Korbach

Debatte wie in Waschbeton

- Korbach (jk). Sperrvermerke, Haushaltssperre, pauschale Kürzungen – die politischen Beratungen zum Korbacher Finanzfahrplan 2012 ranken vielfach um Bilanzierungsfragen. Ein Kernthema der Zukunft ist der bröckelnde Rathausanbau.

Ein jüngstes Gutachten bescheinigt der Rathausfassade potenzielle Gefahr: Die über 40 Jahre alten Waschbetonplatten bröseln. Im Winter drohe verstärkte Frostsprengung am Beton. Doch nicht nur die Tage der Fassade scheinen gezählt, ebenso sind Klimatechnik, Wärmedämmung und Elektrik im Rathausanbau veraltet.Die Stadt hat im Entwurf des Etats fürs kommende Jahr 80 000 Euro Planungskosten verankert, um ein Konzept fürs Rathaus zu sondieren.

Aber bislang „ist noch völlig unklar, wie es mit dem Rathaus weitergeht“, betonte SPD-Fraktionschef Martin Dörflinger am Mittwochabend im Finanzausschuss. Deshalb wollten SPD und Grüne den Haushaltsposten mit einem „Sperrvermerk“ versehen. Im Klartext: Das Geld bleibt verfügbar, aber das Parlament soll es nach Bedarf freigeben. Wie steht es um die Bausubstanz, wie viel Platz wird benötigt, „geht es mehr in Richtung Neubau oder Sanierung“ – das alles wollen SPD und Grüne zunächst geklärt wissen, wie Heike Kramer (Grüne) und Ralph Backhaus (SPD) schon im Bauausschuss am Dienstagabend unterstrichen.

Doch die Sache hat für Bauamtsleiter Burkhard Fincke einen Haken: „Das können wir nicht alles selbst erledigen, wir brauchen dazu externe Büros, um erst einmal die Grundlagen für eine Diskussion zu erarbeiten – und das wird Geld kosten“, betonte Fincke.„Ein schlechter Antrag“, kommentierte deshalb FWG-Sprecher Maik Hartwig den rot-grünen Vorschlag: „Die Verwaltung soll handeln, kann sie aber nicht, wenn kein Geld da ist.“ Die Debatte schien wie betoniert. Doch lenkte Grünen-Fraktionschef Daniel May ein und plädierte, von den 80 000 Euro zur Vorplanung fürs Rathaus nur 40 000 Euro zu sperren, die andere Hälfte freizugeben.

Dahinter steht bei SPD und Grünen offenbar eine Portion Skepsis. Grundlagen erarbeiten für eine Planung, „das ist genau das, was wir auch wollen“, erklärte SPD-Sprecher Helmut Schmidt im Finanzausschuss: Bevor es aber darum geht, „einen Neubau für 15 Millionen hinzusetzen“, soll zunächst ausführlich diskutiert werden. Hintergrund: Seit 2008 liegen der Stadt drei architektonische Entwürfe vor für Neu- und Umbau des Rathauses. Die Spanne liegt zwischen acht und 15 Millionen Euro. Angesichts der öffentlichen Finanzlage packte die Stadt das teure Thema vorerst nicht an – und beließ es dabei, den bröckelnden Waschbeton zu beobachten.

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