Korbach

„Der ganze Laden war eine Luftnummer“

- Korbach (tk). Wegen gewerbsmäßigen Betrugs in zwei Fällen ist gestern ein 59-jähriger Mann aus Korbach vom Schöffengericht zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Die Anklage warf dem Mann vor, sich als leistungsstarker Händler von Holzpellets ausgegeben zu haben. Dass er die vertraglich vereinbarten Lieferverpflichtungen aber gar nicht erfüllen konnte, sei ihm laut Staatsanwalt von Anfang an klar gewesen.

Zwischen Juli und Oktober 2009 sicherte der Angeklagte als Eigner einer von ihm selbst gegründeten Firma einem Kunden zu, 500 Tonnen Holzpellets zum Preis von rund 16 000 Euro zu liefern. Die Rechnungssumme erhielt er gegen Vorkasse. Nach Angaben seines Anwalts ein in dieser Branche übliches Verfahren.

Im zweiten Fall regelte der Vertrag mit einem Betrieb in Aschaffenburg die Lieferung von 10 000 Tonnen Holzpellets monatlich. Hierfür kassierte der 59-Jährige vorab mehr als 31 000 Euro. Beide Zahlungen verwendete er größtenteils für private Zwecke. Die Raten für einen in dieser Zeit für 1000 Euro im Monat geleasten Geländewagen habe er allerdings aus anderen Quellen gezahlt, entgegnete der Angeklagte, als der Vorsitzende Richter Gerd Rinninsland ihn auf diesen Umstand ansprach.

Der Richter zitierte aus den Akten des Insolvenzverfahrens gegen eine vom Angeklagten gegründete KG, um dessen Geschäftsgebaren zu beschreiben: „Der ganze Laden war eine Luftnummer.“ Der Anwalt des 59-Jährigen charakterisierte seinen Mandanten als einen „Experten für Geschäfte nach dem Motto: ,...wird schon gut gehen‘.“ Doch oft genug sei es schiefgegangen.

Zu Beginn der gut 90-minütigen Hauptverhandlung hatten sich der Verteidiger des „im Prinzip geständigen“ Angeklagten, Staatsanwalt und Gericht auf ein gängiges Verfahren verständigt. Akzeptiert der in Untersuchungshaft schwer erkrankte Mann eine maximal drei Jahre und sechs Monate dauernde Freiheitsstrafe, dann stellt die Ermittlungsbehörde fünf weitere laufende Verfahren gegen ihn ein.

Diese Übereinkunft sorgte dann auch dafür, dass auf die Vernehmung von sechs geladenen Zeugen verzichtet wurde. Mit seinem Urteil blieb das Schöffengericht am Ende drei Monate unterhalb des „vereinbarten“ und vom Staatsanwalt auch so beantragten Strafmaßes. Die Gründe dafür sind nachvollziehbar. Zum einen habe der Angeklagte die Vorwürfe in vollem Umfang eingeräumt. Zum anderen sei ein gewisses Bemühen erkennbar gewesen, die Lieferverträge zu erfüllen. Überdies sei der krebskranke und unter einer massiven Lebensmittelallergie leidende Mann „in erheblichem Maße strafempfindlich“.

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