Fachtag Regionalentwicklung 1.2 in Adorf · Thema „Ehrenamt und Vereine“ in fünf Workshops behandelt

„Das Zauberwort lautet Vernetzung“

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Woher kriegen Vereine Geld für große Pläne? „Fundraising“ war nur eines der Themen, mit denen die Teilnehmer des Fachtags Regionalentwicklung sich beschäftigten.

Diemelsee-Adorf - Welche Anerkennung brauchen engagierte Menschen, und welche Probleme stellen sich ihnen? Der Fachtag Regionalentwicklung lieferte keine Patentrezepte, aber zahlreiche Anregungen.

„Ehrenamt und Vereine - Stützen des ländlichen Raums“ lautete das Thema beim dritten Fachtag Regionalentwicklung. Um zu beraten, wie diese „Stützen“ zu stärken seien, trafen sich Politiker, Vereinsmitglieder, ehrenamtlich Tätige und Mitarbeiter des Fachdienstes Dorf- und Regionalentwicklung in Adorf. Bewirtung und Unterhaltung übernahm die örtliche Landjugend - ein Musterbeispiel für ehrenamtliche Arbeit, betonte Bürgermeister Volker Becker.

Vereinsspitzen unter Druck

„Hauptprobleme für die meisten Vereine sind nicht Geld oder Bürokratie, sondern der persönliche Umgang und das eigene Selbstverständnis“, erklärte der Allendorfer Bürgermeister Claus Junghenn. Mit Sprüchen wie „Haben Sie wieder einen Dummen gefunden“ würden Verantwortliche herabgewürdigt. Zusammen mit Überlastung und Erwartungsdruck würde dies selbst die engagiertesten Vereinsführungen demotivieren.

Auch die Ansprüche von nicht in den Verein integrierten Familien würden das Vereinsleben erschweren. Häufigster Grund für Rücktritte sei aber die parallele Belastung durch den Arbeitgeber. Auch öffentliche Mittel sollten hier zum Interessenausgleich verwandt werden - ein kaum umzusetzender Plan: „Dem Verfassungsauftrag, Sport und Vereine zu unterstützen, können Kommunen mit Haushaltsdefizit schwer nachkommen“, so der selbst einem Sportverein vorstehende Bürgermeister.

Erfolgreiche Ehrenämtler gaben in Interviews Tipps: „Da nicht alle in eine Richtung rudern, ist es wichtig, konkrete Projekte zu schaffen“, schlug der in mehreren Frebershäuser Vereinen aktive Manfred Albus vor. Auch Kommunikation zwischen Vorstand und Mitgliedern sei wichtig. Befürchtungen, junge Menschen seien nicht für Vorstandsarbeit zu begeistern, wies Franziska Heldt zurück: „Vereine dürfen die Jungen bloß nicht alleine stehen lassen.“ Ämterteilung erleichtere den Einstieg, so das jüngst ausgeschiedene Vorstandsmitglied beim TSV Landau.

Die Vereine wurden auch aufgefordert, ihr Selbstverständnis zu überdenken: Sie müssten sich grundlegende Fragen wie „Wofür stehen wir?“ stellen, erklärten Ursula Müller vom Netzwerk für Toleranz und Dirk Virnich, Jugendkoordinator der Polizei Waldeck-Frankenberg. „Stammtischparolen haben eine Wirkung auf die Jugend“, sagte der Polizist, „Vereine müssen sagen: ‚Das läuft bei uns nicht.‘“

Gemeinsame Lösungssuche

Die Gäste des Fachtags beschäftigten sich in fünf Workshops selbst mit den Problemen, die sich Vereinen stellen: Die Bedeutung von Steuern und Recht war Thema bei der Gruppe „Kompliziert“. Sachkundige Beratung und die Beachtung der eigenen Satzung als „Vereinsgesetz“ seien zentral. Die Teilnehmer im Workshop „Kreativ“ waren sich des Wandels im Vereinsleben bewusst: „Wir werden nicht alle Vereine halten können“. Auch thematisch verschiedene Gruppen könnten gemeinsam viel erreichen - Konkurrenz um Aufmerksamkeit und Mitglieder müsse aber vermieden werden. „Das Zauberwort, das unsere Dörfer in die Zukunft retten kann, lautet ‚Vernetzung‘“, hatte Landrat Dr. Reinhard Kubat zuvor erklärt.

Möglichkeiten, Fähigkeiten vor Ort weiterzuentwickeln, waren die zentrale Forderung des Kurses „Kompetenz“. Beim „Fundraising“ sei die Emotionalisierung das Wichtigste: „Das ist bei Tierschutzverein und Kinderhospiz einfacher, aber auch für Dorferneuerungen kann man Gefühle wecken“, erklärte Gabrielle Kißmer vom Bathil- disheim. Ergebnis des Workshops „Komplimente“ war, dass es kein Musterrezept gibt, um ehrenamtlich Tätigen Anerkennung zu zeigen. Dankesfeste, Orden, qualifizierende Nachweise oder Ansprechpartner: Vorstände bräuchten ein Gespür dafür, was die einzelnen Mitglieder benötigen. Ansprechpartner zur Unterstützung des Ehrenamts wünschte sich auch der durch den Abend führende Fachdienstleiter Dr. Jürgen Römer: „Freiwillige müssen wissen, dass sie bei Überforderung Hilfe bekommen.“

Der nächste Fachtag Regionalentwicklung wird im Altkreis Frankenberg stattfinden und den demographischen Wandel zum Thema haben - unter dem Motto „Zuschauen - Zuwandern - Zeugen“.

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