ich auch nach Korbach. Das ist meine deutsche Heimat geworden“, sagt sie.

In Familien in Bad Arolsen, Goddelsheim und Korbach war sie das vergangene Jahr zu Hause, an der Alten Landesschule hat sie sich schnell integriert: „Ich habe mich als Teil des Jahrgangs gefühlt“, sagt sie. So weit sie es sprachlich konnte, nahm sie auch am Unterricht teil. Schon Anfang des vergangenen Jahres schrieb Marina ihre erste Klausur in Geschichte. „Mit dem Wörterbuch in einer Hand“, erinnert sie sich.

Doch die deutsche Grammatik hat ihre Tücken, wie sie schnell erfuhr: „Ich hatte jeden Artikel falsch verwendet“, sagt sie. Dass sie trotzdem von allen Seiten Lob bekam, konnte sie gar nicht fassen.

Vermissen werde sie auch die Ruhe und Sicherheit: „In Korbach konnte ich mich überall frei bewegen, auch nachts“, sagt Marina. In Aracaju, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Sergipe, gehe das nicht.

Von Lutz Benseler

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare