Korbach

„Der Weltmarkt klopft an jede Hoftür“

- Korbach (tk). Daten, Fakten, Analysen und Prognosen: Beim 35. Tag der Landwirtschaft in Korbach warfen Agrar-Experten einen Blick in die Zukunft. Wachstum und Wandel lauten ihre Empfehlungen.

Um den sprichwörtlichen heißen Brei redete Dr. Günther Lißmann vor den rund 300 Gästen in der Stadthalle nicht herum. Der Leiter des Dezernats für Landwirtschaft im Regierungspräsidium (RP) Kassel verdeutlichte die Auswirkungen des agrarstrukturellen Wandels in Nordhessen, erklärte die Ursachen und zeigte die Konsequenzen auf. Der zweite Referent des Vormittags, Dr. Klaus Kliem, Präsident des Thüringer Bauernverbandes und Vorsitzender der Union zur Förderung der Öl- und Proteinpflanzen (UFOP), sprach über die Chancen der Bioenergieerzeugung für den ländlichen Raum. Mit 145 Betrieben, die mehr als 100 Hektar Fläche bewirtschaften, liegt Waldeck-Frankenberg auf Platz 5 der Liste aller hessischen Landkreise. Hier ist auch der Anteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche (76 000 Hektar) am Gesamtvolumen am höchsten. Rund 700 Höfe werden als Haupt-, mehr als 2000 als Nebenerwerbsbetriebe geführt. Lißmann widersprach in seinem Referat der häufig herrschenden Meinung, eine verfehlte Agrar- und Verbandspolitik oder „Machenschaften der Molkereien oder des Lebensmittelhandels“ hätten zu der Misere bei den Erzeugerpreisen geführt. Als Ursachen für den „gewaltigen Strukturwandel“ nannte er vielmehr den technischen Fortschritt, die marktwirtschaftliche Grundordnung und die zunehmend liberalisierten Weltmärkte: „Der Weltmarkt ist zum Wochenmarkt geworden und klopft an jedes Hoftor.“ „Der technische Fortschritt ist der Taktgeber für künftiges Wachstum“, stellte er fest. Um zu überleben, seien die Betriebe gezwungen, die „real rückläufigen Stückgewinne“ durch quantitative und/oder qualitative Mehrproduktion auszugleichen. Dieses Wachstum sei jedoch fast immer damit verbunden, auch den Umfang der genutzten Acker- und Grünlandflächen zu erweitern. Da die landwirtschaftliche Nutzfläche nicht beliebig vermehrbar sei, sondern im Gegenteil stetig schrumpfe, funktioniere „Wachsen nicht ohne Weichen“.

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ-Ausgabe vom Mittwoch, 13. Januar 2010.

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