Lena Krause wurde als Junge geboren, lebt heute als Frau und wirbt für mehr Toleranz

„Das ist nicht der leichteste Weg“

Waldeck-Frankenberg - Im falschem Körper geboren: Lena Krause hieß früher Hendrik. Heute kämpft sie dafür, das Thema „Transidentität“ aus der Tabuzone zu holen – und erzählt ihre persönliche Geschichte.

Glücklich war Lena Krause schon lange nicht mehr. Als sie im Kindergarten, damals noch als Hendrik, immer in der Puppenecke landete und sich in ihrem Körper nicht so richtig wohlzufühlen schien, da war das mit dem Glücklichsein zum ersten Mal ein Problem. In der Grundschule fühlte sie sich in ihrer Kleidung nicht richtig wohl, probierte zum ersten Mal die Kleider ihrer Mutter an und wurde von ihrem Adoptivvater erwischt. „Mit meiner Mutter konnte ich immer gut reden“, sagt sie heute, „aber mein Adoptivvater hat die Kleidung weggeschmissen und mit Wut reagiert“. Verständnis habe sie damals wenig gefunden, nicht bei Gleichaltrigen und nicht in der Familie. Als sie begann, über das Thema und ihre Gefühle zu sprechen, begannen die Mobbingattacken. „Irgendwann wollte ich einfach nicht mehr auffallen, habe den Mund gehalten und Jungsklamotten getragen“, erzählt Lena Krause. Nur wenn sie alleine und sicher war, lebte sie ihren eigentlichen Wunsch aus. „Das war wir ein Zwang“, sagt sie, „und eigentlich ist es das heute auch noch“. Tief in ihr liege das Bedürfnis vergraben, eigentlich als Frau zu leben. „Das habe ich mir nicht ausgesucht“, sagt die 22-Jährige, „damit bin ich zur Welt gekommen“. Nach der Schule zog sie nach Köln. „Und endlich empfand ich Freiheit und Toleranz“, sagt sie. Zum ersten Mal trug Lena Krause auch in der Öffentlichkeit Frauenkleider, knüpfte Kontakte zur Szene der Homosexuellen und fühlte sich zum ersten Mal in ihrem Leben verstanden. „Endlich sind da Menschen, die genauso fühlen wie du“, sagt sie. Das sei der entscheidende Wendepunkt gewesen. Gestärkt kehrte Lena Krause nach Bad Arolsen zurück. „Warum, das weiß ich heute nicht mehr genau“, sagt sie, „aber mich zog es zurück“. Wieder im alten Umfeld, kehrten die alten Gefühle zurück. „Die Wände kamen immer näher, ich hatte Angstzustände und versuchte, mich umzubringen“, erzählt sie. In der Klinik fand Lena Krause dann Hilfe: „Endlich war da jemand, der mit mir zu arbeiten begann“, sagt sie, „und mir Möglichkeiten aufzeigte“. Während der Therapie beschloss sie: „Ich will als Frau leben, mit allem Drum und Dran“. Inzwischen lebt sie mit ihrer Verlobten zusammen und hat jenen Weg in Angriff genommen, der für sie selbst vor einigen Jahren noch unvorstellbar war – der leichteste Weg sei das aber nicht. „Ich habe beim Landgericht eine Personenstands- und Vornamensänderung beantragt“, erzählt sie. Zwei psychiatrische Gutachten waren dafür nötig. Inzwischen steht in ihrem Personalausweis nicht mehr „Hendrik“, sondern „Lena“. Ein befreiendes Gefühl sei das gewesen. „Aber dieser Weg ist noch nicht am Ende“, weiß sie. Denn jetzt geht es um die körperlichen Veränderungen: Mithilfe eines Endokrinologen wurde sie hormonell neu eingestellt. Tabletten stoppen Testosteron, mit einer Creme werden weibliche Hormone ergänzt. „Am Anfang haben mir diese Mittel viele böse Gedanken gemacht, aber inzwischen sehe ich, wie ich mich langsam verändere“, sagt sie. Ende 2015 stehen dann die beiden entscheidenden Operationen zur Geschlechtsangleichung an. Angst? „Nein, nie“, sagt Lena Krause, „das ist genau der richtige Weg, den ich besser schon viel früher gegangen wäre“. An dunklen Tagen wird sie von ihrer Verlobten ermutigt, an guten Tagen sammelt sie Kraft. „Man muss viel kämpfen“, sagt sie, „einen Papierkrieg und jenen Kampf um Toleranz“. Beschimpfungen und Tritte auf der Straße seien keine Seltenheit. Kontakt zu ihrer Familie hat sie nicht mehr. Natürlich verstehe sie, dass ihre Mutter Probleme mit der Entwicklung habe. „Weh tut mir das trotzdem.“ Die berufliche Ausbildung hat sie auf Eis gelegt. „Dieser Weg nimmt einfach viel Kraft und Zeit in Anspruch“, sagt Lena Krause.Wovon sie träumt? „Dass die Menschen offener werden, dass vielleicht schon Kinder in der Schule lernen, dass es diese Identitätsstörung gibt und man sie sich nicht aussucht“, sagt sie. Keiner müsse das gut finden, aber sie nach ihrer eigenen Fasson leben lassen. Dann ergänzt sie: „Und dass dieser schwere Weg eines Tages zu Ende ist und ich endlich glücklich sein kann.“

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