Diemelsee

„Das beste Jahr meines Lebens“

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- Diemelsee-Stormbruch (nv). „Die USA gelten als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und ich wollte sehen, was dort möglich ist“: Die Stormbrucherin Julia Rabanus arbeitete ein Jahr als Au-pair in Washington D.C. und Kalifornien – bereut hat sie keine Sekunde.

„Seit ich 15 Jahre alt war, stand für mich fest, dass ich nach dem Abitur als Au-pair ins Ausland gehen möchte“, berichtet die Diemelseerin. Als die Vereinigten Staaten im Englischunterricht an der Willinger Uplandschule Thema sind, träumt Julia Rabanus von einem Au-pair-Jahr in Kalifornien. Um sich diesen Wunsch zu erfüllen, informiert sie sich frühzeitig bei verschiedenen Agenturen. Sie entscheidet sich für „Cultural Care“, eine der größten Organisationen. Acht Monate, bevor es losgeht, entsteht der erste Kontakt zu ihrer späteren Gastfamilie.

Die Amelungs, Vater Henning ist deutscher Abstammung, leben allerdings nicht in Kalifornien, sondern in der US-Hauptstadt Washington D.C. „Als ich die Familie über E-Mail und Telefon kennengelernt habe, war mir das sofort egal. Wir haben uns auf Anhieb so gut verstanden, dass ich nur noch dorthin wollte“, denkt sie an Henning, Kari und die Kinder Katya (12 Jahre) und Kai (11). Auch der Wunsch, jüngere Kinder zu betreuen, ist zweitrangig, als die frischgebackene Abiturientin am 23. August 2010 abfliegt. „Von den Kindern habe ich eine Menge gelernt“, blickt sie zurück.

„Außerdem hatte ich einen Alltag, um den mich andere Au-pairs beneidet haben“, lächelt die 21-Jährige. Zu ihren Aufgaben gehört es, mit Kai zu frühstücken und ihn in die Schule zu bringen. Bis sie beide Kinder um 15 Uhr vom Unterricht abholen und zu Aktivitäten wie Fußball, Fechten und Basketball fahren muss, hat Julia viel Freizeit. Einkaufen und aufräumen macht sie mit links. „Abends habe ich dann noch für die Kinder gekocht“, ergänzt die Stormbrucherin. Ihre Gasteltern sind beide berufstätig. Kari Amelung arbeitet als Diplomatin den größten Teil des Jahres in Los Angeles und kommt nur alle paar Wochen an die Ostküste. „Für viele Amerikaner geht die Karriere erst einmal vor, damit sie ihrer Familie etwas bieten können“, erläutert Julia Rabanus. Die junge Frau fühlt sich sofort zu Hause. „Bis auf Weihnachten hatte ich kein einziges Mal Heimweh. Das kenne ich von mir gar nicht“, lächelt sie, räumt aber ein: „Ich habe mich sehr lange darauf vorbereitet, ein Jahr fort zu sein.“Dass sie Englisch zu ihren liebsten Schulfächern zählte und den entsprechenden Leistungskurs wählte, kommt Julia Rabanus in den USA sehr zugute. Obwohl die Amerikaner alles andere als Schulenglisch sprächen, verständen sie alles. „Auf diese Weise findet man schnell in die Sprache hinein, verliert Hemmungen und vergrößert das Vokabular.“

Darüber hinaus helfen monatliche Au-pair-Treffen, Kontakte zu knüpfen. „Ich habe aber auch schnell Anschluss an Amerikaner gefunden. Sie sind sehr offen. Diese Aufgeschlossenheit vermisse ich hier häufig.“ Fremder als die Sprache ist der Deutschen die Lebensweise vieler Amerikaner. „Sie sind sehr bequem, machen alles mit dem Auto und greifen beim Essen oft auf Tiefkühlkost und Fast Food zurück“, erzählt Julia Rabanus. „Mein ganzes Leben würde ich daher nicht in den USA verbringen wollen.“

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